12 Jahre tödliches Schweigen: Jetzt darf über Uranmunition wieder berichtet werden

mqdefaultNach 2001 ist über panzerbrechende Uran-Munition kaum etwas geschrieben oder berichtet worden. Eine Ausnahme war Grimme-Preisträger Frieder Wagner, der in Folge keine Aufträge mehr bekam. 12 Jahre nach 9/11 rückt das Thema wieder in die Öffentlichkeit. DIE LINKE forderte am 30.01. ein Verbot dieser Munition. Und am Sonntag brachte die ARD-Sendung „weltspiegel“ eine Reportage über die Folgen von Uranmunitions-Geschosse im Irak-Krieg.

Als ob ein Maulkorb über die gesamte Presse verhängt wurde. Wer versucht, über die Verwendung von Uranmunition Informationen zu finden, der wird bei den Mainstream-Medien kaum fündig. Immerhin: Ein sehr informativer Spiegel-Artikel vom 13.01.2001 ließ sich dennoch auftreiben. Darin heißt es:

„Zu ihrer eigenen Überraschung stellten sie fest, dass nach dem Aufprall des 3,4 Kilogramm schweren DU-Pfeils einer 105-Millimeter-Granate mehr als 70 Prozent des Schwermetalls als Uranoxide in der Luft schweben. Die Salve aus der Gatling-Gun eines Kampfflugzeugs vom Typ A-10 „Warzenschwein“, mit dem die Amerikaner im Kosovo und am Golf Jagd auf Feindpanzer machten, bringt bis zu 100 Granaten ins Ziel. Vier Fünftel davon sind mit je 300 Gramm DU bestückt. Von den über 20 Kilogramm DU, die so abgefeuert werden, schweben wenig später 14 Kilogramm als giftiger Staub in der Luft.“

Und dieser Staub, die Rückstände führen bei Kontakt noch Jahrzehnte später zu Leukemie, Todgeburten und schwersten Missbildungen. Aber diese Geschosse sind sehr effektiv, da sie nicht nur Panzer durchbrechen, sondern zudem nach dem Durchschlag so heiß werden, dass sich im Fahrzeug befindende Soldaten sofort verbrennen. Es darf vermutet werden, dass nach 9/11 und den bevorstehenden Kriegen der USA gegen Afghanistan und Irak das Thema Uranmunition in der öffentlichen Debatte keine Rolle spielen sollte, da die USA, aber auch Großbritannien und Frankreich keinesfalls auf diese Munition verzichten wollten. Eine gemeinsame Vereinbarung zur Ächtung von Uranmunition fand entsprechend keine Zustimmung.

Nachdem der Journalist und mehrfache Grimmepreisträger Frieder Wagner im Jahr 2003 für den WDR die Reportage „Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra“ drehte, stellte er nach weiteren Recherchen 2007 den Doku-Film „Deadly Dust – Todesstaub“/YouTube-Link fertig. Nur wollte sich kein Verleiher und auch keine Sendeanstalt an diesem Thema die Finger verbrennen. Wenn es das Internet bzw. YouTube nicht geben würde, wäre diese hervoragend recherchierte Arbeit in der Versenkung verschwunden. In der klassischen medialen Öfentlichkeit jedoch fand dieses Thema einfach nicht statt.

Als während der Invasion in Lybien im April 2011 ein US-Kampfflugzeug auf dem Weg nach Lybien in Deutschland abstürzte, spekulierten Journalisten unter vorgehaltener Hand darüber, ob sich vielleicht Uranmuntion an Bord befunden habe, da es sich bei der Maschine um den im Spiegel-Artikel genannten Typ „Warzenschwein“ handelte. Das Thema war bekannt, die Befürchtungen berechtigt. Offen darüber schreiben traute sich aber niemand. Man kann davon ausgehen, dass Uranmunition in bisher allen kriegerischen Auseinandersetzungen zum Einsatz kam, zumindest wenn die USA oder Großbritannien beteiligt waren.

