Merkel über die Neue Weltordnung

Ein kleiner Augenöffner vom Evangelischen Kirchentag in Dresden

Als ich den Mitte der 1980er Jahren davon sprach, dass das Ziel der Regierenden sei, eine Neue Weltordnung zu schaffen, galt dies noch als wilde Verschwörungstheorie. Kurz nach Beginn des Golfkrieges im Februar („This ist the beginning of The New World Order!“ und wenige Monate später am 11. September 1991 warb der damalige amerikanische Präsident Georg W. Bush für die Neue Weltordnung.

Dass sich seitdem Politiker wie z.B. Henry Kissinger immer wieder die Neue Weltordnung herbeiwünschen – geschenkt. Überraschend jedoch ist, dass ausgerechnet der Evangelische Kirchentag am 4. Juni 2011 eine Podiumsdiskussion mit dem Titel ausrichtete „Auf dem Weg zu einer neuen Weltordnung?“, zu Gast war u. a.  Kanzlerin Merkel. Hier ein weiterer Auszug aus ihrer Rede:

 „Und die G20, das sind eben nur 20 Länder von über 180. Und da stellt sich dann natürlich die Frage, wie kann man das arrangieren, das diese 20 eine Legitimation bekommen, auch für viele andere mitzusprechen. Und da möchte ich zwei Dinge sagen, die uns ganz gut gelungen sind und wo wir weiterarbeiten sollten. Ich habe mich immer sehr dafür eingesetzt, dass bei diesen G20-Treffen auch die internationalen Organisationen mit am Tisch sitzen. Das sind die Vereinten Nationen, das ist der Internationale Währungsfond, das ist die Weltbank, das ist die OECD und das ist auch die Internationale Arbeitsorganisation.“

Lesen Sie ruhig noch einmal! „Und die G20, das sind eben nur 20 Länder von über 180. Und da stellt sich dann natürlich die Frage, wie kann man das arrangieren, das diese 20 eine Legitimation bekommen, auch für viele andere mitzusprechen.“ Ihre Antwort: Indem man die Finanzhaie mit an dem Tisch setzt und mit über die Ordnung der 180 Länder bestimmt. Der Begriff „Neue Weltordnung“ bzw. „New World Order“ ist auch heute noch Gegenstand vieler Verschwörungstheorien. Fakt ist jedoch, dass mit dem Fall der Mauer, am 9.11.1989, dem Ende des Kalten Krieges und dem WTC-Anschlag am 11.9.2001, die Ordnung der Welt tatsächlich verrückt wurde. Auf der einen Seite verlieren die westlichen Staaten mehr und mehr Souveränität zu Gunsten gemeinschaftlicher Ordnungen wie z.B. der Europäischen Union. Auf der anderen Seite erlaubt der Krieg gegen den Terrorismus nicht nur die Errichtung von Überwachungsstaaten, sondern auch den Krieg gegen Staaten, die vermeintliche Terroristen schützen. Und wenn keine Terroristen vorhanden sind, gibt es nun einen weiteren Grund für einen Angriffskrieg: Den Schutz der zivilen Bevölkerung, wie z.B. in Libyen mit der Uno-Resolution 1972.

Dass die Überwachung der Flugverbotszone zum Schutz der Zivilisten in Libyen eine einzige Farce ist, dürfte jedem klar sein, der aufmerksam die Nachrichten verfolgt. Die Angriffe der NATO-Kampfjets führten nach Angabe der Regierung bis heute zu 718 ZIVILEN Opfern. Es ist wichtig zu wissen, dass Gaddafi weder Kredite von der Weltbank noch vom IWF wollte und in der Afrikanischen Union sogar für eine eigene mit Gold gedeckte Währung geworben hatte. Und auch die Völker der Nachbarstaaten werden sicher nicht vom „Arabischen Frühling“ profitieren. Millionen schwere Fonds vom IWF sollen in Ägypten und Tunesien jeweils das Bildungssystem und die Demokratisierung nach westlichem Vorbild unterstützen. Wenn jemand hier tatsächlich der Meinung ist, in einer vorbildlichen Demokratie zu leben, muss er sich mit „6, setzen!“ aus der Diskussion raushalten und darf, wenn er denn will, nachsitzen, heißt nachlesen.

Die Bevölkerung in Ägypten, die von Anfang an jede westliche Unterstützung ausdrücklich abgelehnt hatte, ist über die Vorgänge informiert und geht weiter auf die Straße, aber dieses Mal geht die Übergangsregierung sehr viel härter gegen die Demonstranten vor. Tausende Protestler sitzen inzwischen in Haft. Die Medien hierzulande mögen darüber einfach nicht berichten, war doch so schön mit der friedlichen Revolution. Willkommen in der Neuen Weltordnung.

Der „European Summer“ wird zumindest bewirken, dass mehr und mehr Menschen verstehen, wogegen sich diese Proteste richten. Vielleicht erlangen wir mit dieser Bewegung sogar tatsächlich echte Demokratie, echte Unabhängigkeit und echte Freiheit!

