Der kranke Zinssoldat im Dschungelcamp

Die Kritik an Bankenrettungen gehört inzwischen zum guten Ton. Trotzdem marschiert der deutsche Steuerzahler brav der Zinslast unserer Staatsschulden hinterher, oft ohne zu wissen, dass die Zinslast schneller steigt als das Wirtschaftswachstum. Konsum und Unterhaltung verdrängen die nötigen Fragen. Diese Überforderung von Körper mit Geist macht immer mehr Deutsche krank.

Der Bund ist mit über 2 Billionen Euro bei den Finanzinstituten verschuldet. Allein für 2013 beträgt die dazugehörige Zinslast fast 33 Milliarden Euro. Das sind über zehn Prozent der Gesamtausgaben des Bundeshaushaltes, finanziert über die Steuereinnahmen. Die Schulden selbst werden nicht abgebaut, sondern 2013 noch einmal deutlich erhöht, vor allem um angeblich systemrelevante Banken zu „retten“. Genau die Banken, bei denen Deutschland in der Kreide steht. Die Finanzhäuser verdienen sich so zweifach dumm und dusselig. Pikant dabei ist, dass die Banken kein Geld verleihen, das sie irgendwo im Tresor haben, sondern es quasi aus dem Nichts erschaffen.

Der ehrliche Arbeitnehmer bekommt von diesen Hintergründen kaum etwas mit und bezahlt brav die Hälfte von seinem Verdienten an das Finanzamt und ein Teil davon an die Banken. Von der anderen Hälfte des Gehalts werden dazu Mehrwertsteuer, Benzinsteuer, Energiesteuer, Tabaksteuer, Alkoholsteuer usw. bezahlt. Dazu kommen auch noch private Schulden hinzu, deren Zinsen und Tilgung ebenfalls finanziert werden müssen. Und so arbeitet man sich als Zinssoldat von Quartal zu Quartal durchs Leben. Immer mit dem Gefühl, nie fertig zu werden, nie ein Ziel erreicht zu haben, weil von Quartal zu Quartal mit den Zinsen auch die Anforderungen wachsen. Womit wir beim vielbeschworenen Wachstum sind. Ein Wachstum, den kaum einer spürt. Es sei denn, man gehört zu den Zinsverdienern. Denn der Zins wächst exponentiell und damit auch die Einnahmen, welche widerum den Druck auf die Zinssoldaten erhöhen, den Steuerzahlern! Dieser muss abgebaut werden. Jeden Abend! Eine Ekelshow wie „Das Dschungelcamp“ erzielt nicht ohne Grund Rekordquoten. Die diesjährige Nominierung für den Grimme-Preis lässt zumindest den Verdacht aufkommen, dass diese Nominierung keine Verbeugung vor dem Anspruch auf Qualität ist. Aber es scheint wichtig zu sein, dass in diesem Dschungel aus Nachrichten, Vermutungen, falschen Doktortiteln, Gas-, Strom- und Mieterhöhungen, Bankenskandalen und Großbauprojekten, in dem das alles einem IRGENDWIE komisch vorkommt, dass man da sein sicheres Domizil, sein Dschungelcamp braucht. Kurz ausruhen und andere leiden sehen oder sich darin bestätigt zu fühlen wie sich Gerechtigkeit zeigt, in dem der Gauner immer gefasst wird. Zurück bleibt die Überforderung und der Wecker, der am nächsten Morgen klingelt.

Dass zielloses Arbeiten, iPad und Dschungelcamp nicht wirklich der Kern des Lebens sind, das fängt trotz der gutgeölten Ablenkungsmaschinerie jede Seele irgendwann an zu spüren. „Stopp! In the name of love!“, sagt der Soul! Und dann geht’s einfach nicht mehr. Hier mal ein paar Fakten, wie es mit unserer gesunden Wirtschaft, also den Menschen, die hinter diesem Wort stehen, bestellt ist:

„Jeder Vierte stirbt an Krebs.“ DIE ZEIT, 04.02.2013

„Zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung, leiden an Diabetes – die meisten an Diabetes Typ 2.“ diabetes.de

„Jeder zehnte Arbeitnehmer in Europa, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage, ist schon einmal wegen einer Depression zu Hause geblieben. Schätzungen zufolge betragen die Kosten dafür fast 100 Milliarden Euro.“ Spiegel-Online, 01.10.2012

„Deutsche Krankenkassen schlagen Alarm: Immer mehr Berufstätige werden psychisch krank. Krankheitstage aufgrund von Burnout-Syndromen seien innerhalb von acht Jahren um das 18-fache gestiegen, berichtet die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf Zahlen des BKK-Bundesverbands.“ Stern.de, 26.01.2013

