Bundesbank-Chef Weidmann: „Notenbanken erschaffen Geld quasi aus dem Nichts.“

Es wird viel von Schulden geschrieben und geredet, nicht zu fassende Summen zirkulieren durch Blogs und Presse. Wer sich dabei die Frage stellte, was Geld konkret eigentlich ist und wie es entsteht, bekam nun eine Antwort vom Bundesbank-Chef höchstpersönlich.

In der Begrüßungsrede zum heutigen Auftakt des 18. Kolloquiums des Instituts für bankhistorische Forschung (IBF) erklärte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in seltener Offenheit den Prozess der Geldenstehung und die damit einhergehende Gefahr.

Hier einige Auszüge aus der sehr lesenswerten Rede:

„Ich möchte mit einer Frage beginnen, die auf den ersten Blick trivial, damit aber erfahrungsgemäß besonders schwierig ist: Was ist eigentlich Geld? Eine prägnante Antwort aus ökonomischer Sicht lautet: Geld ist, was Geldfunktionen erfüllt. …

In Kurzform: Heutiges Geld ist durch keinerlei Sachwerte mehr gedeckt. Banknoten sind bedrucktes Papier – die Kenner unter Ihnen wissen, dass es sich im Fall des Euro eigentlich um Baumwolle handelt –, Münzen sind geprägtes Metall. …

Gerade in jüngster Zeit stellen sich viele Bürger die Frage nach der Herkunft des Geldes: Woher nehmen denn die Zentralbanken eigentlich das viele Geld, das sie brauchen, um dem Bankensystem im Rahmen geldpolitischer Operationen Kredite in Billionenhöhe zu geben oder anderes zu kaufen? Weshalb heißt es in diesem Zusammenhang regelmäßig, dass die finanzielle Feuerkraft der Notenbanken grundsätzlich grenzenlos sei?

Notenbanken schaffen Geld, indem sie Geschäftsbanken gegen Sicherheiten Kredite gewähren oder ihnen Aktiva wie zum Beispiel Anleihen abkaufen. Die Finanzkraft einer Notenbank ist dabei prinzipiell unbegrenzt, da sich eine Notenbank das Geld, das sie vergibt oder mit dem sie bezahlt vorher nicht etwa beschaffen muss, sondern es quasi aus dem Nichts erschaffen kann.“

Bemerkenswert offen, wie ich finde. Unser Zahlungsmittel ist also nur ein Wettschein. Ich wette mit meinem Händler, dass 100 Euro morgen noch den gleichen Wert haben wie heute. Zugleich ist unser Zahlungsmittel ein Schuldschein. Denn das Geld, das durch Kredit, also durch Schuld ensteht verursacht Zinsen, womit wieder neues Geld entsteht. Nach den Zinsen kommen die Zinseszinsen usw. Dadurch entstand im Laufe der vergangenen Jahrzehnte eine gigantische Schuld – in der westlichen Welt.

Das Wirtschaftswachstum soll die neuen Schulden in den Griff bekommen, aber die können längst nicht mehr erwirtschaftet werden, da die Zinseszinsen immer schneller wachsen. 2010 wurden im Bundeshaushalt 39 Milliarden Euro allein für die Zinsschuld veranschlagt, das war der zweitgrößte Posten.

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4 Antworten zu Bundesbank-Chef Weidmann: „Notenbanken erschaffen Geld quasi aus dem Nichts.“

  1. rundertischdgf schreibt:

    Und das Gold als etwas Gegenwert? Seit 5 Jahren gibt es keine Inventur der deutschen Goldreserven mehr, so der Bundestagsabgeordnete Willsch, CDU.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/09/21/mdb-willsch-seit-5-jahren-gibt-es-keine-inventur-der-deutschen-goldreserven/

  2. Niedersachse schreibt:

    Geld verändert den Charakter und wie Martin Luther schrieb, ist es wie Salzwasser; je mehr man davon trinkt, desto durstiger wird man.
    Prinzipiell ist eine Infrastruktur denkbar, die ohne Kapitalfluß auskommt. Doch wir denken zu sehr im System, statt mittels des vorhandenen Geldes das System zu überwinden und eben eine solche Infrastruktur aufzubauen.
    Davor stehen leider auch die Goldhaie und Kommunismusanalysten, die meiner bescheidenen Ansicht nach noch dümmer, als die Polizei erlaubt und statt Einsicht zu zeigen, verdeckt das höher, schneller, weiter postulieren. Und nicht merken, daß sie einem Komplott zum Opfer gefallen sind, die Banken mittles diverser Agitatoren die Krise nützen, um ihr wertloses Zeugs unter die Leute zu bringen. Wer kannte Eichelburg vor der Krise? Niemand oder keiner?

    Zur Währungsreform 1948 fiel der Goldpreis auf einen Tiefststand und kostete je Unze 20 Dollar. Daß Gold eine Krisenwährung ist, wird damit widerlegt.
    Es werden auch gerne die alten Römer herangezogen unter der Behauptung, Gold habe einen inneren Wert. Hat es nicht, denn die Römer hatten eine Edelmetallwährung, welche sich immer wieder inflationswllig zeigte und schwere Wirtschaftskrisen auslöste.

    In den 70er Jahren ist Bretton Woods aufgelöst worden. Das Gold war bis zur Halskrause beliehen worden und die USA ließen sich ihren Staatshaushalt von den anderen Teilnehmern finanzieren. Wäre er beibehalten worden, wäre der Bailout schon viel früher sichtbar gewesen. Mit der Auflösung Bretton Woods konnte das Schuldenspiel noch eine zeitlang weiter gespielt werden. Aber im Ergebnis ließ sich der Bailout nicht verhindern, denn China hat die USA lange aufgekauft.

    Goldstandard gehört in die Postktschenzeit zu Billy the Kid und Jesse James. Sollte der Goldstandard jetzt eingeführt werden, müßten die Staaten am Markt als Käufer auftreten und nicht nur der Goldpreis, auch der Schuldenberg würde explodieren. Was ohnehin eine Logik ist so hopelig wie eine alter Römerstraße. Denn zuerst müßte Gold gekauft werden mit Geld, daß nicht vorhanden ist, noch mehr Schulden obendrauf, um daraufhin das Gold mit allen existierenden Schulden zu beleihen. Die Unze müßte über den Daumen 11 Trillionen Euro kosten. Davon träumen die Sektierer feucht, aber das ist ein Schwachsinn.

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