45-Fieber: Ich erobere ein Land

Das klingt moralisch vielleicht ein bisschen heftig. Aber es muss sein, denn dieses Land, dass ich erobern muss, leidet unter einem brutalen Diktator. Außerdem entspricht dies den Wünschen meines Vereinsbosses.

Meine Mitarbeiter finden Krieg doof, aber die wissen auch nicht, was es heißt, wenn man am ganz großen Rad dreht. Da muss ich aber selbst keine Überzeugungsarbeit leisten, dafür habe ich eine Agentur. Wenn mich dann meine Mitarbeiter dazu drängen, die Demokratie zu verteidigen und dafür unbedingt in dieses Terrorland einzumaschieren, dann fängt der Spaß erst richtig an.

Also so ein Land zu erobern, ist erst einmal gar nicht so schwierig, sich dieses Land dann auf ewig zu sichern dann aber schon. Aber dafür gibt es ja Handbücher. Mal sehen … Ah ja, genau! Bloß nicht als Unmensch darstehen, sondern als Freund. Für meine freundlichen Dienste müssen die natürlich auf ewig zahlen. Klar! Ich gebe dann irgendwelchen bereits dort bekannten Politikern die Macht – die sind selbstverständlich sehr dankbar und bleiben mit mir im guten Kontakt. Für die Zukunft gründe ich eine gemeinsame Freundesgruppe, die regelmäßig den Politikernachwuchs, egal welcher Partei oder Gruppierung, mit tollen Infos und Plänen versorgt. Ich nenne das: „Weiche Kontrolle“. Und ganz wichtig ist natürlich die Einführung der Demokratie. Das Volk soll gefälligst wählen dürfen, welche Hand die gewünschten Verträge unterschreibt.

So weit, so gut. Es fehlt noch ein Sicherungssystem. Genau, ich installiere einen Geheimdienst, der meine Arbeit vor Ort erledigt, die Nachbarn beobachtet und mir regelmäßig Bericht erstattet – das werden die nicht freiwillig tun, nur die Hälfte davon, die von Anfang an zusätzlich von mir bezahlt. Und dann brauche ich noch einen zweiten Geheimdienst, der das innere Gleichgewicht sicherstellt. Nicht dass plötzlich irgendeine demokratisch gewählte Kommunistenpartei relevante Macht gewinnt – das geht nicht. Da müssen rechtzeitig Bomben platzen. Überhaupt müssen alle politischen Gruppen unter Kontrolle gebracht werden. Dafür gründen die Dienste dann einfach selbst Zellen, die in der öffentlichen Wahrnehmung an der Spitze stehen. Die brauchen natürlich coole Namen, aber dafür habe ich ja eine Agentur.

Puh! Unsere Zukunft ist gesichert, sag ich mal. Wofür ich das alles auf mich nehme? Na hören Sie mal! Wissen Sie eigentlich wie teuer eine freie, gute Arbeitskraft heutzutage ist? Oder wie teuer das Benzin an der Tankstelle wäre, wenn ich mich nicht um das Öl kümmern würde? Eben. Ich tue es für uns. Uns allen. Und für Disney World.

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6 Antworten zu 45-Fieber: Ich erobere ein Land

  1. dieandereperspektive schreibt:

    Toll beschrieben. Wie wäre es noch mit einer Agentur, die dafür sorgt, dass alle „Wähler“ meinen sie würden in einem demokratisch gewählten Rechtssystem leben, und es gäbe dort eine freie Meinungsäußerung und eine Verfassung?

  2. Niedersachse schreibt:

    Das klingt in Wahrheit verwerflich! Aber wenn Sie mir 1.000.000 Euro überweisen in kleinen Scheinen, mache ich die Räuberleiter?

    Konto Deutsche Bank (Caymen-Island): 666.666.666
    BLZ. 40222031
    Name: Anonym (Codewort: Ehrenmann)

    Man muß die Grenzen des Rechts übertreten, um aus Unrecht Recht zu machen – die Formel für jeden, der nach despotischer Macht strebt.

    • dieandereperspektive schreibt:

      Ich beaobachte gerade in letzter Zeit, dass nicht schon geschrien wird, wenn man ihnen auf die zehen tritt, sondern erst wenn sie bereits abgeschlagen werden. Manchmal frage ich mich dabei, ob da nicht etwas dahinter steckt, das die Menschen so gleichgültig werden läßt.

      • Björn Kügler schreibt:

        Bei ein paar Millionen Informationen am Tag ist es auch schwierig zu selektieren, wenn man nicht gelernt hat, zudem muss man die Gegenwartsinformation im Kontext zu vergangenen bzw. zu historischen Informationen betrachten, analysieren. Dazu bedarf es Informationsfreiräume, die die wenigsten haben, wenn sich alles um DSDS, iPhone 5 oder dem nächtsen bzw. den Ärger über den versperrten Karriereschritt dreht oder/und Familie. Will sagen, man kann den Leuten, die eine Fessel mit sich herumtragen, nicht vorwerfen, diese sich selbst angelegt zu haben. Man kann aber anfangen, zu zeigen, wie sich Knoten lösen lassen.

      • Björn Kügler schreibt:

        und falls du auf die heutige K-Entscheidung anspielst … Ich glaube, dass immer mehr Menschen langsam begreifen, dass sie nur die Farbe des Füllers wählen, der aber die gleichen Verträge unterschreibt

    • dieandereperspektive schreibt:

      Da kann ich nur hoffen, dass es wirklich so ist. Aber solange sie nur das Problem haben, dass sie nur wissen, dass sie einen anderen Füller brauchen, aber nicht welche Tinte da drin sein muss, spielt die Zeit gegen sie. Denn wenn es zu lange dauert, wird es eine ähnliche Wendung geben wie in der franzosischen Revolution, in der dann wieder diejenigen gesiegt hatten, die zwar wußten was sie wollten, aber denen das Volk wiederum nur Untertan war.
      Dazu vielleicht zwei Anhaltspunkte:
      Das Gesundheitswesen nach Kostenkriterien aufzubauen und zu untergliedern ist ein Widerspruch in sich selbst. Denn die Verhinderung von Krankheit sollte die höchste Priorität haben, nicht deren Behandlung. Also wie kann ein Arzt der davon leben muß nach diesem Grundsatz handeln?
      Das Recht auf Arbeit, Wohnung, Bildung und Nahrung sind Grundrechte, ohne die eine friedliche Koexistenz aller Individuuen nicht möglich sein kann. Solange diese Fakten nicht gegeben sind, sind Krieg und Lebenskampf die Parameter, in denen jeder gefangen ist. Die Unfreiheit begründet sich auf dieser Tatsache.
      Insofern sind mir alle Bewegungen suspekt, die nicht diese Parameter zum Ziel haben.

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