Focus relativiert Amazon-Kritik, profitiert aber vom gleichen Geschäftsmodell

Gestern veröffentlichte FOCUS-Online einen Artikel, der die ARD-Reportage und deren Aufdeckung der skandalösen Arbeitsbedingungen bei AMAZON relativiert. Aber hinter dieser vermeintlichen Richtigstellung lässt sich ein Interessenskonflikt ausmachen, nämlich dann, wenn der Arbeitgeber des Journalisten selbst mehrheitlich an einem der erfolgreichsten Online-Shops beteiligt ist.

Auf den ersten Blick musste man sich als Leser des gestrigen FOCUS-Online-Artikels die Augen reiben: „Jetzt spricht das Opfer: Was die ARD in der AMAZON-Dokumentation verschwieg“. Und tatsächlich schaffte es der Journalist Peter Seiffert auf drei Artikel-Seiten ein Bild von einer wunderschönen Ferienanlage zu hinterlassen, die in der ARD-Reportage jedoch völlig falsch als Lagerstätte weggekommen sei. Dass die grundsätzlichen Vorwürfe stimmen, wurde im Text immer mal wieder hingestreut – wie Schnee auf warmen Asphalt. Zurück bleibt aber: So schlimm ist das alles gar nicht. So schlimm wäre es auch nicht, wenn sich durch dieses Engagement nicht plötzlich neue Feststellungen ergeben würden.

Peter Seiffert ist Nachrichtenleiter bei FOCUS-Online, jemand, der nur noch gelegentlich selbst in die Tasten hämmert, um etwas zu veröffentlichen – wahrscheinlich wenn es eben sein muss. Sein Arbeitgeber, die FOCUS-Gruppe, gehört zur Familie des BURDA-Verlages. BURDA hat sein Geschäftszweig inzwischen vergrößert und betätigt sich nun auch im E-Commerce. Vor kurzem erst gewann Burda die Aktienmehrheit bei Deutschlands drittgrößtem Online-Shop: Zooplus.

Zooplus ist kein Konkurrent von AMAZON, denn der Shop ist Marktführer bei Tierfutter und Zubehör. Aber beide dürften sich der gleichen Vertriebssysteme bedienen. Billig muss trotzdem gewinnbringend sein. Auf Kosten der Arbeitnehmer, besser gesagt Arbeiter. Strategisch ist es klug, dass der Burda Verlag auf neue, moderne Geschäftsfelder setzt, wo doch mit dem klassischen Verlagswesen kaum Geld mehr zu verdienen ist. So ist es auch nur folgerichtig, die neue, eigene Branche zu verteidigen oder sogar für diese zu werben – in den Blättern, die man dafür hat. Am 29.01.2013 erschien bei FOCUS-Online folgender Artikel: „Boombranche Internet: Wächst hier das nächste Amazon heran?“. Und wer war mit HIER gemeint? Klar: Zooplus. Und nun ein Angriff auf das Vertriebssystem von einem der Marktführer im E-Commerce … da musste man wohl mal was entgegensetzen. Man sitzt schließlich im gleichen Boot. Und wer weiß, vielleicht auch bald vor den gleichen Aktionären.

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5 Antworten zu Focus relativiert Amazon-Kritik, profitiert aber vom gleichen Geschäftsmodell

  1. oliver2punkt0 schreibt:

    Es ist unglaublich und immer wieder überraschend wie Medien agieren. Naja, im Falle Amazon ist es relativ leicht. Ich unterstütze kleine Geschäfte im Ort oder fahre auch mal weiter um eben richtig einzukaufen. PC und Bequemlichkeit einfach mal ausschalten. KAnn jeder selbst direkt machen.

  2. Luca schreibt:

    Wenn meine Rente um 500,00 Euro erhöht wird, werde ich auch gerne nur in der Region einkaufen. Aber was bleibt denn den Menschen übrig, bei denen das Geld hinten und vorne nicht reicht?

  3. gast schreibt:

    so ist es Luca ! Deshalb
    http://www.volksinitiative-esm-austritt.de dokumentiert.
    Alle deutschen Staatsbürger, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und wahlberechtigt sind, haben das Recht, diese Volksinitiative zu unterschreiben. Sie ist gültig, wenn sie von 400 000 wahlberechtigten Bürgern unterschrieben wird.

  4. Rundregelsatz schreibt:

    was will man schon von focus erwarten. ist doch eh nur eine getarnte bild-zeitung.

  5. Schnuffel schreibt:

    Super Artikel. Mir ist diese „Der eigentliche Skandal ist gar nicht Amazon sondern die ARD“ Nummer auch ein Graus. Da sieht man so richtig die PR-Berater unter Termindruck die Feder schwingen… noch schlimmer war glaube ich nur diese „Kony 2012“ und „Why I stopped worrying about fukushima“ blog-Seuche in den letzten Jahren

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