Bilderberg-Treffen in den USA: Schweigen, Fakten und Gerüchte

In diesen Stunden erreichen Kolonnen von schwarzen Limousinen das Luxus-Hotel “Marriott Westfields” in Chantilly/Washington. Wie jedes Jahr ist ein Kreis von 120 bis 130 VIPs aus Adel, Militär, Wirtschaft, Bankwesen, Politik und Medien zu dieser sagenumwobenen Zusammenkunft der Bilderberger eingeladen. Bis zum 3. Juni wird hinter verschlossenen Türen konferiert. Aber die Massenmedien schweigen.

Offiziell gibt sich die Bilderberg-Gruppe als Gesprächskreis in privater Atmosphäre. Zu diesem internationalen “Gesprächskreis” wurden in den vergangen Jahren auch deutsche Persönlichkeiten eingeladen, wie z. B. Angela Merkel, kurz vor ihrer Kanzlerkandidatur, Gerhard Schröder, Helmut Kohl, Helmut Schmidt und bis zurück zum Gründungsjahr 1954 jeder bedeutende deutsche Politiker. Aber auch Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank und Vorstandsvorsitzende der deutschen Großkonzerne sind regelmäßig anwesend. Von den deutschen Mediengrößen ist u.a. die “Zeit” ein Dauergast – von Theo Sommer bis zuletzt Mathias Nass.

Ins Leben gerufen wurde die Organisation von Bernhard Lippe-Biesterfeld, Ehemann von Juliana, der damaligen Königin der Niederlande und besser bekannt als Prinz Bernhard. Die eigentliche Idee zu diesem Club soll jedoch den Brüdern David und Nelson Rockefeller entsprungen sein. Den Namen verdankt der elitäre Club den Ort seines ersten Treffens, 1954 in der Nähe des niederländischen Orts Arnheim, im Hotel “Bilderberg”. Seitdem trifft sich die internationale Elite ein bis zwei Mal im Jahr. Diese Treffen waren immer geheim und fanden von der Öffentlichkeit abgeschirmt statt. Aber Ende April 1975 ging eine Pressemeldung von “United Press International” um die Welt, in der von dem Treffen der “internationalen Führer” unter den Namen “Bilderberg-Konferenz” in Cesme, Türkei berichtet wurde:

“Cesme, Turkey – International leaders meeting here were accused Saturday of holding a closed door conference to cover up a conspiracy that would enrich themselves at taxpayers´ expense. The meeting is known as the Bilderberg Conference, and considers solutions to would problems. It draws prominent leaders from many nations. Wills Carto, spokeman for the Liberty Lobby, an american conserative lobbyist group, made the accusation. The Bilderberg meeting, an anual event, usually draws criticism because of its secrecy” UPI. April 1975

Da aber die wichtigsten Medienvertreter bei den Treffen von Anfang an mit eingebunden und ihrer Verschwiegenheit verpflichtet waren, wurde diese Pressemitteilung fast nirgends verwertet. Nur wenige Journalisten widmeten sich denoch dem Thema Bilderberger, veröffentlichten Bücher und wurden dafür aber beruflich geächtet. Seitdem gab es einerseits das Leugnen und Schweigen der Presse und auf der anderen Seite die Verschwörungstheorie, der die Bilderberger zur geheimen Weltregierung mutieren ließ. Dazwischen war in den offiziellen Medien kein Platz. Bis das Internet-Zeitalter begann blieb das auch so.

