Madrid: Massenprotest nach Massenprotest – Liveticker

Nachdem gestern mindestens 60.000 Demonstanten in Madrid auf die Straße gingen und die Polizei mit unfassbarer Gewalt gegen die überwiegend friedlichen Bürger vorging, versammeln nun erneut Zehntausende Bürger auf dem Plaza de Neptuno, um gegen Polizeigewalt und Staat zu protestieren.

Der Massenprotest und die eskalierende Polizeigewalt von Dienstag Abend in Madrid fanden in den deutschen Medien kaum Beachtung. Ein Sturm der Entrüstung darüber musste sich stellvertretend die Tagesschau-Redaktion gefallen lassen. Da aber stark zu bezweifeln ist, dass dem jetzt laufenden Protest nun mehr Relevanz eingeräumt wird, ist es um so wichtiger, dass diese Proteste in alternativen Medien Beachtung finden. Deshalb hier der Livestream und der Ticker (Quelle sind die Beobachtungen der Livecams).

Livestream

20:51 Uhr: Nachdem am Nachmittag die Zahl der Demonstranten auf ein paar Hundert zu schätzen war, die dem spontanen Aufruf zu erneutem Protest folgten, sind es inzwischen Zehntausende, die sich versammelt haben. Die Stimmung ist friedlich.

21:04 Uhr: Gestern Abend schlug die Polizei mit mehreren Manschaftswagen eine Schneise zwischen die Masse. Dies ist bisher heute noch nicht geschehen.

21:21 Uhr: Es bleibt vorerst friedlich. Die Behörden haben wohl nicht gerechnet, dass sich so viele Menschen wieder „trauen“. Es sind Menschen jeden Alters zu sehen.

21:41 Uhr: Es wird diskutiert, abgewartet – von Polizei ist weit und breit nichts zu sehen.

21:44 Uhr: Ah, da sind sie! 5 oder 6 Mannschaftswagen stehen mit Blaulicht „zur Seite“.

22:01 Uhr: Die Stimmung ist friedlich. Einige behaupten ja, dass Demos nichts bringen. Hier wird ganz klar gegenseitige Solidarität und Zusammenhalt gezeigt. Die Bürger fühlen sich in ihrer Not, ihrem Protest nicht alleine.

Im ZDF heute-journal wurde eben über die gestrige Demos berichtet, über 60 Veröetzte und 34 Festnahmen.

22:16 Uhr: Es bleibt ruhig. Die Anzahl der demonstranten scheint etwas abgenommen zu haben. In den ARD Tagesthemen wird auf die Kritik, nichts über die Proteste gestern berichtet zu haben, reagiert: Außen-Reporter Sefan Scharf wurde aus Madrid zugeschaltet. Dieser berichtet von 5.000 Demonstranten. Das mag inzwischen sogar stimmen.

22:41 Uhr: Polizisten stehen entspannt bei ihren 7 Mannschaftswagen. Sie tragen keine schwarzen Robocop-Kostüme, sondern die ganz normale blaue Uniform.

22:47 Uhr: Die Straße zum Regierungsgebäude ist abgesperrt, dahinter stehen die Robocops, mit Videokamera. Die Menge davor wird nun lauter, einige strecken wütend die Fäuste in den Himmel.

22:58 Uhr: Die Demstranten haben sich wieder ruhig. Doch neue Mannschaftswagen positionieren sich, davor stellen sich 40 Robocop-Polizisten in Reihe auf. Sie sperren damit eine weitere Straße.

23:15 Uhr: Immer mehr Polizisten gehen in Stellung. Völlig unverständlich.

23:17 Uhr: Alle Straßen scheinen nun mit Manschaftswagen, die nebeneinander in Richtung der Demonstranten stehen und davor aufgereihten Polizisten abgesperrt. Somit besteht wohl keine Möglichkeit, den Platz zu verlassen.

23:30 Uhr: Die Demonstranten scheinen sich nicht provozieren zu lassen. Überall wird gefilmt, sowohl von Demonstranen als auch von Pressevertretern. Da die Anzahl der Demonstranten sich verkleinert hat, ist anzunehmen, dass es doch die Möglichkeit gibt, den Platz „in gewünschter“ Richtung zu verlassen.

