Die große Torten-Verschwörung

Die große Torten-Verschwörung!

Interview mit einer Aussteigerin. Von Mahlim Ernst

Mein Schwager ist Besitzer einer großen Konditorei-Kette in Norddeutschland. Was er mir jetzt an einem lauen Frühsommerabend berichtete, hat mir fast die Schuhe ausgezogen. Eine Gruppe von Senioren bessern ihre Rente damit auf, in dem sie die Konditoreien erpressen. Entweder lässt sich die Konditorei den Preis für den angebotenen Kuchen diktieren oder die gut organisierten Senioren sorgen dafür, dass der Absatz der Backwaren ins Bodenlose sinkt. Ich fragte ihn, wie das denn möglich sein soll. Da erklärte er mir, dass es diese Ear-Micros gäbe, also Dinger, die man sich ins Ohr steckt und mit denen man mit einzelnen oder mehreren Personen auf einer bestimmten Frequenz kommunizieren könne. Die sähen aus wie normale Ohrhörer. Und wenn nun ein Konditor die Bedingungen der Senioren nicht erfüllen würde, erführe das gleich die gesamte Gruppe. Und weil diese Seniorengruppe sehr groß ist und sie dann den Kauf von Produkten bei ihren Opfern für einen Monat einstellen, falls diese nicht mitspielen, treibe das so manchen Bäcker in den Ruin. Inzwischen wäre es sogar so weit, dass die Konditoreien direkt von der „Grande Dame“, also der Anführerin dieser Gruppe, per Telefon die Preise diktiert bekommen. Zusätzlich bekommt die Gruppe von jedem Stück verkauftem Kuchen 15 Prozent! Einige Konditoreibesitzer verkaufen daher lieber ihr Geschäft – zum Spottpreis. Käufer ist meistens ein Konsortium, dass sich in Norddeutschland gerade etablieren will.

Ein Lübecker Journalist hat davon vor einem Jahr Wind bekommen und ging recherchieren. Seine Ergebnisse nannte er die  „Große Torten-Verschwörung“. Von einer Kaffeefahrt, die er bei seinen Recherchen begleitet hatte, ist er aber nie wieder zurückgekommen. Die Suche nach ihm blieb ergebnislos. Er konnte aber noch eine E-Mail verschicken, in dem er berichtete, dass hinter dem Konsortium, an dem die Bäckereien verkauft werden, die „Silberne Hand“ stecken würde, so bezeichnete er die Ear-Micro-Senioren-Gruppe.

Ich fragte meinen Schwager, wie die sich denn in der Öffentlichkeit gegenseitig erkennen würden und er antwortete mir, dass der Gehstock ihr Erkennungszeichen sei. Wenn sich also auf der Straße eine Seniorin scheinbar aufregt und wild ihren Gehstock in die Luft fuchtelt, dann begrüßt sie in Wahrheit nur eine der ihren auf der anderen Straßenseite.

Das Ziel dieser „Silbernen Hand“ ist die gesamte Kontrolle aller Kuchen und Gebäcke in ganz Deutschland. Erstmal!. Aus einer Agenda, die ihm heimlich zugesteckt wurde, geht hervor, dass bis zum Jahr 2023 die ganze Gebäckwelt unter ihrer Kontrolle gebracht werden müsse.

Ich war skeptisch, konnte dies alles nicht so recht glauben und begab mich deshalb selbst auf Recherche. Über viele kleine, fast undurchsichtige Spuren fand ich übers Internet schließlich eine heiße Spur: eine Aussteigerin! Ihr Name: Gudrun Schreiber. Ich konnte sie nur deshalb finden, da eine gute Bekannte von mir bei der Deutschen Aufsichtsbehörde für Elektronischen Datenfluss, kurz DAD, arbeitet. Bei einem E-Mail-Austausch zwischen eben dieser Frau Schreiber und ihrer Schwester fielen die von mir gesuchten Schlüsselwörter, woraufhin sie in den Mailverkehr einsehen konnte. Dazu sei gesagt, dass diese Technik eigentlich nur zur Terrorbekämpfung eingesetzt wird und sie mir eben nur einen Gefallen tat, deshalb soll der Name dieser Mitarbeiterin hier auch nicht genannt werden (Sie hat es eh nicht einfach bei der DAD, da sie wegen eines Nierenleidens jeden Montag zur Dialyse muss und entsprechend oft ausfällt). Nun gut, als ich die Adresse von Frau Schreiber hatte, nahm ich Kontakt zu ihr auf. Es hat viele Monate gedauert und viele Pralinenpackungen gekostet bis ich schließlich ihr Vertrauen gewinnen konnte. Hier nun ein exklusives Interview:

Frage: Frau Schreiber, schön, dass Sie sich für das Interview zur Verfügung gestellt haben. Simone Schreiber ist nicht Ihr richtiger Name, richtig?

Schreiber: Nein, nach dem ich ausgestiegen bin, wurde mir massiv gedroht, so dass ich sowohl meinen Namen als auch meinen Wohnort geändert habe

Frage: Sie gehörten einer Gruppe von ca. 300 Senioren an, die in einer geheimen Verschwörung die Konditorei-Branche an sich reißen will. Was sollte man über diese Gruppe wissen und wie nennt sie sich eigentlich selbst.

