Massenproteste: Das freie Europa auf den Weg ins Chaos

In Griechenland, Spanien, Portugal, Italien, Frankreich und Deutschland gingen  am Wochenende Millionen EU-Bürger auf die Straße, um gegen soziale Ungerechtigkeiten und Sparmaßnahmen zu protestieren. Die hiesigen Medien berichten kaum darüber. Denn die Gegenwart der Südländer ist bei gleichbleibender Entwicklung die Zukunft von Deutschland.

Europa am 29. September 2012:

  • Bis zu 80.000 Franzosen demonstrierten in Paris gegen den Sparkurs von Francoise Hollande. (dradio)
  • Mehr als 100.000 Menschen demonstrierten in Lissabon gegen die Sparpolitik der portugiesischen Regierung. (Der Tagesspiegel)
  • Mehrere Zehntausend protestierten in Madrid zum dritten Mal innerhalb weniger Tage gegen die Sparpolitik. (Die Zeit)
  • Massendemonstration  auch in Deutschland. In 40 Städten gab es Kundgebungen gegen die soziale Ungerechtigkeit. (Frankfurter Rundschau)
  • Zu einer zentralen Kundgebung am Tag zuvor in Rom kamen 30.000 Menschen unter dem Motto: „Schluss mit den Belastungen für die Schwächsten. Wir haben schon gegeben“.
  • In Athen demonstrierten mehr als 100.000 Menschen gegen das Spardiktat aus Brüssel. (Hamburger Abendblatt)

Es muss unterschieden werden zwischen den Demonstrationen in den Südländern und denen in Frankreich und Deutschland. In Griechenland, Spanien, Portugal und spürbar morgen in Italien gehen die Menschen am Stock. Sie können schlicht nicht mehr. Es herrscht die blanke Wut. Entsprechend hart gingen die Polizisten in Madrid und Italien Athen gegen die Demonstranten vor. Kann man in Athen noch von Abwehr sprechen, so war es in Madrid wiederholt ein Angriff auf die Demonstranten. Die Polizisten jagten die Demonstranten bis in die schmalen Gassen. In den Südländern stehen die Zeichen deutlich auf Sturm. Nicht zufällig werden in den hiesigen Nachrichten die Massen an Protesten kleingeschrieben oder gar nicht erwähnt. Stattdessen wird weitergegeben, dass man den Griechen weitere 30 Milliarden überweisen werde, auch wenn diese WEITERE Sparauflagen nicht erfüllen können. Nur werden auch diese 30 Milliarden nicht die Menschen erreichen. Kein einziger Grieche sieht davon auch nur einen Euro. Kein einziger Europäer, der im Süden leidet, bekommt auch nicht nur einen Euro. Das Geld geht an die Banken. Die Schulden, die wir dafür aufnehmen geht an die Banken. Grotesk! Und deshalb wird sich nichts ändern. Es muss zwangsläufig schlimmer werden. Denn Not gebiert Hass und Hass gebiert Gewalt!

Genau so wie die Krise in Europa in unseren Medien verfälscht wird, so wird sie es auch in den an Not leidenden Ländern. „Der Deutsche ist Schuld!“ wird gern vermittelt, Merkel wird sogar in eine SS-Uniform gesteckt. Das steigert die Wut. Nur selbst diejenigen, die genau wissen, dass dies kein Raubzug der Deutschen, sondern ein gewissenloser Raubzug der Finanzlobby ist, werden nicht unbedingt ein fertiges Konzept in der Tasche haben, wenn sie wunschgemäß das Parlament besetzen. Sie werden trotzdem nicht ruhen. Und so ist das Chaos vorprogrammiert.

In Deutschland gingen Zehntausende am Samstag auf die Straße um für „Umfairteilen“ zu demonstrieren. Nur ist das eine Lösung? Ist es fair, jemanden seines Geldes zu berauben, nur weil er soviel davon hat? Ist es nicht sinnvoller, an das Gewissen zu appellieren, an Freiwilligkeit? Da ist sicher eine differenziertere Diskussion nötig, auch darüber wie die Lobbypolitik und unsere verfilzte Demokratie wieder auf das richtige Gleis kommen.

