Lobby-Vorwürfe gegen EZB-Chef Draghi – Kleiner Mann, was nun?

Das ist ja mal was ganz Neues: Der derzeitige Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, soll in einem Interessenkonflikt stehen, da er Mitglied der Top-Banken- und Ökonomen-Lobby „G30“ sei. Das will der griechische EU-Ombudsmann Nikiforos Diamandouros nun genau prüfen und damit seine Machtlosigkeit unterstreichen.

Als EU-Ombudsmann kann man nicht viel bewegen. Sicher macht es Eindruck, wenn er auf Anfrage von Lieschen Müller persönlich aus Brüssel anruft und dafür sorgt, dass irgendeine Rechnung schneller bezahlt wird oder die Altersgrenze für ein Praktikum in der EU abgeschafft wird. Das macht Eindruck – auf Lieschen Müller zumindest. Am ganz großen Rad kann er nicht drehen. So schrieb Spiegel-Online schon am 18.12.2006 über die Arbeit von Diamandouros:

„Der Bürgerbeauftragte ist bei seiner Arbeit freilich auf die Kooperation der EU-Institutionen angewiesen, weil seine Vorschläge juristisch nicht bindend sind. Das wirksamste Instrument – bei besonders schwerwiegenden Verstößen – ist ein Sonderbericht an das Europaparlament. Allerdings macht Diamandouros davon sparsam Gebrauch, 2005 nur dreimal.“

Im gleichen Artikel ist ebenfalls zu lesen, dass ihm 65 Mitarbeiter zur Verfügung stehen und dass Diamandouros findet, dass noch immer zu wenige Menschen in der EU die Arbeit des Bürgerbeauftragten kennen. Nachdem er nun diesen Job neun Jahre macht, ohne dass irgendjemand von ihm Notiz nahm, haben der griechische Ombudsmann und seine 65 Mitstreiter endlich den ganz großen Coup lanciert: Geprüft wir die Doppelrolle von Mario Draghi als Chef der als unabhängig geltenden EZB und als Mitglied der Lobby-Gruppe „G30“. Das schreibt zumindest Spiegel-Online am Montag, in dem diese Gruppe so beschrieben wird:

„Hinter der G30 verbirgt sich ein Zusammenschluss führender Banker und Ökonomen, die nach eigenen Angaben Einfluss auf die Entscheidungen im Finanzsektor nehmen wollen. Prominente Mitglieder sind unter anderem hochrangige Vertreter von Goldman Sachs, Morgan Stanley und JPMorgan Chase International sowie ehemalige und amtierende Zentralbankchefs. Axel Weber, Ex-Präsident der Deutschen Bundesbank, gehört ebenfalls zu der einflussreichen Runde.“

Von der EZB gab es auch schon eine Reaktion. Welche wohl? Sie weist die Vorwürfe natürlich zurück. Und damit hat es sich. Aber schön, dass es mal ausgesprochen wurde.

Übrigens ist es natürlich reiner Zufall, dass Mario Draghi bis 2005 Vizepräsident von Goldman Sachs International war. Für Goldmann Sachs als Top-Berater tätig war auch Mario Monti, der heutige, nicht demokratisch gewählte, Premierminister von Italien. Und was der griechische Ministerpräsident Papademos mit Goldman Sachs zu tun hatte, können Sie sich vielleicht denken. Genau! Der war bis 2002 Vorsitzender der griechischen Zentralbank und aktiv an der von Goldman Sachs gefälschten Bilanz beteiligt, durch die Griechenland „Euro“-reif wurde. Das ist nicht absurd. Das ist Zufall. Purer Zufall. Aber vielleicht schlägt nun ein anderer Grieche nun doch zumindest ein bisschen Schaum auf. Viel Glück, Herr Diamandouros!

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2 Antworten zu Lobby-Vorwürfe gegen EZB-Chef Draghi – Kleiner Mann, was nun?

  1. oliver2punkt0 schreibt:

    Irgendwie kocht immer mehr hoch… oder wäre verkocht die bessere Umschreibung?

  2. Medicus58 schreibt:

    Dass Draghi als Goldman Sachs-Mann auch bei GREXIT agiert ist nicht neu . Schon damals habe ich in meinem Blog (http://medicus58.wordpress.com/2012/05/16/grexit-rettet-die-reichen/) aber auf einen Artikel vom April dieses Jahres hingewiesen, wo detailiert ausgeführt wird, dass den Freunden in Europa mit dem EFSF/ESM Schirm genau das gelungen ist, was ihnen die Politik in den USA verweigert hat. (http://www.globalresearch.ca/PrintArticle.php?articleId=30403
    ). Also nochmals: Viel Glück, Herr Diamandouros!

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