Die gute Vernetzung über das Internet macht es selbst ernannten Wahrheitssuchern und alternativen Medien, wie z.B. die WeAreChange, die Truther-Bewegung oder Infowars.com möglich, regelmäßig über diese Treffen vor Ort zu berichteten – wie z.B. letztes Jahr in St. Moritz. Mit Filmen, Fotos und zugesteckter Gästeliste wurde dieses Treffen gut dokumentiert. Und wer zu dieser Zeit wirklich suchte, fand man nun ab und zu auch in der Mainstream-Presse eine Berichterstattung über die Bilderberg-Konferenzen. Aber nur, um die Treffen zu verharmlosen und um Kritiker mundtot zu machen, wie z.B. in der Basler Zeitung:

“Die Bilderberg-Konferenz macht alle froh. Dieses Jahr findet dieses Treffen der Mächtigen aus Politik, Wirtschaft, Militär, Medien und Adel vom 9. bis zum 12. Juni im Suvretta House, einem Luxushotel in St. Moritz statt. Vor allem für die Verschwörungstheoretiker ist die Konferenz ein gefundenes Fressen. Sie sehen dahinter ein Geheimtreffen einer nicht gewählten Weltregierung. Besonders beliebt ist sie auch bei all jenen, die ansonsten Schwierigkeiten haben, Adressaten für ihren Frust über alle Ungerechtigkeiten der Welt zu finden. Wenn die Bilderberger schon so viel Macht haben, müssen sie auch für alles verantwortlich sein, so die einfache Logik.” Basler Zeitung, 07.06.2011

So wird der seriöse Journalismus in die Tonne getreten. Wir wollen hier nicht von einer geheimen Weltregierung sprechen, denn dafür fehlen die Fakten. Außerdem würde sich eine geheime Weltregierung, wenn es denn eine geben sollte (was hier ausdrücklich bezweifelt wird), sich nicht so offensichtlich zeigen.

Dass dieser “Club” trotzdem kritisch betrachtet werden muss, ergibt sich einfach aus den belegten Tatsachen:

1. Wenn wir in den letzten Jahren eines gelernt haben über unsere Presse, dann, dass diese keine Tabus und Rücksicht auf prominente Persönlichkeiten nimmt und sei es noch so privat, das gilt auch für Politiker. Aber hier seit Jahren Interesselosigkeit und Schweigen.

2. Allein schon der hohe Sicherheitsaufwand, der jährlich betrieben wird, mit hunderten von Sicherheitskräften und Polizisten bis hin zur Straßenabsperrung wie gegenwärtig in St. Moritz, nimmt diesen Treffen seine Unbedeutung und seine “private Atmosphäre”.

3. Es gibt viele Beispiele dafür, dass geladene Teilnehmer hinterher schnell zu bedeutenden Positionen kamen. Angela Merkel wurde hier schon genannt. Als weitere Beispiele aus der Politik sollen hier nur Bill Clinton, der Bush-Clan, Barack Obama und Hillary Clinton genannt werden, die allesamt vor ihrer Wahl an der Konferenz teilgenommen haben. Daher werden die Bilderberger auch gern als Königsmacher bezeichnet.

4. Warum diese strikte Geheimhaltung? Hat die Öffentlichkeit in einer Demokratie kein Recht darauf, zu erfahren, zu welchem Ergebniss diese Konferenzen kommen? Dass die Konferenz für die Öffentlichkeit von Belang sind, zeigen als Beispiel zwei Themen aus dem letzten Jahr: “Is Financial Reform Progressing?” oder “Can We Feed the World?”

5. Dass die uns prominentesten Attentatsopfer der letzten Jahre Uwe Barschel, Alfred Herrhausen, Jürgen Möllemann und auch Olof Palme allesamt Bilderberger waren, sollte zumindest stutzig machen.

Dieses Jahr fand zumindest die Wirtschaftswoche mit ihrem Artikel „Bilderberg-Konferenz – Der am meisten bewunderte Zirkel der Macht“ ein paar Worte dazu. Aber auch darin bleibt alles nebulös oder ganz im Dunkeln. Jedoch hat sich eine Scharr von unabhängigen Berichterstattern auf den Weg  gemacht, um die Arbeit zu verrichten, die man eigentlich von Springer, Burda, G&J, Zeit, Spiegel erwartet. Von den TV-Sendern ganz zu schweigen. So wird es vielleicht möglich sein, mehr über die Bilderberg-Konferenz 2012 und die noch zu identifizierenden Teilnehmer zu erfahren. Nach einer nicht bestätigten Teilnehmer-Liste soll Olaf Scholz von der SPD mit von der Partie sein. Wir bleiben am Ball!