Das ist deshalb so dringend nötig, da die Sparpolitik zwangsweise auch im härter die Franzosen und eben auch die Deutschen treffen wird. Denn wo wird gespart, wenn die Zinsen für Deutschland nicht mehr zu bedienen sind?

Es wird ganz schnell vorbei sein mit einem freien Europa, wenn dieser Zug nicht aufgehalten wird. Über Freiheit können die Südländer schon jetzt nur noch lachen und werden sich diese zurückerobern wollen und müssen. Wir können schon vorher was tun.

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8 Antworten zu Massenproteste: Das freie Europa auf den Weg ins Chaos

  1. Maria schreibt:

    Auch, wenn ich prinzipiell erstmal jede Form der politischen Beteiligung, des Engagements und des „Stimme-Erhebens“ begrüße, konnte ich mich der UmFAIRteilen-Aktion nicht anschließen, denn auch sie stellt klar umrissene Forderungen an die „Obrigkeit“, an Parteien, an das System als solches. Da ich aber das Konzept von Parteien ablehne, macht das alles keinen Sinn für mich.
    Denn, egal, was „sie“ uns anbieten würden, egal ob nun das BGE, höhere „Reichensteuern“, die bessere Verteilung von Reichtum oder sonstwas, eines bleibt: Das System an sich!

    Und in meinen Augen sollte es stets unser größtes Ziel sein, genau dieses System zu stürtzen, bedingungslos und unwiderruflich.

    Denn es handelt sich hierbei um ein System, das den demokratischen Grundsätzen voller Hähme ins Gesichts lacht, das Menschen dem Profit opfert, das uns und unsere Erde kaputt macht und jedem einzelnen Menschen auf dieser Welt Tag für Tag ins Gesicht kotzt und von ihm verlangt, dass er dankbar Nachschlag erbittet.

    Von daher halte ich es nicht nur für unnötig, sinnlos oder naiv, Forderungen an diejenigen zu stellen, die für den ganzen Scheiß verantwortlich sind, sondern schlichtweg für falsch, wenn nicht gar gefährlich!

    Auch, wenn die Medien uns klein reden, defammieren und lügen, bleibt am Ende doch stets die eine schlichte Wahrheit: WIR ALLE sind MENSCHEN. Menschen und Erdenbürger, die sich nun, da in der ganzen Welt die Protestkultur am Boomen ist, endlich in der Situation befindet, die Regeln menschlichen Zusammenlebens grundlegend neu zu schreiben. Wir sind, was auch immer „sie“ sagen, an einem Wendepunkt in der Geschichte, bzw. können es sein, wenn wir endlich aufhören, unseren Verstand, unsere Zeit und unsere Kraft sich in Themen und Projekten verlaufen zu lassen, die an dem KERNPROBLEM, nämlich dem Systemfehler (oder besser: dem FHLERsystem) grundlegend vorbeischrammen.

    Außerdem halte ich derlei Aktionen auch für gefährlich, denn sie können in ihrem Bemühen, das System innerhalb des Systems zu ändern, verhindern, dass die Menschen WIRKLICH aufwachen und in Frage stellen. Sie können dazu führen, dass die Leute, nachdem eines dieser „Ziele“ erreicht wurde, glücklich nach Hause gehen, sich zum glücklichen Ausgang ihres „Protestes“ gegenseitig gratulieren und auf die Schulter klopfen, nur um danach wieder als genau das selbe Zahnrädchen wie zuvor in die große menschenfressende Maschine einzurasten und ihrem Tagewerk nachzugehen, ohne zu sehen, ohne zu hören, ohne zu reden. Ohne zu denken.

    Ich wünsche mir, dass wir ALLE GEMEINSAM etwas GRUNDLEGEND Neues schaffen.

    Ich wünsche mir, dass wir endlich den Mut aufbringen, uns unseres EIGENEN Verstandes zu bedienen, uns als „Weltgesellschaft“ neu organisieren, Begriffen wie Courage, Demokratie, Menschlichkeit, Gewissen und Notwendigkeit wieder Leben einhauchen und wenn nötig neu definieren.

