EU-Desaster: Abspaltung statt Vereinigung

Der Traum der Finanz- und Politik-Elite von einem vereinigten Europa mit einheitlicher Verfassung steht im totalen Widerspruch zur Realität. In immer mehr Ländern streben einzelne Regionen die Unabhängigkeit an, also eine Abspaltung. Dass diese sich bei Erfolg freiwillig in die Abhängigkeit des Euros oder der Brüsseler EU-Kommission begeben, muss bezweifelt werden.

Im wirtschaftlich starken Süd-Tirol gab es schon immer laute Stimmen, die sich für die Abspaltung von Italien eingesetzt haben. Auch Bayern zeigt sich dezeit sehr selbstbewusst. Und „Bayern kann es auch allein“, ruft der Titel des aktuellen Buches von Wilfried Scharnagl, derzeit trommelschlagend durch Deutschlands Talk-Shows ziehend.

Richtig ernst mit der Abspaltung wird es in Spanien, Großbritannien und Belgien. In Barcelona gingen am 10. September 1,5 Millionen Katalanen auf die Straße, um für ihre Unabhängigkeit zu protesteieren und sich so dem Spardiktat aus Brüssel entziehen zu können. Damit stehen sie im Einklang mit ihrer Regierung, die nach der möglichen Wiederwahl am Sonntag Taten folgen lassen und die Autonomie einfordern will.

Nach langem Ringen gab der britische Premiere Davis Cameron nach, so dass 2014 die Schotten darüber abstimmen können, ob diese sich nach 300 Jahren von Großbritannien abspalten wollen.

In Belgien ist es Flandern, das nach mehr Autonomie strebt und diese auch politisch durchsetzen will.

Dies alles passiert zu einer Zeit, in der die EU sowieso schon als angeschlagen gilt. Die Krisenpolitik der EURO-Länder führt dazu, dass Griechenland, Spanien, Portugal und auch bald Italien am Krückstock gehen. Immer mehr der 500 Millionen EU-Bürger fürchten sich vor einer EU als wirtschaftlichem Niedriglohn-Sektor, fürchten einen weiteren Abbau der Sozialpolitik, kritisieren die volksfernen Gesetzeserlasse der EU-Kommission. Es geht noch nicht einmal darum, ob diese Sorgen berechtigt sind. Volkes Stimme ist Wählers Stimme. Parteien werden sich die Stimmung zu Nutze machen wollen. Es wäre fatal, wenn die berechtigte EU-Kritik mit Europa-Kritik verwechselt wird. Der im Moment laue Wind von rechts könnte stärker werden.

Ein noch chaoterisches Bild ergibt sich, wenn man dazu betrachtet, auf welche Zukunftsszenarien sich das deutsche Militär einstellt. Nicht nur, dass die Bekämpfung von Aufständen geübt wird, sondern auch, dass der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes nun bewaffnete Drohnen bestellen will. Für den Afghanistan- Abzug, heißt es. Wenn der Lacher verflogen ist, muss man erntshaft fragen: Etwa für den Einsatz im Inneren? Das Bundesverfassungsgericht jedenfalls gab kürzlich sein Okay.

Die Schweiz, die bekanntlich nicht zur EU gehört, rechnet ebenfalls mit einer chaotischen Zukunft und lässt das Militär den Ernstfall proben, in dem große Teile der Bevölkerungen der EU in das kleine, neutrale Land flüchten wollen.

Es muss endlich das umgesetzt werden, was sich die europäischen Völker wünschen: Mehr Europa, mehr Vielfalt und weniger EU-Bürokratie. Und vor allem mehr Arbeit, mehr soziale Sicherheit, mehr Wohlstand und weniger Troika-Wahnsinn. Dafür muss gerade in den Südländern viel aufgearbeitet und wohl auch gelitten werden. Dies lässt sich aber mit Aussicht auf eine selbstbestimmte Zukunft ertragen, nicht aber unter einer rücksichtslosen EU-Knute, die der Bevölkerung keine echte Perspektiven verspricht.

Nachtrag, 16.10.2012, 13:20 Uhr: Ergänzend zu diesem Artikel sei erwähnt, dass Bundeskanzlerin Merkel heute betonte, dass sie die EU nicht spalten wolle, aber sich eine stärkere politische und fiskalische Zusammenarbeit in der EURO-Zone wünsche. Nachtigal, ich hör‘ dich … usw.

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3 Antworten zu EU-Desaster: Abspaltung statt Vereinigung

  1. Pingback: EU-Desaster: Abspaltung statt Vereinigung

  2. dieandereperspektive schreibt:

    Ich kann dazu nur sagen, wenn es eure Kinder sind, die da den Knüppel in der Hand halten und den Helm aufziehen, dann redet vorher mit Ihnen!

  3. Pingback: Massenproteste in London gegen Kapitalismus und Sparpolitik |

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