Augen zu und durch! Die historische Verstrickung der BRD mit dem Rechtsextremismus.

Die Ermittlungen rund um die sogenannte  „Zwickauer Zelle“ sollen auch die Verwicklungen des Verfassungsschutzes und des Bundesnachrichtendienstes klären. Das geht aber nicht ohne die Offenlegung aller Kenntnisse zu den geheimen Nato-Armeen und der erneuten Aufklärung des Oktoberfest-Anschlages von 1980. Doch so ein Antrag auf Aufklärung wurde erst vor zwei Jahren vom Parlament abgelehnt.

Es ist verwunderlich, wie überrascht und entsetzt Journalisten und Politiker auf die Ausmaße des Rechtsextremismus und der „Zwickauer Zelle“ reagieren, wie es denn sein könne, dass drei Rechtsextremisten über Jahre hinweg schalten und walten, wahrscheinlich morden konnten (für die „Döner-Morde“ gibt es bisher außer dem Bekenner-Video keinen Beweis), ohne dass die Sicherheitsbehörden etwas davon mitbekommen haben bzw. unternehmen konnten. Dass die NPD nur deshalb nicht verboten werden konnte, weil Funktionärsposten von V-Leuten des Verfassungsschutzes besetzt waren, ist nun zumindest in die breite Öffentlichkeit durchgedrungen.

Ist denn aber tatsächlich vergessen worden oder spielt es wirklich keine Rolle mehr, dass die Gründung des Bundesnachrichtendienstes im Jahre 1956 aus der „Organisation Gehlen“ hervorging? Reinhard Gehlen war während des 2. Weltkrieges der Leiter der „Abteilung Fremde Heere Ost“ des damaligen deutschen Generalstabs. Gehlen war von 1956 bis 1968 auch der erste Leiter des BND. Wie kam es dazu? Als die Nazis 1945 besiegt wurden und vollständig vernichtet werden sollten, stellten die britischen und amerikanischen Besatzer fest, dass ihr bisheriger Verbündeter, die Sowjetunion, ihre ganz eigene kommunistische Strategie verfolgte, das gesamte ösltliche Europa besetzt hielt und sich immer mehr auszubreiten drohte. So verdrängte die kommunistische Sowjetunion die Nazis als Angstgegner Nr. 1! Aus der Befürchtung heraus, die Sowjets würden Europa überrollen, änderten die westlichen Besatzer ihre Strategie. Offiziell gab es die Nürnberger Prozesse und die vollständige Entnazifizierung der Deutschen. Hinter den Kulissen nutzte man die Dienste von Reinhard Gehlen, der sich den Allierten anbot und als ehemaliger Leiter der Abteilung „Fremde Heere Ost“ über hervorragende Kenntnisse und Kontakte verfügte. So wurde ein ranghoher Nationalsozialist Leiter der „Organisation Gehlen“

„Es gelang Gehlen, auch wenn er selbst dies nachhaltig abstritt, eine große Anzahl der noch lebenden Mitglieder seiner früheren Dienststelle für den Dienst zu interessieren, weil sie in ihrer neuen Stellung häufig mit einer neuen Identität versehen wurden. Eingestellt wurden zu einem großen Teil Ehemalige der SS, des SD, der Gestapo, der Abwehr und vor allem Wehrmachtsoffiziere.“  Wikipedia, Stand: 30.11.2011

Noch 1970 waren zwischen 25–30 Prozent der Beschäftigten des BND ehemalige Angehörige dieser Organisationen. Schauen wir einmal, wie der personelle Struktur des Bundesverfassungsschutzes in dieser Zeit aussah: Von 1955 an war Norbert Schrübbers der amtierende Vorsitzende – bis er 1972, nach fast 20 Jahren, zurücktreten musste. Der Grund:

„Rücktritt, nachdem seine Tätigkeit in der NS-Justiz während der Zeit des Nationalsozialismus bekannt wurde. Unter Schrübbers sollen auffällig viele hohe Positionen im Bundesamt mit ehemaligen SS– bzw. SD-Angehörigen besetzt worden sein.“ Wikipedia, Stand: 30.11.2011

Die Amerikaner nutzen noch eine weitere Strategie gegen die kommunistische Bedrohung: die „Stay Behind-Armeen“, auch bekannt als „Gladio-Projekt“. In ganz Europa wurden Geheim-Armeen aufgebaut, die im Falle eines Überfalls der Sowjetunion als Partisanen die Infrastruktur zerstören sollten, z.B. wichtige Brücken, Schienen, Straßen sprengen und Anschläge auf Sowjet-Stützpunkte verüben sollten. Natürlich wurden dafür zum einen Anti-Kommunisten rekrutiert und eben auch Männer mit Militärerfahrung. Diese Armeen wurden von der CIA aufgebaut, ausgebildet und ausgerüstet. Überall in Europa entstanden Waffenlager, auf die die Geheim-Armeen hätte zurückgreifen können, wenn das heimische Militär besiegt worden wäre. Dies geschah ohne Wissen und Legitimation der jeweiligen Regierungen. In Italien war die Wahrscheinlichkeit, dass die Kommunisten in die Regierung kommen in den 1960er und 1970er Jahren besonders hoch. Schließlich saßen sie schon im Parlament. Schwere Terroranschläge durchzogen das Land, die immer den „Roten Brigaden“, einer linksradikalen Gruppe, zugeordnet wurden und so die politische Kraft der Kommunisten schwächte. Inzwischen sprechen sehr viele Indizien dafür, dass für diese Terroranschläge die Gladio-Gruppe verantwortlich war, um gezielt die politische Stimmung zu beeinflussen.