    The only solution is a worldrevolution!

    • dieandereperspektive schreibt:

      Messerscharf erkannt, denn die Konkurrenz schläft nicht und versucht das System zu retten. So wie es schon immer geschah. Dazu muß der Begriff „Gemeinarbeit“ geboren werden, der erkärt, dass jeder einen Teil seiner täglichen Arbeit dem Gemeinwohl zukommen lassen muß. Ein weiterer Grund, warum das BBM scheitern muß.

    • Niedersachse schreibt:

      Das sind schöne Allgemeinplätze. In Hamburg sagt man: da fehlt Butter bei die Fische.

      Eine Weltgemeinschaft ist genau die Form der Gleichmacherei, die viele ablehnen, und die gerade die Protestwelle losgetreten hat.

      • Maria schreibt:

        Ich rede von einer WeltGEMEINSCHAFT/ WeltGESELLSCHAFT, die wir ohnehin sind, derer wir uns nur wieder bewusst werden müssen!
        Ich rede NICHT von einer WeltREGIERUNG!

  2. hallo100 schreibt:

    David Rockefeller ließ sich bereits 1994 vor dem Wirtschafts-Ausschuss der Vereinten Nationen (UN Business Council) wie folgt vernehmen:

    «Wir stehen am Beginn eines weltweiten Umbruchs. Alles, was wir brauchen, ist die eine richtig große Krise und die Nationen werden die Neue Weltordnung akzeptieren.»

    Durch Goldmann Sachs und die Wall Street Finanzmafia wird die Krise in Europa durchgeführt, damit die USA ihren Dollar als Leitwährung beibehalten können sowie auch ihre Führungsrolle !!!

  3. Stefan schreibt:

    Jedes EU-Land kann frei aus der EU austreten. Dann gilt der ESM und der Euro für die ausgetretenen Länder nicht mehr. Doch wer macht eine solche Politik?

    • dieandereperspektive schreibt:

      Wer sitz schon den Ast ab, auf dem man selbst sitzt. Allein welche Gehälter diese nicht gewählten Leute beziehen, die dorthin abgeschoben werden. Dafür müssen alle anderen sparen und Verzicht üben.

  4. ursus schreibt:

    Das eine tun und das andere nicht lassen! Will heissen wir brauchen einen plan A und B!
    Plan A ist:
    Opposition gegen das System inklusive Revolution – Transformation mit grundsätzlicher Systemveränderung – echte Basisdemokratie auch in der Bildung und Wirtschaft usw.
    Plan B ist:
    unabhängige Lebenskultur Zellen entwickeln für eine Nachhaltige Ganzheitlichen Lebensstiel.
    z.B. Ökodörfer, Transmision Town, Selbstverwaltende Gemeinschaften usw. Für den Fall das wir die grosse wende und Revolution für diese Gesellschaft nicht schaffen und alles auf die grosse Zerstörung die mit Unterstützung der Klimaveränderung von der Natur her kommen wird.
    Dann haben solche vielseitige Gemeinschaften die jetzt schon überall am entstehen und wachsen sind einen wichtige rolle als Zukunftsinseln . .
    Ja es ist durchaus möglich und sinnvoll beides zu tun. . .
    Nur auf Plan A alleine zu setzen ist gefährlich naiv und wie frühere Revolutionen zeigen, konnte bis jetzt alle Revolutionen nicht verhindern das sich Kapitalisten und Egoisten immer wieder durchgesetzt haben.
    Diese Revolution die nun nötig ist entscheidet über die Zukunft des Planeten und der Menschheit!
    Aber vielleicht geht das nur zusammen mit der Natur , Vielleicht sind wir Menschen einfach zu Egoistisch und schaffen es ohne die Unterstützung der Natur gar nicht.
    Im Plan B wird diesem Szenario Rechnung getragen darum eben das eine tun und das andere nicht lassen! Von : uur@gmx.ch

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