Laut Wikipedia wurde Uranmunition bisher in folgenden Gebieten eingesetzt:

“ … mehrere tausend Tonnen Uranmunition überwiegend in indisch-pakistanischen Grenzkonflikten, in Tschetschenien, während der sowjetischen Intervention in Afghanistan, im Bosnien-Krieg, im Kosovo-Krieg, im Zweiten Golfkrieg und im Irakkrieg eingesetzt. Alleine während eines dreiwöchigen Einsatzes im Irakkrieg 2003 wurden von der Koalition der Willigen zwischen 1000 und 2000 Tonnen Uranmunition eingesetzt.“

Nun aber bewegt sich wieder was: Die ARD brachte am vergangenen Sonntag in ihrer Sendung „weltspiegel“ die Reportage „Irak: Uranmunition – das strahlende Vermächtnis/Mediathek-Link„. Thematisch ist dieser Bericht zwar nur eine Kurzversion von der bereits zehn Jahre zuvor gezeigten Reportage von Frieder Wagner („Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra“/YouTube-Link). Aber immerhin: Es darf wohl wieder berichtet werden.

Auch die Partei DIE LINKE sorgte mit ihrem Antrag auf Verbot von Uranmunition am 30.01.2013 dafür, dass die Website bundestag.de eine entsprechende Meldung übers Internet verbreiten musste. Interessant ist hierbei folgendes:

„Die Fraktion Die Linke setzt sich für eine weltweite Ächtung von Uranmunition ein. In ihrem entsprechenden Antrag (17/11898) fordert sie die Bundesregierung auf, die Herstellung, den Einsatz, den Verkauf und die Lieferung von Munition, die abgereichertes Uran enthält, zu untersagen.“

Sind auch deutsche Unternehmen wieder ganz vorn mit dabei? Es bleibt zu hoffen, dass das Thema „Uranmuntion“ hier nicht nur kurz aufflackerte, sondern dass in den Medien eine offene und mutige Debatte endlich stattfinden wird. Fest steht jedoch: Für unzählige Kinder käme diese schon längst zu spät.

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10 Antworten zu 12 Jahre tödliches Schweigen: Jetzt darf über Uranmunition wieder berichtet werden

  1. Pingback: Anonymous

  2. Nebularis schreibt:

    Die Presstituten shweigen weiterhin. Mögen sie sich damit ihr eigenes Grab schaufeln, denn eine Presse, die nur noch als Presstituten-Haus für imperiale Propaganda fungiert hat seine Existenzberechtigung verloren.

    Den Uranabfall wird das Imperium mithilfe der USA auch auch in Afrika, Syrien und demnächst im Iran und Pakistan verstreuen.

    Die USA sind das erste Opfer des Imperiums seit 1913.

    Endlagerung von radiaktivem Abfall auf imperiale Art!

    Das ist wirklich ein kolossales Verbrechen.

  3. Nabularis schreibt:

    Dümmlicher Artikel, dümmliche Antworten bisher. Warum nennt sich sowas immer „denkland“ oder „nachdenkseiten“ wenn doch gerade in diesem Bereich scheinbar fundamentale Defizite zu Tage treten?

  4. Pingback: Seltener Moment in TV-Sendung “Beckmann”: Klare Worte ohne Blatt vor dem Mund | Denkland

  5. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Weltpolitik rebloggt und kommentierte:
    Uranmunition

  6. Auceza schreibt:

    Gute Zusammenstellung von links und vielen Dank für diesen Beitrag.

  7. Peter Zwanck schreibt:

    Uranmunition muss geaechtet werden-jegliche Herstellung international verboten werden.
    WT 9/11 muss aufgeklaert werden.Bush und Konsorten zur Rechenschaft gezogen werden.
    Ein Friedenvertrag muss her-wir sind keine Vasallen der amerikanischen todbringenden Regierung!!
    Die Geschaeftsfuehrerin unserer Firma sowie unsere naive Verteidigungstante sollten freiwillig zuruecktreten um kluegeren Haeuptern Platz zu machen.Es mach keinen Spass von Ignoranten regiert zu werden.

  8. Andreas schreibt:

    17.03.2015, 21.00 Uhr

    Was wäre es mit einem Bericht über deutsche Garnisionsstädte, wo die A 10 im Einsatz ist und war.
    Aufgrund des großen Gewichtsunterschieds muss auch mit Uranmunition geübt werden.

    Gerade fliegen wieder A 10 Angriffe in Baumholder.
    Es gibt in Baumholder auch Panzerziele………………..

  9. Pingback: Doku: Deadly Dust – Todesstaub_ Uran-Munition und die Folgen 2007 | Inside-Berlin.de

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