Schreiber: Das weiß ich nicht, da ich es nur bis zur zweiten Stufe geschafft habe. Die Gruppe besteht aus insgesamt sechs Stufen. Über den sechs Stufen sitzt die „Grande Dame“.So will sie jedenfalls genannt werden.

Frage: Welche Aufgaben hatten Sie in der zweiten Stufe?

Schreiber: Wir waren 100 Senioren, die dazu ausgebildet wurden, die Medien mit Desinformationen von uns abzulenken. Wir riefen zum Beispiel bei den Redaktionen an und forderten eine Rentenerhöhung oder beschwerten uns über die medizinische Mangelversorgung. Manchmal luden wir Redakteure auch zum „Bingo“ ein, da ist aber nie jemand gekommen.

Frage: Können Sie uns etwas zu den Zielen dieser Gruppe verraten?

Schreiber: Zunächst die Übernahme der gesamten Konditorei-Industrie, erst in Deutschland,   dann europaweit, schließlich die Welt. Das aber nur deshalb, um Geld zu  generieren, mit dem wir die Medien unterwandern, zwecks Einschränkung bzw. Abschaffung der  Popmusik, um sie mit der wertetreuen Volksmusik zu ersetzen. Erst in Deutschland, dann in Europa und schließlich in der ganzen Welt.

Frage: Würde darunter dann auch die Gruppe Abba fallen? Die sind doch eigentlich harmlos!

Schreiber: Jede Art der Popmusik, also auch die Beatles oder auch z.B. Peter Maffay. Mit dem Motiv war ich auch sehr einverstanden, nur die Mittel fand ich irgendwann nicht mehr so richtig.

Frage: Wann haben Sie beschlossen, auszusteigen?

Schreiber: Das war vor etwa zwei Jahren bei dem 300-Treffen in Hannover. Die „Grand Dame“ predigte von den Unarten der Jugendkultur und insbesondere der Popmusik, erzählte von neuer Musik, die sie gehört hatte, Lady GaGa, so was halt. Da wagte eine von uns zu fragen, wieso sie so etwas hören dürfe, wo es doch bei uns strengstens verboten ist. Sie wurde dann von Senioren der Sicherheitsebene, da ist die dritte Ebene, einfach abtransportiert und ihr wurde das Ear-Micro abgenommen. Ich kannte sie etwas näher und wusste, dass sie ein Ear-Micro mit Verstärker trug, da sie schwerhörig war – und den haben sie ihr einfach aus dem Ohr gerissen. Es war scheußlich! Da beschloss ich, nach der Veranstaltung auch mein Ear-Micro rauszunehmen und mich von dieser Gruppe abzuwenden.

Frage Wenn Sie über diese Frau sprechen, sprechen Sie in der Vergangenheitsform. Was ist aus ihr geworden?

Schreiber: Ich war noch bei zwei, drei Treffen, sie tauchte aber nicht auf. Wir alle wussten, was mit ihr geschehen sein musste.

Noch eine letzte Frage: Das scheint ja eine sehr gefährliche Gruppe zu sein. Wie erkennt man die Mitglieder auf der Straße?

Schreiber: Sie dürfen keine Jeans tragen, auch keine Lederhosen, tragen graue, schwarze, manchmal rote Mäntel und gehen immer mit Hut oder Kopftuch raus. Alle nutzen als Erkennungssignal einen Gehstock. An der gebückten Haltung und an dem Stock selbst kann man erkennen, welcher Stufe sie angehören. Zum Beispiel darf niemand so gebückt gehen wie die „Grande Dame“. Ein weiteres Merkmal der Mitglieder sind die Haare, entweder sind sie gräulich-silber oder weiß. Und natürlich das Gerät im Ohr. Es ist also ganz einfach, sie zu erkennen, wenn man erstmal eingeweiht ist.

Das Interview führte ich vor einem Monat. Seitdem erreiche ich sie nicht mehr. Wenn Sie Großeltern haben, die sich plötzlich merkwürdig benehmen oder beim Bäcker ein Rentner irgendwie auffällt. Halten Sie es fest, dokumentieren sie es mit Handy oder machen Sie sich Notizen. Wir müssen die „Silberne Hand“ aufhalten, sonst wars das mit der guter Musik zu Mohnkuchen, den wir uns noch leisten können.

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3 Antworten zu Die große Torten-Verschwörung

  1. clausclausen schreibt:

    genau derartige beiträge machen eine solche seite unseriös.

    • Björn Kügler schreibt:

      clausclause, dass ist Satire. Aber um sicher zu gehen, dass diese von jeden auch so verstanden wird, habe ich für solche „Beitrage“ inzwischen den Blog Mikromente eingerichtet. Trotzdem interessant, dass du die Satire in diesem Beitrag nicht erfasst hast. Das sehe ich eher als Kompliment.

  2. clausclausen schreibt:

    jetzt im nachhinein seh ichs auch. habe mir vorher noch andere artikel durchgelesen und war vielleicht ein bischen blind. der sarkasmus springt einem ja förmlich ins gesicht. hätte mir eigentlich schon an dem namen auffallen sollen. 🙂

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