Afghanistan-Popaganda und verlogene EU-Kommissare: Selten so offene Worte in TV-Talkshow

Freitag gegen Mitternacht kam es in der Live-Talkshow „3nach9“ zu Aussagen, die so im Fernsehen eher selten oder gar nicht zu hören sind. Es lohnt sich, einen Blick zu riskieren.

„3nach9“ ist inzwischen eine Talkshow wie jede andere auch – Gäste werden eingeladen und diese dürfen ihre Produkte vorstellen und ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern. Eine interessante oder gar brisante Diskussion gehört nicht in deren Sendeplan. Auch am letzten Freitag schien alles wie bekannt zu verlaufen. Til Schweiger war eingeladen. Mit seinem neuen Kinofilm über einen Afghanistan-Veteran im Gepäck ist er dieser Tage öfter im TV zu sehen. Er erzählte dabei von seinen Gesprächen, die er mit deutschen Soldaten direkt in Afghanistan führte und forderte mehr Respekt für ihren Einsatz. Das fand Beifall beim Publikum. Nun verwies der Moderator Giovanni de Lorenzo auf einen weiteren Gast in der Sendung, dem Publizisten und Grimme-Preisträger Roger Willemsen, da dieser ebenfalls kürzlich in Afghanistan gewesen war. Dieser nutzte das an ihm gegebene Wort für einen langen und völlig unerwarteten Vortrag über die Verhältnisse in diesem Land. So manch einer dürfte dabei geschluckt haben:

„Ich kenne das zivile Afghanistan. Wir bauen – ich bin Schirmher des Afganischen Frauenvereins – seit 20 Jahren Schulen und Brunnen dort … Wir haben diese Projekte gehabt, bevor die Bundeswehr dahin kam, wir haben sie gehabt vor den Taliban, währen der Taliban, nach der Taliban. Ich muss jetzt immer hören + egal ob von de Maiziére oder von Niebel, es gäbe diese Arbeit nicht, wenn es die Bundeswehr nicht gäbe. Ich muss sagen, das ist Propaganda. Das stimmt nicht!“ Roger Willemsen in „3nach9″, 21.09.2012

Daraufhin entflammte eine hoch emotional geführte Debatte, die Giovanni de Lorenzo erst wieder in dem Griff bekam als er zusammenfasste:

„Aber es ist schon was Absurdes und zu tiefst Verstörendes, dass wir Soldaten, deutsche Soldaten dorthin schicken, die ihren Kopf riskieren, jeden Tag und an den Sinn dieser Mission glaubt hier zu Lande kaum noch jemand. Das ist etwas gespenstisch.“

Es lohnt sich auch, sich das Gespräch mit UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler anzusehen. Auszug:

„Die Verlogenheit der Kommissare in Brüssel ist bodenlos. Sie fabrizieren den Hunger in Afrika und gleichzeitig mit militärischen Mitteln werden vor den kanarischen Inseln, vor Malta die Hungerflüchtlinge ins Meer zurückgetrieben und gehen häufig auch unter.“

Darüber hinaus klärte Jean Ziegler die Fernseh-Öffentlichkeit darüber auf, dass nur 10 Konzerne 85 Prozemt der gehandelten Nahrung auf der Welt kontrollieren würden. Moderator und gleichzeitiger Herausgeber des Wochenmagazins DIE ZEIT de Lorenzo wusste zwar gut zu differenzieren und zitierte aus einem Bericht der Unesco, nach dem die Kindersterblichkeit wegen Hunger zurückgegangen sei, konnte die Thesen von Ziegler jedoch kaum widerlegen. Es blieb ein bedrückender Zustandsbericht. Aber Ziegler machte auch auf unsere Möglichkeiten aufmerksam, auf unsere Demokratie und forderte dazu auf, zu handeln, das politische Geschehen aktiv zu beeinflussen.

Noch viele weitere Aussagen sind in beiden Gesprächen zu finden. Gute Sendung. Bitte mehr davon!

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3 Antworten zu Afghanistan-Popaganda und verlogene EU-Kommissare: Selten so offene Worte in TV-Talkshow

  1. gernot schreibt:

    Grimme-Preisträger Roger Willemsen wird wohl das letzte Mal in “3nach9″ gewesen sein 😉

  2. dieandereperspektive schreibt:

    Solange noch die Fussballtickets erschwinglich sind, interessiert sich dafür nur der intellektuelle Teil unserer Bevölkerung. Das ist raurig, aber wahr.

  3. Niedersachse schreibt:

    Jean Ziegler hat viel zur Aufklärung über den Bush-Clan beigetragen und ist ein guter Typ. Er steht völlig im Gegensatz zum italienischen Putzlumpen Giovanni di Lozenzo. Beim Lesen der „Zeit“ befällt mich Übelkeit.

    Kettenraucher und Cyborg Helmut Schmidt ist bekanntermaßen ein Verfechter der EU und großer Fan Chinas, genauer der KPC, und er scheut isch nicht, zu wiederholen, daß das Massaker an den Demonstranten auf dem Platz des Himmlischen Friedens gerechtfertigt sei.
    Schmidt ist die graue Eminenz der Zeit. Bei einem solchen Herrn, der alterschwach und ganz senil über der „Zeit“ thront, erwarte ich von Lorenzos Talk-Runde nur Weichgespültes. Und wie der redet … würg.

    Ich habe die Sendung nicht gesehen, deshalb kann ich zu diesem Ausnahmefall nichts beitragen.

    Der Überfall auf Afghanistan hätte eigentlich Deutschland gelten müssen, sorry, Hamburg, wenn überhaupt. Denn der Kopf der Terrorbande, Ramzi Binalshiph, hat in Hamburg gewirkt und da die Attentäter rekrutiert unter Aufsicht der CIA.
    Osama bin Laden soll, so wird kolportiert, in einer afghanischen Berghöhle die logistische Meisterleistung erfunden und gesteuert haben, was nach Adam Riese völlig abwegig ist und er nebebei wochenlang bestritten hat, Bis die erfundenen Vidos auftauchten.
    Na ja, ich schweife weit, deshalb nur noch eine Merkwürdigkeit: Genau 911 Tage später kam es zum Anschlag auf die Bahn in Madrid mit 170 Toten!

    Und noch eine, nee zwei: Al Kaida ist eine Begrifflichkeit, die ich in anderer Schreibweise in der Bibel gefunden habe und heißt Barack Obama wirklich so? Oder heißt er Obama Barack? Ein Barak taucht auch in der Bibel auf.
    Und nun, ab die Post …

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