NSU: Verfassungsschutz schützte mordverdächtigen V-Mann-Führer

Man kann nur den Kopf schütteln. Wer man die Meldungen vom gestrigen Abend liest, könnte glauben, aufatmen zu können. V-Leute waren also nicht an den Morden der NSU beteiligt gewesen. Alles gut! Aber da war doch noch diese andere Nachricht …

Tagesschau.de meldete heute am frühen Abend: „Erkenntnisse aus ungeschwärzten Akten – NSU-Terroristen waren keine V-Leute“. Daraus:

„Die Mitglieder der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ haben nicht als V-Leute für den Bundesverfassungsschutz gearbeitet. Dies gehe aus den ungeschwärzten Unterlagen hervor, die die Abgeordneten gesichtet hätten, erklärten die Obleute des Bundestags-Untersuchungsausschusses in Berlin. Auch andere Schlüsselfiguren des Falles tauchten nicht in den Akten auf.“

Nur wenige Stunden vorher meldete zeit.de jedoch folgendes: „Verfassungsschützer soll hinter NSU-Mord stecken“. Diese Schlagzeile wurde dann geändert in „Verfassungsschützer könnte in NSU-Mord verwickelt sein“. Es geht um den V-Mann Andreas T., der sich zum Zeitpunkt des Mordes an einem Angestellten eines Internet-Cafes in Kassel am Tatort aufgehalten hatte und der den Knall, der trotz Schalldämpfer laut zu hören war, nicht bemerkt haben will. Andreas T. galt für die Polizei als tatverdächtigt.

„Bei Durchsuchungen der Wohnungen von T. hätten Polizisten zudem neben zwei Pistolen, einem Revolver und Schrotpatronen auch eine abgetippte Version von Hitlers „Mein Kampf“ gefunden.

Die Aufklärungsarbeit der Polizei sei letztlich daran gescheitert, dass das hessische Landesamt für Verfassungsschutz sich geweigert habe, Informationen über Andreas T. oder seine Quellen zur Verfügung zu stellen. Andreas T. arbeitete als V-Mann-Führer im rechtsradikalen Milieu. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen gegen ihn wegen mangelnder Beweise Anfang 2007 ein.

Leiter des hessischen Verfassungsschutzes war ab Herbst 2006 Alexander Eisvogel. Er wird derzeit als Nachfolger für den zurückgetretenen Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, gehandelt.“

Bei tagesschau.de hieß es dann am frühen Abend: „SPD-Obfrau Eva Högl die Möglichkeit zur Akteneinsicht: „Es war ein wichtiger Beitrag, um Verschwörungstheorien den Boden zu entziehen.““

Interessant, wie schnell aus geschwärzten Akten und fragwürdigen V-Leuten weiße Westen werden. Interessant ist auch, dass ausgerechnet derjenige, der 2006 die Ermittlungen der Polizei stoppte, nun als Nachfolger für Heinz Fromm gehandelt wird. da ist natürlich kein Platz für Verschwörungstheorien.

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2 Antworten zu NSU: Verfassungsschutz schützte mordverdächtigen V-Mann-Führer

  1. oliver2punkt0 schreibt:

    Unglaublich was in einem Rechtsstaat möglich ist.

  2. ClausClausen schreibt:

    tja was soll man dazu sagen…. . strafen gelten nur für bürger, oder besser gesagt nur für das wahlvieh, die hohen herren werden nie belangt.
    zitat: reinhard mey aus dem song: sei wachsam

    „Es ist ne riesen Konjunktur für Rattenfänger,
    für Trittbrettfahrer und Schmiergeldempfänger,
    ne Zeit für Selbstbediener und Geschäftemacher,
    Scheinheiligkeit, Geheuchel und Postengeschacher.
    Und die sind alle hoch geachtet und anerkannt,
    und nach den schlimmsten werden Straßen und Flugplätze benannt,
    man packt den Hühnerdieb, den Waffenschieber lässt man laufen,
    kein Pfeifchen Gras, aber ne Giftgasfarbrik kannst du hier kaufen!
    Verseuch die Luft, verstrahl das Land, mach ungestraft den größten Schaden
    nur lass dich nicht erwischen bei Sitzblockaden!
    Man packt den Grünfried und dass Umweltschwein genießt Vertrauen
    und die Polizei muss immer auf die Falschen drauf hau’n!“

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