23:37 Uhr: Die Mannschaftswagen rücken geschlossen immer weiter vor, Polizistengruppen drängen die Demonstranten weg. Sitzende werden aufgefordert, aufzustehen. Da die Presse alles genau dokmentiert – es blitzt andauernd und große Kameras sind zu sehen – reichen die Polizisten freundlich ihre Hände. Die Demonstration soll wohl aufgelöst werden.

23:57 Uhr: Die ersten Streams brechen ab. Es scheint alles friedlich verlaufen zu sein. Morgen will die spanische Regierung ihre Sparpolitik verabschieden. Es sind daher neue Proteste zu erwarten. Dies ist bis auf weiteres die letzte Nachricht für heute. Gute Nacht!

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3 Antworten zu Madrid: Massenprotest nach Massenprotest – Liveticker

  1. Niedersachse schreibt:

    Die EU ist per Definition eine Diktatur und arbeitet stringent an der Einschränkung bürgerlicher Freiheiten und Rechte. Nicht die Kommissare, nicht der Präsident van Rompuy sind frei gewählt worden. Nicht Kohl, Schröder, Merkel sind vom Bürger beauftragt worden.
    Und die Tendenz zum unterdrückerischen Regime ist an der Entwicklung ablesbar: Schengener Abkommen und Maastricht Vertrag sind unter der Kohlregierung weder zur Wahl gestellt worden noch zum Referendum. Beide Verträger sind in einem kalten Putsch ratifiziert worden. Es folgten die Osterweiterung, Euroeinführung, EU-Verfassung, der ESM – das Schengener Abkommen 1986 war der Verlust der Jungfräulichkeit der Bundesverfassungsgerichts.

    Faktisch überlagert das EU-Recht deutsches Recht. Mehr als 80% der Gesetze und Richtlinien gehören dem EU-Recht an.

    Die wirkliche Schizophrenie, darüber gab’s hier schon Diskussionen, liegt in der Spaltung des Grundgesetzes mittels Artikel 23. Die politischmediale Oszillation zwischen Staat und Nicht-Staat (Überstaat) ist praktisch die Basis einer geselschaftlichen Psychose und wäre, einer Einzelperson attestiert, klinisch zu behandeln.
    In einer abnormen Gesellschaft sind Psychiatrien nur Aufbewahrungsanstalten und das zeigt auch die Realität. 20 Jahre oder länger sind die meisten Patienten in Behandlung. Bestenfalls werden sie entlassen mit einer Symptomverschiebung, oder medikamentös ruhig gestellt, schlimmst droht der Suicid.

    In vielen Kommentarbereichen ist immer wieder zu lesen, die „Gewalttäter“ seien Provokateure, aber diese Weltfremden ergözen sich am Status Quo, lassen die Historie ausser Acht.

    Peter Scholl-Latour sagte sinngemäß, eine Revolution brauche immer auch Gruppierungen, die gewalttätig seien. – Schließlich gilt der Kampf der Unterdrückung, und die Unterdrücker sind sich ihrer Taten durchaus bewußt.

    Der Gründungsmythos der EU ist das 3. Reich, und das ist nur politisch reglementierter Mythos, denn wer waren denn die wirklichen Missetäter? Das waren wie in der EU auch die Unternehmer, die IG Farben, Standard Oil, IBM, Thyssen-Krupp; Waffenschmieden, Banker – das Großkapital. Und dassselbe Großkapital postuliert heute, die EU schütze Europa vor einem Krieg?! – das ist eine Pervertierung von Tatsachen: Kolonien, Sklavenhaltung und – handel, Sozialdarwinismus, Faschismus – dahinter steckten immer die Unternehmer.

    Also mit Unterschriftenaktionen, Klagen, Sitzstreiks ist hier gar nichts zu machen.

  2. Niedersachse schreibt:

    Ich möchte mal als Gegenentwurf mein Konzept erklären, wie die Demokratie von unten zurückerobert werden kann und der Kapitalismus bar jeder Ideologie überwunden.

