Südeuropa: Militärputsch als letzter Ausweg?

Im Juni 2011 beschrieb ich die Möglichkeit, dass in Athen das Militär die Regierung putschen könne, um das griechische Volk vor der plündernden Troika zu schützen. Nun zeigt sich, dass diese These berechtigt war. Auch in Portugal machte das Militär nun seiner Regierung deutlich, dass man das portugiesische Volk schützen werde.

Es ist ein gespenstischer Gedanke: Das Volk verarmt unter den Maßnahmen seiner Regierung, Proteste auf der Straße werden mit Polizeigewalt niedergeknüppelt. Nichts scheint zu helfen. Außer: das Militär.

Am 16. Juni 2011 schrieb ich im Artikel „Quo Vadis Athena?„:

„Möglichkeit 3: Die Griechen merken den ganzen Schwindel und setzen alles auf eine Karte: Das Militär übernimmt die Regierungsgeschäfte, beschließt den Austritt aus der EU, sucht sich neue Bündnispartner (z.B. China) und lässt das Volk über eine neue demokratisch gewählten Regierung abstimmen. Dann hätten wir wieder ein geteiltes Europa.“

Es stellt sich nun heraus, dass ein Putsch dieser Art wohl tatsächlich geplant war. So schrieb Der Tagesspiegel heute:

„Papandreou sei von Teilen der damaligen Militärführung als Verräter gesehen worden, der das Land mit seiner Zustimmung zu den Sparauflagen der EU und des Internationalen Währungsfonds zu einem Protektorat ausländischer Mächte gemacht habe. Mit einem Staatsstreich hätten „ultranationalistisch-patriotische Offiziere“ die Ehre Griechenlands wiederherstellen und das Land vor drohenden inneren Unruhen bewahren wollen, schreibt „To Vima“.“

In Portugal scheint das Militär sich ebenfalls darüber Gedanken zu machen, wie es denn nun mit dem Volkszorn weitergehen solle. So schrieb Telepolis gestern:

„Der Offiziersverband stellte heraus, dass man sich, „wie es uns die Verfassung vorschreibt, niemals als Repressionsinstrument gegen unsere Mitbürger“ instrumentalisieren lasse. Man habe „geschworen, sie zu verteidigen“. Oberst Manuel Martins Pereira, der die Erklärung unterzeichnet hat, steht damit nicht allein.“

Was passiert, wenn tatsächlich in einem EU-Land das Militär die Regierungsgeschäfte übernimmt und sich gegen die Troika stellt?

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3 Antworten zu Südeuropa: Militärputsch als letzter Ausweg?

  1. Sir Toby schreibt:

    Was passiert, wenn tatsächlich in einem EU-Land das Militär die Regierungsgeschäfte übernimmt und sich gegen die Troika stellt?

    Was für eine Frage … – dann kommt die NATO und bringt ‚Demokratie &. Menschenrechte‘.

    • dieandereperspektive schreibt:

      Und löst damit womöglich eine Kettenreaktion aus. Also gar nicht so unlogisch diese Frage. Eher die Frage, ob damit wirklich Abhilfe kommen wird, oder nur etwas anderes, ähnliches. Doch… im Moment ist auch ein Sturm immer noch besser als dieser aufbauende Tsunami.

  2. Martin schreibt:

    Es würde aber wahrscheinlich die Möglichkeiten der NATO übersteigen aktuell einen offenen Krieg innerhalb Europas zu führen, da ihnen die mediale Vorlaufzeit fehlt um die Bevölkerung weich zu klopfen. Da Griechenland schon lange Teil der EU und des Euroraums ist, gibt es mittlerweile zu viele Griechen in anderen EU-Ländern und zu viele Freundschaften. Außerdem wäre dann ein Domino-Effekt zu erwarten ähnlich wie im Fall der Schulden, also ähnliche Vorgehensweisen in Portugal und Spanien. Zu befürworten wäre dieses Vorgehen aus meiner Sicht nur, wenn es von vorn herein klare zeitliche Rahmen hinsichtlich freier Wahlen gibt. Solange die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jedoch beibehalten werden, würde der Effekt innerhalb weniger Jahre verpuffen und man wäre wieder da wo man schon einmal war.
    Es ist kein politisches Problem, da wir ja rein theoretisch alle Jahre wieder die Wahl haben und alle Jahre wieder die Verantwortlichen in ihren Positionen bestätigen und auch kein finanzielles, da die eigentlichen Werte (z.B. Rohstoffe, Arbeitskraft, …) nach wie vor vorhanden sind. Es ist gesellschaftlich bedingt und hier muss ein großes Umdenken stattfinden, um eine positive Zukunft zu gestalten.
    Was dieser Artikel allerdings sehr gut zeigt, ist wie schlecht die deutschen Medien trotz Unsummen durch GEZ abschneiden. Hier wurde die Möglichkeit schon im Juni 2011 aufgezeigt und im Februar 2012 wurde im Kopp Verlag unter Berufung auf amerikanische Zeitungen sehr konkret berichtet. Nun hat es endlich auch die deutschen Medien erreicht. Für mich abermals eine Bekräftigung darin alternative Medien zu nutzen, sich selbst zu informieren und nicht weiter informieren zu lassen.

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