Syrien-Konflikt: Chemie-Waffen für alle!

Es ist nun wirklich überall wiederholt nachzulesen: US-Präsident Obama droht mit militärischen Mitteln, falls Assad Chemie-Waffen einsetzen würde. Dass es dafür keine Erkenntnisse gibt, spielt keine Rolle. Es scheint aber wichtig zu sein, dass wir auf ein schreckliches Szenario vorbereitet werden. Ist dies der Grund für Assads Rücktrittsgedanken?

Der Syrien-Konflikt ist kompliziert. Kompliziert für Assad, weil er ohnmächtig zusehen muss, wie der Westen die Rebellen mit Geld, Waffen, Söldnern und Informationen versorgt und ihm letzten Endes wohl nur der Rückzug bleibt. Komplizierter als gedacht ist der Konflikt auch für das Pentagon. Denn über die Medien verbreitete Schreckensmeldungen wie das angebliche Massaker der Soldaten an die Zivilbevölkerung von Hula stellten sich im Nachhinein als falsch heraus. So waren es zum Beispiel in Hula die Rebellen, die das Massaker durchführten. Kompliziert also auch für die Medien, die sich ungern dabei ertappen lassen, einer Ente aufgesessen zu sein, aber eben nur auf indirekte Informationen angewiesen sind.

Nachdem publik wurde, dass der Geheimdienst CIA mit dem Segen von Obama die Rebellen schon seit geraumer Zeit unterstützt und nun auch das deutsche Militär vor Ort die Aufständischen zu unterstützen weiß, lesen wir aber auch, dass der Auftsand nicht so richtig zum Ziel kommt. Eine neue Bedrohung muss her: Chemie-Waffen. Während sich Assad darum bemüht, Verhandlungen aufzunehmen, die aber von US-Seite strikt abgelehnt werden, warnt Obama den syrischen Präsidenten davor, Chemie-Waffen einzusetzen. In diesem Fall wäre ein militärisches Eingreifen unumgänglich, abgesehen davon, dass schon längst angegriffen wird, wenn auch nur indirekt.

Das Gefährliche in dieser Botschaft ist die Tatsache, dass niemand weiß, wer außer Assad ebenfalls Zugang zu den C-Waffen-Depots hat oder ihn bekommt. Wenn Obama davon spricht, dass über Sateliten-Aufnahmen jede Aktivität in dieser Richtung verfolgt werden kann, dann scheint zumindest der Standort dem US-Militär bekannt zu sein. Könnten die Rebellen also mit ein wenig Hilfe selbst diese Waffen unter Kontrolle bekommen und einsetzen? So oder so müsse die NATO dann eingreifen. Wie würden dann Russland und China reagieren, die sich bisher unermüdlich für diplomatische Lösungen einsetzen?

Im Hamburger Abendblatt hat sich Verteidigungsminister Westerwelle folgendermaßen zu diesem Problem geäußert:

„Wir müssen alles dafür tun, damit diese Szenario nicht eintritt und die Chemiewaffen nicht in falsche Hände geraten. Ich fordere alle Kräfte in Syrien und insbesondere das Assad-Regime auf, hier nicht mit dem Feuer zu spielen“

Alle Kräfte! Für Assad heißt dies: Schachmatt. Denn Syrien in ein Krieg zu ziehen, der sich rasch auf andere Länder ausweiten würde, wird nicht in seinem Interesse sein. So bleibt ihm nur ein geschickter Rückzug. Die Verhandlungen laufen schon.

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4 Antworten zu Syrien-Konflikt: Chemie-Waffen für alle!

  1. 111hucky schreibt:

    Westerwelle: „Wir müssen alles dafür tun, damit diese Szenario nicht eintritt und die Chemiewaffen nicht in falsche Hände geraten. Ich fordere alle Kräfte in Syrien und insbesondere das Assad-Regime auf, hier nicht mit dem Feuer zu spielen“
    Ich habe immer gedacht, dass Westerwelle für seinen blinden Gehorsam zu der verbrecherischen NATO mal bestraft wird. Doch wer solche Sätze von sich gibt, dem sollte Straffreiheit gewährt werden, allerdings unter der Auflage, streng bewacht, fern ab jeder Öffentlichkeit, sein Leben in einer Wohnung, möglicherweise mit Gummiwänden, zu verleben.
    Was heißt denn „in falsche Hände“? Sind Obamas Hände, oder die seiner Außenministerin Clinton, die vor lauter Vorfreude auf eine Invasion der „Internationalen Gemeinschaft“ zum „Schutz der Zivilbervölkerung“, bei der dann zehntausende von Menschen abgeschlachtet werden, schon ganz feucht im Schritt wird, die richtigen Hände? Wer hat denn hauptsächlich ABC-Waffen in den bisherigen Kriegen eingesetzt? Fast ausschließlich die USA und ihre Handlanger.
    Westerwelles einzigste politisch gute Entscheidung war die, sich nicht aktiv an der Lybieninvasion zu beteiligen. Für diese Entscheidung wurde ihm dann der Hintern versolht (nicht zärtlich), so dass er nun blind allen verbrecherischen Absichten der USA, Israels, GB und der NATO zustimmt. Was für eine lächerliche Figur.

  2. klartext schreibt:

    In der Tat interresant, wie das Amt des Außenministers seit der deutschen Einheit seine Innhaber mehr und mehr zu Marionetten und Kasperlefiguren formt.

    Westerwelle z.B. hat zu Amtsantritt den Abzug amerikanischer Atombomben aus Deutschland gefordert. Das wurde von den USA ganz einfach abgelehnt und damit dem deutschen Außenminister die Grenze seiner Handlungskompetenz aufgezeit, die er widerspruchslos hinnahm. Als er dann nochmals als der Bad Guy der westlichen Wertegemeinschaft im Libyenkonflikt in Erscheinung trat, hat man den Deutschen wohl einfach irgendeine transatlantische Troika ins Außenministerium gesetzt, die jetzt dessen Aufgaben seither ‚koordiniert‘.

    Und mit welcher Frechheit in unserem Land zunehmend im transatlantischen Interesse militärische Vasallendienste geleistet werden vorbei an Parlament und Verfassung, zeigt derzeit wohl deutlich der Einsatz eines deutschen Spionageschiffes, das die Seite der ‚Rebellen‘ mit strategischen Informationen unterstützt. Eine deutsche Regierung, die das zulässt handelt nicht im deutschen Interesse!

    klartext

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