    Windräder sind ein Stein des Anstosses (windkraftgegner.de) und stammen in der Form aus der Gründerzeit; Ende des 19. Jhds. stellten die Dänen einige auf. Mässig begünstigt von Erfolg, denn durchsetzten konnten sie sich nicht.
    Hitler kochte die Idee wieder auf, nachlesbar in „Tischgespräche im Führerhauptquartier“ (das Buch hat ein Empfehlungsschreiben des Spiegel), und plante, sie auf alle Bauernhöfe zu verteilen.
    Der Krieg vereitelte das Vorhaben, zum Glück.
    Mit der Anti-Atombewegung (Friedensbewegung) begann auch die Suche nach regenerativen Energien neu und die Grünen bar eigener Inspiration griffen in die Mottenkiste des Kaiserreichs, sie belebten die windige Dampfmaschine neu.

    Ich denke, das Ursachenproblem für die Länder und Gemeinden ist die europäische Postdemokratie. Postdemokratie, weil ein Superstaat mit 500 Mill. Einwohnern demokratische Strukturen naturgemäß austilgt. Denn das Versprechen, ein Europa der Regionen zu schaffen, ist nie eingelöst worden, vielmehr haben die Protagnisten einen Superobrigkeits- und Überwachungsstaat installiert.
    Seit 1986 ratifiziert die Regierung Verträge und Abkommen am Volk vorbei, von Schengen, Maastricht, Osterweiterung, Euroeinführung, EU-Reformvertrag bis zum ESM, es gab keine Wahl, kein Referendum, und immer platzte die jeweilige Regierung mit dem Vorhaben inmitten einer Legislaturperiode heraus!
    Steuererleichterungen, blühende Landschaftem – windige Versprechen, um an die Macht zu reiten.

    Um dem Demokratiedefizit entgegen zu wirken, sollten die Gemeinden sich meines Erachtens energiepolitisch abkoppeln von den Versorgern. Mit eigener Energie ist man freier in der Entscheidung und kaum noch erpreßbar

    Es gibt heute genug Möglichkeiten, regenerativ Energie zu erzeugen, und es ist nicht notwendig, ständig Rapsfelder als Negativbeispiel heranziehen. Es ginge ohne Windmonster, Rapsfelder und Atomkraft. Man muß es nur wollen.

    Aus der Gegnerschaft zu den Windrädern sollte keine Ideologie werden, denn Wind und Sonne ergänzen sich: scheint die Sonne, ist es schon mal windstill, ist sie verhangen, windig. Eins ist immer.

    Strom erzeugt man am effizientesten da, wo er gebraucht wird, am Haus. Denn mit langen Leitungen, Überlandleitungen, bedarf es eines Mehraufwandes, weil sich der Strom unterwegs verbraucht.

    Für kurze Wege bietet sich die Sonnenenergie an. Vom Dach zum E-Herd; der Landkreis könnte einen Kredit aufnehmen und die Häuser der Städte und Dörfer mit Solaranlagen decken, die Anfangs in der Hand des Landkreises bleiben. Der Verbraucher bezahlt die Anlage ab über die Stromrechnung, bis sie ihm gehört. Er investiert in eine eigene, vom Landkreis vorfinanzierte Anlage, statt die Aktien der großen Strom-Versorger nach oben zu treiben.
    Natürlich bedarf es dafür eines demokratischen Prozesses, aber wenn die Vorteile gut vermittelt werden, mehr Demokratie, mehr Unabhängigkeit, mehr Mitbestimmung, sollte sich das doch durchsetzen lassen?
    Die Betreiber von Mietwohnungen könnten den Sonnenstrom an die Mieter verkaufen.
    Für Sonnenstromerzeugung böten sich z.B. nackte Fassaden an, Balkone, Industriegebäude, Lärmschutzwände an Autobahnen. Das zusammen genommen wäre ein Solarkraftwerk. Und schließlich könnte man die Solarindustrie bitten, Solarschindeln zu entwickeln, dann wäre das Energiedach vollständig integriert.

    Die Privathaushalte, die sollten zuerst gewonnen werden, würden also den einen Teil der Stromerzeuger in Besitz haben, den anderen produziert das Land, der Landkreis, die Gemeinde und zwar mit Vertikalturbinen. Die vereinen alle Vorteile, sie sind kleiner als die Bäume, lassen sich dicht stellen ohne Interferenzen zu erzeugen, sind 10 Mal so effizient und ließen sich im Industriegebiet aufstellen. Die Windenergie verkauft der Landkreis an die Bürger. Als vollständiges Projekt bräuchte es keinen Strom mehr von den Versorgern zu kaufen, da würde gespart, und die Finanzierung erfolgt über die Stromrechnung. Die Abzahlung ist absehbar, die Natur wird geschützt, die Demokratie gestärkt, die Energie hat keine Lieferengpässe, wird ständig billig, ist robust gegen Krisen, würde ohne einen Kapitalfluß produzieren (!), kann nie abgestellt werden und – es würden nachhaltig Arbeitsplätze entstehen!

    http://www.baulinks.de/webplugin/2011/1115.php4

    Die Turbinen gibt’s in verschiedenen Ausführungen und können dicht beieinander stehen, ohne zu interferieren.