„Es ist ein besorgniserregender Trend: Immer mehr deutsche Arbeitnehmer geben ihren Beruf auf, weil sie unter psychischen Krankheiten leiden. 2011 erreichte die Zahl einen Rekordwert: 41 Prozent der Arbeitnehmer, die eine Erwerbsminderungsrente beantragten, wollten sich wegen Depressionen, Angststörungen oder anderer seelischer Leiden vor dem 65. Lebensjahr in den Ruhestand verabschieden.“ Spiegel-Online, 30.12.2012

Und wenn es gut läuft, kommt der brave Zinssoldat noch gut davon, jedenfalls bis zum ersten Rentenbescheid, der dann eher ein Armutsbescheid sein dürfte. Aber vielleicht sind wir ja keine Zinssoldaten, sondern eher Zinsakrobaten. Denn irgendwie bekommen wir es ja hin, uns so lange zu verbiegen bis uns Beifall gespendet wird. Und jetzt raten Sie mal, wer da am lautesten klatscht … Und übrigens: Wenn jeder vierte Deutsche wegen Krebst stirbt, dann nicht weil er zuviel geraucht oder getrunken hatte. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen sind im größten Teil die Verdauungsorgane für den tödlichen Ausgang ermittelt. Nicht nur Liebe geht durch den Magen!

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5 Antworten zu Der kranke Zinssoldat im Dschungelcamp

  1. L'Emmerdeur schreibt:

    Was in diesem Bericht steht ist alles richtig und ruft ein Gefühl der Machtlosigkeit hervor. Es gibt die Wissensmanufaktur.net, die genau diese Zusammenhänge schon seit längerer Zeit erklärt und dazu aufruft in kleinen Schritten, aber mit großer Wirkung, für Änderung einzutreten. Zum Grimme- Preis, es ist doch einmal wert festzustellen, wer denn wirklich hinter den Nominierungen solcher Preise steht. Hier wird sich doch auf Deubel komm raus selbst gefeiert! Diese ganzen Preise und Awards sind vollkommen unwichtig und uninteressant. Wenn die Zeitungen und natürlich die Sender selbst uns diese nicht immer als Sensationsmeldungen verkaufen wollten, würde sich kein Mensch dafür interessieren und es würde von niemandem wahr genommen. Der Arbeitnehmer der die Schulden zahlt, Steuern sind ja Schulden, sich auf seine Macht besinnen würde, könnte er ohne Gewalt Änderungen schaffen. Bei einigen Banken würde es reichen, wenn nur 5% der Sparer ihr Geld abheben. Dann würde es sich auch zeigen wie menschenfeindlich die EU wirklich ist! Aber wie heißt es doch immer wieder, die deutsche Jugend verdummt! Deshalb können die Sender auch mit Sendungen wie dem Dschungelcamp oder Frauentausch soviel Geld verdienen. Ich denke nur an den Einsatz von Herrn Berger, und die Höhe seiner Vergütung nach.
    Soviel ich weiß nannten die alten Griechen das ganz normale Volk „Idioti“, das hatte schon seine Berechtigung.

  2. MartinGreenDolphin schreibt:

    Guter Beitrag! Deprimierend, aber wahr.

  3. EuroTanic schreibt:

    Jeder mensch kann zu jeder Zeit NEIN sage. Das ist zwar nicht leicht, aber niemand hat gesagt, dass Wahrheit und Freiheit bequem sind.

  4. Stefan Wehmeier schreibt:

    Was ist Geld?

    Die Frage ist nicht, ob es eine „Geldschöpfung der Geschäftsbanken“ gibt (es gibt keine), sondern warum „staatlich geprüfte Experten“ diesen Unsinn postulieren und warum es Dummköpfe gibt, die den „Experten“ glauben:

    Anfang und Ende von Gut und Böse

    „Als Geldmenge bezeichnet man den volkswirtschaftlichen Bestand an Geld in den Händen von Nichtbanken. Wegen der Unschärfe des Geldbegriffs gibt es verschiedene definitorische Abgrenzungen von Geldmengen. Das Eurosystem unterscheidet drei Geldmengen: M1 (Sichtguthaben + Bargeld), M2 (M1 + kurzfristige Termin- und Spareinlagen) und M3 (M2 + kurzfristige Bankschuldverschreibungen + Geldmarktfondsanteile + Repogeschäfte). Für die geldpolitische Strategie des Eurosystems spielt die Beobachtung der Geldmengenentwicklung eine wichtige Rolle.“

    http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Glossareintraege/G/geldmenge.html

    Schon der erste Satz ist falsch, weil die Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken, die zusammen mit dem Bargeld die Zentralbank-Geldmenge bilden, sich nicht „in den Händen von Nichtbanken“ befinden. Darüber hinaus hat die Deutsche Bundesbank offenbar kein Problem damit, hier offen zuzugeben, dass sie keine blasse Ahnung hat, was Geld ist:

    Geldtheorie

  5. Pingback: Wahnsinnige Zinsbelastung: Sind wir krank? | Denkland

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