Update, 01. Juni 2012:

Es gibt nun eine Teilnehmer-Liste. Aus deutscher Sicht interessant ist die Einladung an Jürgen Trittin. Alle Teilnehmer auf deren offiziellen Website und nachfolgend alle aus Deutschland:

Josef Ackermann, Chairman of the Management Board and the Group Executive Committee, Deutsche Bank AG

Thomas Enders, CEO, Airbus

Wolfgang Ischinger, Chairman, Munich Security Conference; Global Head Government Relations, Allianz SE

Roland Koch, CEO, Bilfinger Berger SE

Peter Löscher, President and CEO, Siemens AG

Matthias Nass, Chief International Correspondent, Die Zeit

Wolfgang Reitzler, CEO & President, Linde AG

Jürgen Trittin, Parliamentary Leader, Alliance 90/The Greens

Und es gibt sogar eine Pressemitteilung! Lesen wir nun doch am Wochenende etwas auf Spiegel-Online?

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5 Antworten zu Bilderberg-Treffen in den USA: Schweigen, Fakten und Gerüchte

  1. BB schreibt:

    Initiator war Joseph Retinger nicht Prinz Berrnhard. Und eben diesen Joseph Retinger, die Graue Eminenz Europas, gilt es am Ende näher zu beleuchten, will man zu einer abschliessend sinnvollen Beurteilung gelangen. Ausserdem erscheint es doch spannend, dass einen Tag vor Bilderberg sich Rockefeller und Rothschild vereinigen … das gibt wirklich zu denken

    • Björn Kügler schreibt:

      Okay, wenn du Wikipedia als Quelle nimmst, dann muss du auch Paul von Zeeland und Paul Reykens nennen. Ich gebe dir Recht, dass die meisten Quellen Prinz Bernhard nur als vorgeschobene Gründungsfigur nennen. Aber wer die wahren Initiatoren waren, bleibt bisher unbelegt. Man könnte auch spekulieren, dass die Rockefeller.Brüder hinter den Kulissen schalteten – aber auch darüber gibt es keine verwertbaren Dokumente.

  2. bernd schreibt:

    Die Bilderberger sind nichts weiter als ein Haufen Laberbirnen.
    Ihre Macht bekommen sie dadurch, daß WIR ihre Anordnungen ausführen.
    WIR haben die Macht.
    Wie weit kommen die Bilderberger ohne Fluglotsen, S-Bahnfahrer, Ärzte, Arbeiter und ohne Soldaten, die ihre Invasionskriege führen?
    .
    Um den Bilderbergern die Macht zu nehmen, muss man die Befehle verweigern, die ganz klar schädlich sind. Das können aber nur Menschen, die mündig sind, also ihren eigenen Verstand benutzen.
    Aus diesem Grunde können die Bilderberger nur mit unmündigen Menschen operieren und sie bemühen sich, das Volk mit Tittytainment und Fußball in einem Stadium der Unmündigkeit zu halten, bei denen die Medien ihnen sagen, was sie denken und fühlen sollen.
    .
    Die Bilderberger sind nichts. Das Volk ist alles.
    Wenn das Volk Merkel öffentlich auslacht, abwinkt, weitergeht und die Soldaten den Kriegstreibern die Gewehre vor die Füße werfen, ist im selben Moment die Macht der Bilderberger gebrochen.
    Wir sind unendlich mächtig. Denkt immer daran!

    • Lockez schreibt:

      Sehr gute Idee, aaaber über 90% der Menschen sind doch nur Schlafschafe und bucklige Diener dieser abartigen Bilderberg-Gesellschaft!

  3. Pingback: Pressemitteilung der Bilderberger? Kein Interesse! |

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