Trotz arbeitsloser Fachkräfte in Deutschland: Pflegepersonal soll in China angeworben werden

Vor gut zwei Jahren beklagte sich die Bundesagentur für Arbeit darüber, dass extra ausgebildete Pflegekräfte in den entsprechenden Betrieben nicht unterkommen und weiter Hartz-IV-Empfänger bleiben. Trotzdem plant der Arbeitgeberverband nun, fehlendes Pflegepersonal in China anzuwerben.

In einem Artikel auf FAZ.net vom 06.05.2010 wurde darüber berichtet, dass die Bundesagentur für Arbeit die Pflegeeinrichtungen dafür kritisiert, dass sie die auf Drängen der Politik extra ausgebildeten Fachkräfte nicht einsetzen wollen.

„Im vergangenen Jahr gab es eine Initiative der Bundesregierung, zusätzliche Beschäftigung in Pflegeeinrichtungen zu schaffen. Damit verknüpft war die Erwartung, dass man 10.000 „Alltagsbegleiter“ aus dem Kreis der Arbeitslosen vermitteln wird. Diese Erwartungen haben sich leider nicht erfüllt. Wir haben rund 25.000 potentielle Pflegekräfte identifiziert und davon 15.000 qualifiziert, die Nachfrage aus den Pflegeeinrichtungen blieb jedoch aus.“ Bundesagentur-Vorstand Heinrich Alt, FAZ.net

Plötzlich aber stellt der „Arbeitgeberverband Pflege“ einen erheblichen Mangel fest. Laut tagesschau.de und China Observer soll dieser Mangel damit behoben werden, in dem ab 2014 Pflegefachkräfte aus China kommen sollen:

„In Deutschland leben rund 2,34 Millionen pflegebedürftige Menschen. Durch den Pflegenotstand fehlen 40.000 Fachkräfte und bis 2020 sollen es 110.000 Fachkräfte sein, die Deutschland dringend benötigt. Um den Bedarf zu decken, möchte der “Arbeitgeberverband Pflege” zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit nun Pflegekräfte aus China anwerben.“ China Observer, 17.10.2012

Es wird zwar ausdrücklich betotont, dass es hier nicht um Lohndumping gehen würde, aber welcher Schluss bleibt sonst zu? Zumal die Ausgaben für die Kampagne, die dafür nötig sein wird, um die Chinesen nach Deutschland zu locken, im zweistelligen Millionenbereich liegen dürfte. Denn für die asiatischen Fackkräfte, so heißt es bei China Observer, sind die ebenfalls abwerbenden Länder Australien und Neuseeland sehr viel attraktiver.

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4 Antworten zu Trotz arbeitsloser Fachkräfte in Deutschland: Pflegepersonal soll in China angeworben werden

  1. dieandereperspektive schreibt:

    Der Krieg gegen den „Wohlstand“ der Mittelschicht wird eingeleitet. Das soziale Niveau im Ausland und deren Lebenshaltungskosten sind selten mit denen hier in Deutschland vergleichbar. Also bedeutet jede Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte bei gleichzeitger Missachtung eigener arbeitsloser(die ja die Sozialkassen „belasten“ (Neusprech also), – wie das denn? Sie haben doch in die Arbeitslosenversicherung einbezahlt und bekommen jetzt deren Leistung!!) – Fachkräfte nicht anderes als Lohndumping und ist zudem noch teurer, als die eigenen verfügbaren Fachkräfte zu aktivieren, Jeder in Arbeit gebrachter Arbeitsloser wird vom Bezieher zum Zahler, es handelt sich also um Sabotage am Sozialsystem! Welchen Zahlen kann man inzwischen noch vertrauen? Diese Rechnung funktioniert nur deshalb, weil Langzeitarbeitslose nicht an die Steuerbelastung der Unternehmen gekoppelt sind und die dadurch entlastet sind, also von der Verantwortung Arbeit anzubieten, befreit sind.
    Was hier noch erwähnt werden könnte ist, dass vorallem arbeitsfähige behinderte Fachkräfte erst gar nicht in diese Berechnungen berücksichtigt werden und deshalb jede „Konjunktur “ am Arbeitsmarkt an ihnen vorbei geht. So sozial ist unser „Soziaslstaat“!! Wieviel so ein behinderter Beschäftigter die Sozialkassen „entlastet“ (sie von der Versicherungsleistung befreit, also ein Vertragsverhältnis! keine Steuerbelastung also!) kann man sich unschwer ausmalen. Doch nach wie vor scheut jeder Arbeitgeber diese Leute wie der Teufel das Weihwasser und macht es nur der „Quote“ wegen. Behinderung heisst nämlich nicht nur gestig minderbemittelte sondern auch leistungsfähige Menschen mit körperlichen oder seelischen Behinderungen.

  2. rundertischdgf schreibt:

    Das Gerede über den Fachkräftemangel ist für unseren Gesprächskreis schlicht weg eine faustdicke Lüge. Wir haben es uns nicht einfach gemacht und auch recherchiert.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/10/09/fachkraftemangel-die-standig-sich-wiederholende-luge-wird-unertraglich/

  3. Pingback: Der Staat bestraft immer die Fleißigen | Pflegeinitiative Deutschland e.V.Pflegeinitiative Deutschland e.V.

  4. Confianza schreibt:

    Ich finde in diesem ganzen Berufsfeld ist sowas von der Wurm drin. Erst heißt es man würde keine Stellen mehr finden, dann mangelt es an Fachkräften, dann ist die Ausbildung schwierig, die Gehälter mies und die Arbeitsbedingungen schlecht.
    Da muss wieder mehr Ordnung und Struktur rein. Und mehr „Werbung“ bei den Jugendlichen! Man kann sie in dem alter schnell für einen Beruf begeistern!
    Hoffentlich entwickelt sich alles bald wieder zum Guten!

    LG,
    Moni von Pflege Fachkraft

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