Finanzhaie im Klassenzimmer: Banken sollen Schule machen

In Großbritannien sollen Grundschüler Unterricht über das Finanzwesen bekommen. Im Prinzip eine gute Idee. Wenn jedoch der Unterrichtsstoff nicht von Lehrern, sondern von Abgesandten der Großbanken vermittelt wird, muss bezweifelt werden, dass die Schüler objektiv über das Geldsystem unterrichtet werden. Auch Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner fordert bereits, dass in den Schulen praktische Finanzfragen eine größere Rolle spielen müssen.

Die Staaten der westlichen Hemisphäre sind hoffnungslos verschuldet – größtenteils bei den Banken. Diese profitieren von den Zinseszinsen, deren Abzahlung beispielsweise in Deutschland den zweitgrößten Anteil unseres Haushaltes ausmacht.

Wer rechnen und logisch denken kann, weiß, dass unser Finanzsystem nur eine Richtung kennt: Konzentration auf eine minimale Gruppe mit einem überdimensionierten Haufen Kapital – der große Rest geht leer aus. Ist es diese Logik, die den Kindern beigebracht werden soll, wenn nicht Lehrer, sondern Vertreter der Großbanken in den Klassenzimmern das Finanzwesen erklären sollen? Wohl besser nicht.

Andererseits ist es nur konsequent, dass ausgerechnet die gewieften Strategen des Turbokapitalismus Einzug in das Schulwesen halten. Denn wenn Regierungen sich  immer offener als Sklaven der Märkte hergeben, dann kann auch schon den jüngsten Marktteilnehmern verdeutlicht werden, wer Herr im Hause ist.

Es darf davon ausgegangen werden, dass diese Strategie nicht nur das Vereinigte Königreich betrifft. Der Einfluss der Privatwirtschaft auf das Schulwesen hat auch in den USA längst begonnen, schreiben die Deutschen Wirtschafts-Nachrichten:

„In den USA dringt die Privatwirtschaft ebenfalls immer stärker in den Bildungsbereich, allerdings schon jetzt mit negativen Folgen für etliche Lehrer. Vergangenen Freitag veröffentlichte das Arbeitsministerium ihren neuen Bericht. Interessant hierbei: Von den 13.000 in den vergangenen Monaten entlassenen staatlichen Angestellten der Kommunen waren mehr als 11.000 Lehrer bzw. kamen aus Bildungseinrichtungen. Ein Großteil der Entlassungen erfolgte sogar mitten im Schuljahr, so Reuters.“

Nun scheint Bundesverbraucherschutzministerin Aigner auch in Deutschland  ins gleiche Horn zu blasen. „Ilse Aigner (CSU) fordert angesichts der hohen privaten Verschuldung vieler Bürger, Jugendliche stärker über Schulden aufzuklären“, sagt sie dem „Focus“. An den Schulen müssten praktische Finanzfragen eine größere Rolle spielen. Dann hält die Krise wohl bald Einzug in deutsche Klassenkimmer…

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Eine Antwort zu Finanzhaie im Klassenzimmer: Banken sollen Schule machen

  1. MartinGreenDolphin schreibt:

    Kapitalistische Gehirnwäsche bereits im Grundschulalter? Keine gute Idee!

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