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14 Antworten zu Merkel über die Neue Weltordnung

  1. Stefan9999 schreibt:

    Hier wird subtil verdreht durch Vereinnahmung des Begriffs „Neue Weltordnung“. Genau genommen, sagt der Begriff nur, dass sich die Weltordnung ändert. Er ist nicht auf eine bestimmte Weltordnung festgelegt. Als z.B. George Bush Senior gagte, „das ist der Beginn einer neuen Weltordnung“, bezog er sich auf das Ende des Kalten Krieges und die alte, dadurch dominierte Weltordnung. NMach dem Kalten Krieg gab es keine Ost/West-Spaltung mehr, das kann man durchaus als neue Weltordnung bezeichnen. Nun kenne ich Krichentage und weiß, dass die Mehrheit der Teilnehmer da eher linksalternativ bis linksliberal denkt. Auf dem Kirchentag ging es wohl eher um die Überwindung der Nord-Süd-Spaltung und auch das wärer eine neue Weltordnung. Es ist davon auszugehen, dass Frau Merkel den Begriff in diesem Kontext nutzte. Dass sie hierdurch den Braunesoterikern und den Geschäftemachern aus der Verschwörungstheoretikerszene neue Nahrung lieferte, hat sie wohl nicht bedacht.

    • Hallo wach! schreibt:

      Nee is´ klar, Braunesoterikern und den Geschäftemachern aus der Verschwörungstheoretikerszene also. Sie sind echt ´nen richtiges Cleverle!

      Beweist für Sie natürlich auch nichts. Mich hingegen stimmen solche Aussagen ziemlich nachdenklich, wenn ich das momentane Weltgeschehen, Eurokrise, ESM, Public Private Partnerships und das geplante Freihandelsabkommen etc.pp. berücksichtige. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Ihr Vertrauen in Merkel und die Politiker im Allgemeinen, absolut unerschütterlich ist und auch immer bleiben wird. Ich bitte Sie jedoch eindringlich, wachsame und denkende Menschen nicht in die braune Ecke zu stellen!

  2. rolf schreibt:

    die neue Weltordnung ist die Alleinherrschaft der Finanzeliten bei gleichzeitiger Enteignung/Entrechtung der Bürger.

  3. Stefan schreibt:

    @rolf: Woher stammt diese Definition? Mal abgesehen davon, wenn das die Definition wäre, dann würde sie ja die bestehende Weltordnung beschreiben. Das würde bedeutren, wir hätten bereits die NWO und es steht somit im Widerspruch zu der Aussage von Frau Merkel, dass sie erst geschaffen werden muss.

  4. Stefan Wehmeier schreibt:

    „Ich glaube – und hoffe – auch, dass Politik und Wirtschaft in der Zukunft nicht mehr so wichtig sein werden wie in der Vergangenheit. Die Zeit wird kommen, wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten. Politik und Wirtschaft befassen sich mit Macht und Wohlstand, und weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten.“

    (aus „Profile der Zukunft“)

    Kein ernstzunehmender Wissenschaftler hat es je gewagt, an den prophetischen Worten von Sir Arthur Charles Clarke (1917 – 2008) zu zweifeln. Mit Recht, denn Machtausübung ist Dummheit und allgemeiner Wohlstand ist selbstverständlich. Nur nicht für jene (Politiker, Theologen, „Wirtschaftsexperten“, etc.), die in totaler Bewusstlosigkeit etwas „regeln“ wollen, was nicht geregelt werden kann, solange es sich durch das vom Kapitalismus befreite Spiel der Marktkräfte nicht selbst regelt.

    Um ein Bewusstsein zu erlangen, bedarf es der längst überfälligen „Auferstehung von den Toten“. Als geistig Tote sind alle Existenzen zu bezeichnen, die vor lauter Vorurteilen nicht mehr denken können. Werden Sie lebendig: http://www.deweles.de

  5. Hubian schreibt:

    Frau Merkel soll ja auch schon beim 40jährigen Jubiläum der CDU angekündigt haben, dass wir auf Demokratie kein Ewigkeitsanspruch haben …

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  13. Thomas Edward Hill schreibt:

    Na ich denke das die alte Weltordung nun ins Wanken gerät in Europa.Zu viele Umwelt und Sozialprobleme lösen eine vernünftige Zukunft nicht,es ist ein alter Zeitgeist der hier herrscht.Wir bewegen uns in den Feudalismus.Dadurch haben die Nazis ein leichtes Spiel hier in Europa durchzukommen.Die jetzigen Politiker sollen gehen die herrschen und den neue Ideologen das Feld Überlassen.Die moderner sind und das Wollen verwirklichen.Das ist Demokratie.Ich denke das der NSA hier viel beobachtet und eventuell einschreitet wenn es zu Complicationen kommt.
    Ein Amerikaner

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