„Der italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti gab im Rahmen der nachfolgenden parlamentarischen Untersuchung an, dass Gladio auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern existiere, was einen europaweiten politischen Skandal auslöste. Dies führte zu parlamentarischen Anfragen in mehreren Ländern. In Italien, Belgien und der Schweiz kam es zu Untersuchungskommissionen.“ Wikipedia, Stand: 01.12.2011

In Deutschland verschwieg man trotz Kenntnisnahme das Gladio-Netzwerk der Öffentlichkeit. Obgleich man sich sofort hätte fragen müssen: Gab es auch hier Terroranschläge, die dem Gladio-Netzwerk zugeordnet werden können? Die Geschehnisse rund um den Oktoberfest-Anschlag von 1980 in München, werfen zumindest einige Fragen auf. Beim schwersten Terroranschlag der  Nachkriegszeit in Deutschland kamen durch eine Rohrbombe 13 Menschen ums Leben, 113 wurden zum Teil schwer verletzt. Der dabei ums Leben gekommene Gundolf Köhler wurde der Öffentlichkeit schnell als Einzeltäter präsentiert. Köhler war aber auch Mitglied der paramilitärischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“. Diese rechtsextreme Gruppe mit bis zu 440 Mitgliedern trainierte fast sieben Jahre Übungen für einen Guerilla-Krieg, bis sie im Januar 1980 als verfassungsfeindliche Gruppe verboten wurde. Ausgerüstet wurde die Gruppe vom Rechtsextremisten Heinz Lembke. Bemühen wir noch einmal Wikipedia:

„Raymund Hörnle und Sibylle Vorderbrügge waren mit dem Attentäter Gundolf Köhler befreundet und Mitglieder der rechtsextremen terroristischen Vereinigung Deutsche Aktionsgruppen. Sie hatten bereits einen Tag nach dem Oktoberfestattentat ausgesagt, dass der Rechtsextremist Heinz Lembke ihnen Waffen, Sprengstoff und Munition angeboten habe. Zudem habe er von umfangreichen Waffendepots erzählt, und dass er Personen im Gebrauch von Sprengstoff ausbilde. Diesem Hinweis ging die Staatsanwaltschaft jedoch erst nach, als Waldarbeiter ein knappes Jahr später durch Zufall eines der Depots entdeckten. Lembke offenbarte im Untersuchungsgefängnis die Lage seiner 33 illegalen Waffen- und Sprengstoffdepots, deren Entdeckung bei Uelzen in der Lüneburger Heide 1981 ein breites Medienecho fand: Sie enthielten unter anderem automatische Waffen, 14.000 Schuss Munition, 50 Panzerfäuste, 156 kg Sprengstoff, 230 Sprengkörper und 258 Handgranaten. Die Menge und Qualität der gefundenen militärischen Ausrüstung deuten laut Daniele Ganser (Historiker der Universität Basel, Anm. des Autors) auf eine Verbindung Lembkes zu Gladio hin. Dies wurde jedoch nicht geklärt, da Lembke am 1. November 1981, einen Tag vor seiner Vernehmung durch einen Staatsanwalt, erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden wurde.„“ Wikipedia, Stand: 01.12.2011

Außerdem wurden wichtige Zeugen nicht befragt oder deren Aussagen nicht berücksichtigt, einige starben wenig später unter fragwürdigen Umständen. Aber warum gibt es bis heute keine neuen Untersuchungen zu diesen Themen? Vielleicht verträgt sich das noch junge Demokratieverständnis der Bevölkerung in unserer Nachkriegsgeschichte nicht mit den realen Umständen. Aber wir sind, so denke ich, nun reif für eine umfassende Aufklärung. Bisher wurden Untersuchungen zu den genannten Themen vom Parlament abgelehnt. So stellte im Herbst 2009 Bündis 90/Die Grünen Abgeordnete Jerzy Montag zusammen mit anderen Abgeordneten einen umfassenden Fragekatalog zum Thema Gladio und dem Oktoberfest-Attentat dem Parlament vor, dieser wurde aber nicht berücksichtigt. O-Ton Jerzy Montag in der empfehenswerten ARTE Dokumentation „Die geheimen Armeen der NATO – Operation Gladio“:

