Die Jäger und der einsame Wulff: Zum Abschuss freigegeben

Dass auch der Bundespräsident nicht unfehlbar ist und war, dürfte kein Geheimnis sein. Die eigentliche Frage ist, warum die Presse so hartnäckig und gezielt für seinen Rücktritt sorgen will. Und freilich: Christan Wulff zeigt sich nicht gerade als ein schlauer Fuchs!

Wir erinnern uns: Es begann mit den Recherchen von Bild- und Stern-Journalisten, die eine „Kredit-Affäre“ aufgedeckt haben wollen. Eine Affäre, die eigentlich nur dann eine ist, wenn man fragt, warum ein Politiker für etwas zur Verantwortung gezogen werden soll, was eigentlich jedem erfahrenen Journalisten und gefühlsmäßig jedem Discount-Kunden bekannt sein sollte: Relevante oder abschätzbar relevante Politiker haben Vorteile. Im Allgemeinen ist es so, dass diese versteckte Spenden, versteckte Urlaubsreisen und allgemein Vergünstigungen gerne annehmen. Das ist und war nichts Neues. Journalisten geht es da nicht anders. Auch die Berichterstatter stecken gerne Vorteile ein, schon deshalb, weil es Gang und Gebe ist und man es sich mit seiner Quelle nicht verscherzen will. Das geht bis hin zu Luxus-Reisen inkl. aller Kosten, damit man positiv über ein neues Auto-Modell scheibt. Also mies, aber normal.

Man kann dies alles verurteilen und das sollte man auch, ständig, bei jedem! Aber: Warum ausgerechnet jetzt diese inszenierte Hetzjagd? Nach der Kredit-Frage wurde veröffentlicht, dass Wulff diese mit einem Anruf bei Bild-Chefredakteur Kai Diekmann verhindern wollte, mit barschen Worten auf der Mailbox! Ganz schön emotional. Folgerichtig, wenn man die enge Beziehung zwischen Bundespräsident Wulff und der Springer-Presse in der Vorzeit berücksichtigt. Die Bild arrangierte schließlich ein Märchenszenario von der Ex- bis zur Neu-Frau.

Ein listiger Fuchs ist Wulff wahrlich nicht. Denn er glaubte wohl tatsächlich, dass er mit einem Frontalangriff alle Falten glätten könnte. So kam es zu dem spontanen Interview, dass aufgezeichnet zur besten Sendezeit zeitgleich auf ARD und ZDF lief. Das hätte tatsächlich gut gehen können, wenn es nicht ebenso ein Stinkefinger auf die Springer-Presse gewesen wäre. Er glaubte, wenn er so präsent und massiv an die Öffentlichkeit geht, als Schwiegersohn von nebenan, dann könne die Presse nur nachziehen. Die BILD hätte am nächsten Tag schreiben können: „Der Wulff ist einer von uns!“, die FAZ hätte nachgezogen mit „Ein Staatsoberhaupt zeigt Größe!“ und die ZEIT hätte getitetelt: „Die Fehlersuche der Deutschen!“. Aber die Presse, allen voran BILD, reagierte anders: Nein, er wollte den Bericht zu seinem Immobilien-Kredit mit Gerken nicht verschieben, wie er im Interview beteuerte, er wollte ihn verhindern! Nein, wir veröffentlichen den Wortlaut der Mailbox-Nachricht noch nicht, weil Wulff uns nicht die Erlaubnis gab. Ja, wir haben noch Munition, die wir verteilen können, langsam und stetig. Und heute werden vom gestrigen Neujahrsempfang von Wulff mit Merkel nur Fotos veröffentlicht, auf denen Wulff und Merkel in entgegengesetzte Richtungen schauen. Selektiv und gezielt. Dem einsamen Wulff wird keine Chance mehr gelassen. Die Jäger setzten nun auch Scharfschützen ein, zum finalen Schuß! Die Frage bleibt: Warum? Es gibt die Vermutung, dass von Merkel & Co bezweifelt wird, dass Wulff den geplanten Gesetzesentwurf zum ESM (Europäischer Stabilitäts-Mechanismus) unterzeichnen wird. Der ESM ist die geplante Sterbepille unserer Demokratie und unserer Souveränität. Aber das ist nur Spekulation. Fakt ist: Es muss einen Grund dafür geben, dass ein Politiker für eine Vergangenheit aus dem Weg geräumt werden soll, die er mehr oder gar weniger mit jeder Politikerin/Politiker teilt. Diese Frage ist also die eigentlich Wichtige. Halten wir also die Augen offen!

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