Massaker in Syrien: Meldungen mit kurz erwähntem Konjunktiv

320 Tote in Syrien! Das macht sich als Schlagzeile recht gut. Woher diese Meldung stammt und warum diese auch angzweifelt werden darf, steht nur im Kleingedruckten.

Mehrere Medien berichten heute von einem neuen Massaker, das die syrische Armee an Zivilisten in Daraja, süd-westlich von Damakus begangen haben soll. Neu deshalb, weil es vor kurzer Zeit auch eines in Hula gegeben hatte, welches sich aber – die Medien berichteten sofort von einem Massaker der Regierungstruppen – als eines der Rebellen an Zivilisten heraustellte. Auf ntv.de ist nun zu lesen:

„Die Armee habe Daraja zunächst abgeriegelt und dann mit schweren Waffen und Kampfflugzeugen unter Beschuss genommen, sagte ein Oppositionssprecher. Später seien die „Mörderbanden“ der regierungstreuen Schabiha-Miliz in die Stadt eingedrungen und hätten Massenhinrichtungen verübt. Die Leichen seien zerstückelt und in Brand gesetzt worden. Die syrischen Staatsmedien berichteten, die „heldenhaften Streitkräfte“ hätten Daraja „von Terroristen gesäubert“. Diese hätten „Verbrechen gegen die Söhne der Stadt begangen und ihnen Furcht eingejagt“ sowie Sabotage begangen und öffentliches und privates Eigentum zerstört.“

Es ist völlig legitim als kritisscher Leser anzunehmen, dass die Meldung der syrischen Staatsmedien nur Kriegspropaganda sein. Genau genommen, muss diese Schlussfolgerung aber für den gesamten Inhalt gelten. Wer ist denn der Oppositionssprecher? Es kommt aber noch dicker: In der gleichen Meldung wird erwähnt, dass Großbritannien von „Greueltaten neuen Ausmaßes“ spricht, falls sich dies bewahrheiten sollte. Wer ist Großbritannien? Kann ein Land sprechen? Zumindest ist ein Konjunktiv versteckt. Hängen aber bleibt: Schrecklich, das muss  endlich ein Ende haben! Auch focus.de berichtet mit der Schlagzeile „320 Tote in Syrien – Opposition meldet neues Massaker“ über dieses Ereignis. Nach ausführlicher Kriegsberichterstattung wird erst am Ende erwähnt, dass diese Meldung von der „Beobachtungsstelle“ kommt.

„Die Beobachtungsstelle stützt sich bei der Bekanntgabe ihrer Opferzahlen auf die Aussagen von Aufständischen und Augenzeugen. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite nicht zu überprüfen.“

Im Artikel „Das Who’s Who der Assad“ auf tagesschau.de werden die verschiedenen oppositionellen Kräfte beschrieben. Darin taucht auch die Quelle auf, auf die sich die hier untersuchte Meldung bezieht. Offizieller Name: Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

„Doch hinter dem offiziell klingenden Namen verbergen sich mindestens zwei kleine Büros, die fernab des Geschehens von Großbritannien aus arbeiten. Die Opferzahlen ziehen sie aus ihren Kontakten und Netzwerken in Syrien. So bemängelt André Bank vom Giga-Institut für Nahost-Studien, dass die Angaben einseitig aus Sicht der syrischen Opposition gemacht würden und nicht überprüfbar seien.“ tagesschau.de, 26.08.2012

Also, wenn Sie von dieser Quelle hören: Ohren zu machen! Während ich dies schreibe, wird in den heute-Nachrichten des ZDF ebenfalls die Meldung aus den beiden Büros in London verbreitet. Was für ein Journalismus!

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Eine Antwort zu Massaker in Syrien: Meldungen mit kurz erwähntem Konjunktiv

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