„Es ist naheliegend und durch Fakten belegt, dass diese rechtsextremistische, gewaltbereite und gewalttätige Szene vom Verfassungsschutz, von Nachrichtendiensten durchsetzt war, mit V-Leuten durchsetzt war. Und deswegen ist es für die Politik wichtig zu erfahren, in welchem Zusammenhang diese Information und die Führung dieser Leute durch deutsche Sicherheitskräfte und das Attentat selbst in Verbindung stehen,“

Zurück zur „Zwickauer Zelle“: Im Schutt der explodierten Wohnung des Terror-Trios fanden die ermittelnden Beamten eine „Todes-Liste“ mit 88 Namen, potentielle Ziele der Rechtsextremisten. Ein Name auf dieser Liste: Jerzy Montag.

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13 Antworten zu Augen zu und durch! Die historische Verstrickung der BRD mit dem Rechtsextremismus.

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  4. Purestone schreibt:

    Der nachstehende Artikel zeigt auf, wie solches „römisch“ möglich und üblich ist. Jedes Mitglied des Malteserordens hat z.B. diplomatische Immunität und kann als Kurier eingesetzt werden – dem Papst (vicarius filii dei) sei Dank… Auch Bush Vater war ein Malteser-Kriegstreiber.
    http://www.aaronedition.ch/Malteser_Grossmeister_Ritterorden_vom_heiligen_Grab.htm

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  6. Rolf schreibt:

    Tja, und nun, im Angesicht der Kramer-Aussage in Luxemburg, sieht Vieles ganz anders aus.

    Aber es steht fest: Gundolf Köhler starb in München, als die Bombe explodierte.
    Kurz zuvor hatte er sich mit 2 Männern am Tatort angeregt unterhalten, er wurde gar mit 3 oder 4 Begleitern am Abend der Explosion in München im PKW seiner Eltern gesehen, und nach der Explosion bezichtigten sich laut Zeugenaussagen 2 Männer, „das hätten sie nicht gewollt“.
    Sie wurden niemals gefunden….

    Der Opferanwalt Werner Dietrich hat zu den offenen Fragen ein sehenswertes Interview gegeben, das findet man bei Youtube. Er hielt schon 2009 Köhler nicht für den Täter, und Geheimdienstverbindungen für höchst wahrscheinlich.

    Jetzt die Aussage von Kramer dazu, einmal kurz durchrühren, und was kommt heraus?

    Der BND-GLADIO-Kommandant Kramer schickte Köhler mit der Bombe zu einem Treffen am Explosionsort. Er wartete dort in Begleitung von 2 Männern, mit denen er sich unterhielt.
    Dann explodierte die Bombe, Köhler war tot. 12 andere Menschen ebenfalls.

    Andreas Kramer vermutete ja im „junge Welt“ interview vom 13.4.2013, dass Köhler sterben sollte, damit es eine „rechte“ Bombe sei, und FJS die Wahl verlieren würde.
    Der stand für eine eigenständige Politik Westdeutschlands, mitsamt atomar bewaffneter Bundeswehr. Das war wohl kaum im Sinne der Amerikaner, die GLADIO befehligten.
    Atlantikbrückler Helmut Schmidt war da pflegeleichter. Kohl dann ja ebenfalls…

    Da hätten wir dann die Motivation für „Verursacher“ und Zeitpunkt der Bombe: 1 Woche vor der Wahl. NAZIBOMBE: Strauss verliert.

    Last but not least: Gundolf Köhler war 1975/76 zwei Mal bei Geländeübungen der WSG Hoffmann dabei, danach nie wieder. Steht alles im Abschlussbericht der Bundesanwaltschaft.
    Die Bombe explodierte aber erst im September 1980. Die WSG war schon im Jan 1980 verboten worden.

    Im Polizeicomputer war Köhler jedoch seit 1976 als „Sympatisant der WSG Hoffmann“ erfasst.
    Nicht als Mitglied.
    Seine Eltern brachten ihn zur WSG, holte ihn ab, und so kam er, es wurde ja alles überwacht, in den Polizeicomputer.

    GLADIO-BND wusste das, und dank Langemann, LfV Bayern würde diese Auskunft 1980 auch die Polizei erhalten, Köhler war mal bei der WSG dabei, und so schliesst sich der Kreis: Köhler wurde ohne Nachweis zum Alleintäter erklärt.

    Langemann, der Präsident des Verfassungsschutzes, wurde übrigens verhaftet, wegen Geheimnisverrat und Bestechlichkeit, und haftunfähig nach 6 Tagen entlassen.
    Der gesamte Vorgang ist geheim, niemals wurde angeklagt.

    Weder Hoffmann, noch Langemann, noch BND-Kramer.

    Hoch die Tassen auf den Rechtsstaat!
    Das lässt doch hoffen, gerade auch im Hinblick auf den NSU-Prozess.

    Gruß

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