Das Zitat der Woche kommt vom Deutsche Bank-Chef Ackermann:

„Alle unsere Geschäfte müssen nicht nur rechtlich, sondern auch ethisch einwandfrei sein.“ Josef Ackermann auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank am 25.05.2011

Vergessen wir einfach einmal kurz, welche Rolle die Deutsche Bank bis zu diesem Zeitpunkt im globalen Raubzug spielt, vergessen wir die Milliardengeschäfte mit Waffenkonzernen, vergessen wir den Immobilienbetrug in den USA (sicher nur die Spitze des Eisberges) und denken wir mal kurz nicht an den arabischen Frühling, den die G8-Staaten mit 20 Milliarden Euro unterstützen möchte (wo kommt das Geld her und unter welchen Bedingungen geht es dorthin?). Vertrauen wir doch einfach mal den neuen Tönen von Josef Ackermann, vertrauen wir darauf, das dies der Anfang einer Kehrtwende ist, einer neuen Welt! Nur für einen Augenblick! Nur noch ganz kurz! Bitte noch eine Sekunde .. uff, war das schön. Kehren wir zurück zur Realität!

Auf dem Weg vom Wagen in die Farnkfurter Festhalle waren Josef Ackermann die klagenden Töne der Trillerpfeifen und die vielen Transparente mit Aufschriften wie „Deutsche Bank. Tödliche Gewinne!“ sicher egal, weil nicht neu, und vor allem nicht gewinnbringend. Störend waren da schon eher die Protestler, die seine schöne Erfolgsbilanz-Rede ständig unterbrachen. Denn erstens dauerte es immer wieder ein wenig bis diese aus dem Saal gezerrt wurden und zweitens hatte er ja noch was für die ewigen Zweifeler, aber eben erst später. Erst einmal mussten vom Telepromper weiter die Erfolge aufgelistet werden. Der Deutschen Bank ginge es so gut wie nie zuvor und neben dem großen Standbein Invetment wolle man mit der Übernahme der Postbank sich auch wieder um die Kleinstkunden kümmern. Man stelle sich vor, in was für ein Interessenkonflikt die Kundenberater kommen. Der Eingangssatz einer fast jeden Finanzberatung lautet ja: „Wollen Sie nicht auch kräftig Steuern sparen?“ Wenn aber dann alle kräftig Steuern sparen, sind keine Steuereinnahmen da, um die Zinsen unserer Staatsverschuldung zu bezahlen. So oder so: Alles aus einer Hand, wie schön!

Und dann, und dann, leider waren die Nörgler und Kritiker ja schon draußen, dann durfte Josef Ackermann großes Mitgefühl zeigen. Minuten nach dem obigen Zitat von Achermann rollte Brenislav Kopanovic auf die Bühne, Der serbische Minienräumer wurde im Jahr 2000 Opfer eines Sprengsatzes, den er bei seiner Arbeit übersehen hatte. Bis heute gibt es schätzungsweise 100.000 Opfer von Streumonitionen, hergestellt mit finanziellen Mitteln der Deutschen Bank. Kopanovic, lebend, aber total verstümmelt, mahnt die Maßanzugsträger zu mehr Moral und zur Beendigung solcher Geschäftsbeziehungen. Ackermann machte darauf deutlich, dass sein Schicksal ihm persönlich leid tue und dass er persönlich gegen Streumunition sei. Da er aber Chef der Deutschen Bank ist und persönliche Ansichten da überhaupt nichts zu suchen haben, verkündete Ackermann später nur, dass man zukünftig prüfen möchte, ob man auf solche Geschäftsverbindungen eingehen wolle. Das die Deutsche Bank das seit jeher genauestens tut, spielte dabei keine Rolle. Und so lernen wir wieder einmal: was man hört und was man sieht, ist meist nie das, was gerad‘ geschieht.

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