Facebook und die alte Geschichte um den gläsernen Kunden

Empörung überall! Die Daten von Facebook-Mitgliedern sollen zur Bonitätsprüfung herangezogen werden. Doch soll es nur um Daten gehen, die bereits öffentlich sind. Und der Wunsch, Kunden möglichst genau durchleuchten zu können, ist ein alter Hut. Aber auch einer, den es immer wieder abzuschütteln gilt. Der Datenschutz muss eingehalten werden. Aber es gilt auch: Die Verantwortung, wo wir welche Daten lassen, haben wir.

Es ist nicht neu, dass Bankinstitute und die produzierende Industrie alles über ihre Kunden wissen will. So schrieb schon im Jahr 1999 Der Tagesspiegel über die Datensammelwut von amerikanischen Supermarkt-Ketten. Über den Nutzen davon, den  z. B. Wal-Mart dabei hatte, hieß es:

„Das interne Computersystem erstellt Profile für jede Filiale der Kette und führt genau darüber Buch, was die Kunden alles bei einem einzelnen Ladenbesuch in ihren Einkaufswagen laden. Das digitale System ist ein gutgehütetes Geheimnis“

Nach diesem Artikel wurde Amazon später verklagt, weil der Konzern Fachkräfte von Wal-Mart abwarb und damit auch deren Wissen über dieses Computersystem. Das war 1999! Wenn Sie bei amazon.de heute ein Buch von Henning Mankell und eine CD von Abba bestellen, können Sie sich einen Augenblick lang später über ein Angebot für eine Schweden-Reise freuen. Verkauft werden die Daten natürlich nicht. Nein. Nie! Warum damit weiter Profit machen?

Fast amüsant titelte die Computerwoche im Jahr 2002 „Der gläserne Kunde bleibt Vision“. Darin zu Wort kam Wolfgang Martin, damals bezeichnet als unabhängiger Analyst und Meta Group Research Fellow:

„Mit Web-Mining, also der Auswertung von Daten, die beim Besuch einer Website protokolliert werden, können Unternehmen wichtige Erkenntnisse über ihre Kunden gewinnen. Darauf lässt sich dann personalisiertes One-to-one-Marketing aufbauen. Das erhöht die Chancen, im zunehmenden Wettbewerb Kunden an sich zu binden.“ 2002!!

Und auch die Verlage nutzen selbstverständlich Systeme, um ihren Werbekunden möglichst genaue Leserprofile bieten zu können und um sie für sich selbst zu nutzen.

Wen soll also überraschen, dass auch die Schufa seinen Kunden einen möglichst hohen Service bieten und dafür die Daten aus den sozialen Netzwerken nutzen will. Da es, zumindest offiziell, nur um Daten geht, die eh von jedem einsehbar und nicht als privat markiert sind, bleiben Forderungen wie z. B. von  FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle in Spiegel-Online purer Populismus:

„Die Pläne der Schufa gehen zu weit. Soziale Netzwerke gehören wie der Freundeskreis zur Privatsphäre und dürfen daher nicht von der Schufa angezapft werden“

Natürlich muss der Datenschutz greifen, wenn Kundendaten unerlaubt weitergegeben oder sogar gesammelt werden. Das scheint hier aber nicht der Fall zu sein, wenn es tatsächlich nur um Facebook-Profile oder Teile davon geht, die für jeden Internet-Nutzer offen einsehbar sind. Und es ist immer sinnvoll, genau darauf zu achten, wo man welche Daten hinterlässt. Das war vor dem Internet so. Und das ist auch heute so.

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