Warum über das israelkritische Gedicht kein Grass wachsen wird

Es ist schon fragwürdig, wie ein Gedicht es schafft, über Tage, vorrausschauend wohl über Wochen, für Schlagzeilen zu sorgen. Die medial weit verbreitete Kritik nach seiner Veröffentlichung und die Dauerbefeuerung in den Tagen danach, zeigen vor allem: Wir sollen gerade jetzt den Nahost-Konflikt sehr ernst nehmen und uns dazu die richtige, nein, die einzige Meinung bilden.

Als das Gedicht von Nobelpreisträger Günter Grass am letzten Mittwoch veröffentlicht wurde, war es nicht überraschend, dass dem Autor sofort Antisemitismus oder Dummheit vorgeworfen wurde.  So äußerte sich z. B. der Publizist Henry M. Broder: „Damals war er ein SS-Mann, heute schreibt er wie einer.“ (Focus Online). Geschenkt! Interessanter sind zwei andere Punkte. Das Gedicht wurde zeitgleich in der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“, der  amreikanischen „New York Times“ und in der „Süddeutschen Zeitung“ veröffentlicht. Einen Tag später wurde das Gedicht international diskutiert, auch ins Persische übersetzt. Ebenfalls nur einen Tag später äußerte sich Israels Ministerpräsident Netajahu zu der künstlerischen Arbeit von Günter Grass, nahm sich sogar die Zeit, seine Kritik ebenfalls in einem ausführlichen Gedicht zu äußern. Ein atemberaubendes Tempo! Am Wochenende sorgte dann das von Israel verhängte Einreiseverbot für Günther Grass für Schlagzeilen. Und heute finden wir auf Spiegel Online den Artikel „Ostermärsche: Friendensaktivisten unterstützen Günter Grass“

Man muss sich die Frage stellen, ob hier nicht ganz gezielt eine Debatte entfacht wird. Dass Günter Grass diese wollte, steht außer Frage, aber ob ihm klar war, dass er damit vor allem der pro-israelischen Haltung medialen Raum gibt, bleibt offen. Auf Grund der unverhältnismäßig großen Beachtung drängt sich die Vermutung auf, dass wir darauf vorbereitet werden sollen, dass es im Nahost-Konflikt nun richtig ernst wird. Ernst und gefährlich war dieser Konflikt schon immer, aber in der allgemeinen Öffentlichkeit nicht präsent und vor allem nicht mit einer klaren mehrheitlichen Meinung dazu. Da aber nun Israel die USA konkret darauf drängt, einen Angriffskrieg auf den Iran zu unterstützen, muss man sich nun mit der „Aufklärung“ der Öffentlichkeit beeilen. Vielleicht sollte das von Claus Kleber geführte ZDF-Interview mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad eine breite öffentliche Debatte entfachen. Aber das Mitte März geführte Gespräch verlief journalistisch so schlecht, dass das ZDF sich dafür entschied, das groß angekündigte Interview in seiner vollen Länge nur in der Nacht auszustrahlen.

Nun soll also das Gedicht von Günter Grass dafür sorgen, dass wir, Sie und ich, uns eine Meinung bilden. Aber bitte nur die Richtige, denn sonst laufen Sie Gefahr, ein Antisemit zu sein oder gar der Al Quaida anzugehören. Dem Gedicht „Was gesagt werden muss“ von Günter Grass folgt nun: „Was gesagt werden darf!

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4 Antworten zu Warum über das israelkritische Gedicht kein Grass wachsen wird

  1. Stefan Wehmeier schreibt:

    Über ein triviales „Gedicht“ (Inhalt längst bekannt), das bestenfalls geeignet ist, von der eigentlichen Kriegsursache abzulenken, diskutiert die ganze Welt.

    Doch ein wissenschaftlich einwandfreier Artikel, der den Kern des Problems anspricht, wird vom „Normalbürger“ gar nicht erst zur Kenntnis genommen:

    http://www.deweles.de/files/krieg.pdf

    Wer die tiefere Ursache – nicht nur – für dieses irrationale Verhalten verstehen will, muss tatsächlich bei Adam und Eva anfangen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

  2. Harry P. schreibt:

    Das Gedicht war Gold wert, gerade zum jetzigen Zeitpunkt. Die etablierten Medien haben reagiert und sich die Maske vom Gesicht gerissen. Niemand ist auf den Inhalt eingegangen – wäre auch zu dumm, denn er entspricht ja der Wahrheit. Stattdessen hat man Herrn Grass, medial mit Durchfall beworfen, wie es ja so oft ist, wenn es um das Thema Israel geht. Grass erfährt eine wahnsinnige Unterstützung, da können auch so zionistische Hassprediger wie Broder nichts mehr dran ändern. Israel steht im Fokus des Weltgeschehens, auch wenn wir hier mit der EU einen zusätzlichen Brandherd haben. Es ist jetzt vor allem auch wichtig, dass diese Bundesregierung, die diesem Faschisten-System auch noch High-Tech Waffen liefert (auf Steuerzahlerkosten), endlich zur Rechenschaft gezogen wird !!! Wir sollten nicht eher ruhen noch rasten, bis dies geschehen ist.

  3. Harry P. schreibt:

    Wichtig ist, dass weder radikale Juden, noch Moslems oder spinnerte Christen-Cliquen ihr Armageddon starten können.

  4. Gino schreibt:

    Gut, dass hier regelmaessig gepostet wird.

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