Joseph Blatter: Der Pate bleibt an der Macht. Vorerst!

Die FIFA wählt Blatter als Präsidenten in seine vierte Amtszeit – trotz zahlreicher Bestechungsvorwürfe, dubioser Machtspielchen und sturer Kritikabweisungen. Der alte Mann tut alles dafür, seine Macht über sein Imperium zu halten. Dafür sind ihm keine Mittel zu schmutzig. Es geht um „seine Familie“, um Milliardenumsätze und Einfluss rund um den Erdball. Das ist nicht der Inhalt eines neuen Mafia-Films, sondern ein unglaublicher und realer Krimi, wobei in diesem Fall der Superschurke zu gewinnen scheint.

Als Präsident des Weltfußballverbandes (FIFA) verfügt man nicht nur sportlich über einen großen Einfluss. Denn bei der Vergabe der Fußballweltmeisterschaft spielen immer auch politische und wirtschaftliche Motive eine große Rolle. Es geht um millionenschwere Aufträge für Unternehmen, die sich u.a. um Stadionbau, Infrastruktur, Merchendising, Sponsoring kümmern, um Übertragungsrechte der Sendeanstalten und natürlich darum, sich als Land vier Wochen lang vor mehreren hundert Millionen TV-Zuschauern präsentieren zu können. Dass es letzten Endes aber um Fußball geht, scheint Joseph Blatter vergessen zu haben. Bei soviel globaler Macht scheint Blatter um einen viel größeren Ball zu tanzen – Welt-Ball statt Fußball.

Ungereimtheiten und Kritik tauchten bei der FIFA immer wieder mal auf. Sei es der übertriebene Markenschutz der Sponsoren, deren Konkurrenten bei der WM in Deutschland erst ab 100 Meter Luftlinie abseits vom Stadion für sich werben durften oder die sofortige Abmahnung, sobald eine Firma den Begriff „Fußball-WM“ für sich nutzte, ohne offizieller Sponsor zu sein. Punktabzüge für Kamerun bei der WM-Qualifikation wegen ihrer selbstentwickelten einteiligen Bekleidung oder die Drohung gegenüber Österreich, von der WM im eigenen Land ausgeschlossen zu werden, ließen Kritik an der Allmacht der FIFA verlauten.

F.I.F.A. – Förderation Internationaler Finanz-Aufsauger

Für eine große Überraschung sorgte dann die WM-Vergabe für 2022 an Katar, einen kleinen Wüstenstaat, der mit Fußball bislang so wenig zu tun hat wie Deutschland mit Sumo-Ringen. Dabei schmeckte die Suspendierung von zwei Exekutivmitgliedern, die ihre Stimmen zur Vergabe verkaufen wollten, zwei Monate zuvor, nur noch schaler. Dazu kamen Korruptionssvorwürfe gegenüber drei weiteren Exekutivmitgliedern kurz vor der Vergabe, die aber einfach unter den Tisch fielen.

Doch der Bestechungsreigen fand einfach kein Ende. Dezember 2010: Der Vizepräsident der FIFA und Präsident des argentinischen Fußballverbandes, Julio Grondona, soll von Katar 58 Millionen Euro bekommen haben. Aufklärung per Zeitlupe? Fehlanzeige! Anfang Mai beschuldigte der ehemalige Chef des englischen Fußballbundes die Exekutivmitglieder von Thailand und Trinidad und Tobago jeweils 1,5 Millionen Euro aus Katar erhalten zu haben. Rote Karte? Fehlanzeige! Inzwischen pfiffen die Fußballfans ihre Globalplayer gnadenlos aus. Josef Blatter wusste aber angeblich von nichts und hielt einfach die Füße still. Nur wenige Tage später kamen neue Unregelmäßigkeiten ins Spiel, diesmal von Chuck Blazer, Exekutivmitglied der USA. Aber: the show must go on!

Bizarrer Showdown kurz vor der Wiederwahl

Letzte Woche, am 27. Mai, gingen die Vorwürfe an Blatter direkt. Die Ethik-Kommission der FIFA beschuldigte ihn, von diversen Zahlungen an FIFA-Mitglieder aus der Karibik gewusst zu haben. Pikant dabei: Ethikkommissionsmitglied Bin Hammam war gleichzeitig einziger Gegenkandidat von Josef Blatter. Es wurde also richtig ernst. Doch dann passierte Merkwürdiges: Nur einen Tag später, drei Tage vor der Wahl, tritt Bin Hammam überraschend zurück. Und nicht nur das! Nun wurde wiederum ihm und Vizepräsident Jack Warner Korruption vorgeworfen. Es folgte eine sofortige Suspendierung.

Was nach einer schnellen Säuberungsaktion aussieht, kann sich noch als chaotisch kreisender Bumerang erweisen. So beschuldigte Jack Warner gestern Joseph Blatter, dem Kontinentalverband Nord-/Mittelamerika/Karibik eine Million Dollar „geschenkt“ zu haben. Gegenüber der Presse wollte sich Blatter gestern dazu nicht äußern. Den Vorwurf, die FIFA in die größte Krise ihrer Geschichte gelenkt zu haben, wies Blatter barsch zurück (siehe Video). Der englische Verband forderte dringlich den Spielabbruch, also die Verschiebung der Wahl – vergeblich. Gleichzeitig lud in Zürich ein „Insider“ zu einer Pressekonferenz in einem Hotel ein, um „eine Bombe platzen zu lassen.“ ZDF-Sportreporter Nils Kaben und seine Kollegen wurden jedoch immer wieder telefonisch vertröstet. Inzwischen zieht ein Gerücht seine Kreise, demnach dieser Insider sich erst nach der Wahl Blatters äußern will. Soviel steht zumindest fest: Elf der 24 Exekutivmitglieder stehen unter Korruptionsverdacht. „Die Pyramide wankt!“, gab Blatter zu. Doch so lange keine Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Mitglieder dieses Milliardenimperiums aufgreift, kann „Sepp“ Blatter mit seinem Verein schalten und walten, wie er will.

Vorerst hat es Blatter jedoch geschafft. Ohne Gegenkandidat und mit dem Versprechen, bei der nächsten WM-Vergabe nicht nur die 24 Exekutivmitglieder, sondern alle 208 Mitgliedsstaaten abstimmen zu lassen, hat er den Kongress auf seine Seite ziehen können. Dass dies aber erst für die Vergabe der WM im Jahr 2026(!!!) eine Rolle spielt, schienen die Mitglieder vor lauter Showglitter auf der Bühne nicht bedacht zu haben. Es sei denn, die Wahl für die Vergabe der WM 2022 wird doch noch wiederholt. Aber dann wird Joseph „Sepp“ Blatter nichts anderes übrig bleiben, als das Spielfeld zu verlassen. Zum Abschied bekommt er dann die Filmtrilogie „Der Pate“! Und die Fußballfans haben wieder einen Grund zum Jubeln.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kontra.e abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s