    Gas läßt sich auch selbst erzeugen z.B. mit Müll. Und Müll wird jede Menge produziert.
    Je autonomer die Energieerzeugung, desto freier werden die Bürger in ihrer Entscheidung.

    http://windlaerm.wordpress.com/

    im finanzkapitalen Krisenfall bräuchte sich der Bürger kaum Sorgen zu machen. Er könnte drüber lachen, den die Lebensmittelproduktion läuft weiter. Kein Geld? Kein Problem, dann arbeitet man halt ohne, hat zu essen und zu trinken und eine warme Wohnung, Kühlschrank, E-Herd, Musik. Und, fortschrittlich gedacht, könnte man sogar mit dem Stromauto zu Arbeit fahren. Man hätte alles, nur kein Geld. Ist das ein Verlust?

    Sitzen reaktionäre Elemente im Gemeinderat? Dann fordere man erst alles und enige sich auf eine Testturbine. Nach einem Jahr sind alle überzeugt!

  3. Niedersachse schreibt:

    Massenprotest heute auch in Frankreich. Zehntausende gingen auf die Straße gegen Hollandes Sparkurs und – den europäischen Fiskalpakt.
    Können neue Milliarden Griechen beruhigen?

    Tagesschau meldet Tausende, Zeit Zehntausende

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-09/paris-demonstration-sparpolitik

    Theoretisch müßten alle Protestierer in den EU-Mitgliedstaaten hochzufrieden sein, denn die Länder sind mehr oder weniger pleite; und es ist vor allem deutsches Geld, welches tranchenweise verteilt wird?

    Wogegen protestieren die Massen in den Anreinerstaaten wirklich? Ist der Fiskalpakt ein Alptraum? Immerhin könnte man argumentieren, der würde die ärmeren ein bißchen reicher machen und das reiche Deutschland ein bißchen ärmer? Aber, wie lebt es sich mit Sozialhilfe? Gibt es eine berechtigtze Furcht, diese Abhängigkeit dauernd aufs Butterbrot geschmiert zu bekommen?

    Ich denke, die protestieren gegen die Deutschen! Die Anreiner wollen mit uns nichts zu tun haben. Und das liegt nicht zuletzt an den Prügeln (Bashing), welche sie von deutschen Zeitgenossen beziehen: die Griechen, Spanier usw. sind korrupt und faul und leben hier auf unsere Kosten! Diese und ähnliche Aussagen werden von den Medien in den Meldungen unterschwellig kolportiert, weil die Macher wohl glauben, solcher Druck mache die Anreiner untertänig!

    Und Merkel wird trotz aller vermeintlicher Großzügigkeit immer wieder mit Hitler verglichen.

    Die Motive für die Abneigung gegen die Deutschen liegen auf der Hand und nicht in der Vergangenheit, es ist eine urdeutsche Charakterlosigkeit. „Die ziehen mit ihren Milliarden durch unsere Lande und meinen, alles und jeder sei käuflich“ – gebt uns die Griecheninseln!
    Ist es nicht so, daß man für Geld nur 5 Minuten Sex kriegt, aber keine Liebe?

    Die Charakterlosigkeit des deutschen Großkotzkapitals ist dessen Bordellbesuchermentalität! Daran wird die europäische (Scheiß-) Idee letzlich wohl scheitern – am Verhältnis des Freiers zur Zwangsprotituierten.

    Kennt man auch in der Verwandtschaft: da erpresst einen der Onkel, Vater, Opa mit seiner Erbschaft – oder „großzügigen“ Zuwendungen. Wer sie annimmt, muß sich verbiegen, er hat das schwerere Los, weil es ihm anhaftet wie ein schlechter Geruch.

    .

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