Das Finanzsystem untergräbt unser wertvollstes Gut: die Demokratie

In einem System, in dem die Anhäufung von Geld durch den Zinseszins zwangsläufig die Schuldenlast anderer Gesellschaftsteilnehmer steigen lässt, kann in der Konsequenz keine gleichberechtigte, demokratische Politik funktionieren. Nicht die gemeinsamen Ideen bestimmen den Erfolg eines Handelns, sondern die Möglichkeiten der Umsetzung. Und diese Möglichkeiten werden von der Geldmenge bestimmt. Ausreichende Geldmengen wiederum verteilen sich auf immer weniger Schultern.

Dass Geld ledglich dazu dient, auf bequeme Weise Waren und Dienstleistungen auszutauschen, kann nur als romantischer Irrtum bezeichnet werden. In der Zeit, in der es noch keine Münzen und Papierscheine gab, sollen – so nehmen die meisten Ökonomen an – die Menschen ihre Waren miteinander getauscht haben. Es gab also beispielsweise einen Laib Brot gegen eine gezimmerte Tür. Angenommen es ist so gewesen, dann wären weder der Brotbäcker, noch der Zimmerer auf die Idee gekommen, einen großen Vorrat von diesen Gütern anzuhäufen. Die Güter waren nur in dem Moment von Bedeutung, in dem sie einen Abnehmer fanden und sich ein Gegenwert finden ließ. Hätte tatsächlich der Zimmerer in einem Anfall von Arbeitswut 50 Türen gefertigt, dann wären diese eine Wette oder eine Spekulation darauf gewesen, dass in seinem Umkreis entweder das große Türensterben einsetzt oder 50 neue Siedler die Dorfgemeinschaft bereichern. Das klingt natürlich absurd. Aber genau davon unterscheidet sich unser Geld.

Geld ist eben nicht nur ein Mittel um Brot, Türen oder Autos zu kaufen, also ein Wert X, der gegen Wert Y getauscht werden kann. Geld besitzt in unserem Finanzsystem neben den Wert X noch einen weiteren Wert: seine Vermehrung, seine Verzinsung, wenn es nicht ausgegeben, sondern angehäuft wird. Das geschieht durch den Zins und die Zinsen auf die Zinsen. Die Geldmenge wächst, ohne dass auch nur ein einziger sachlicher Wert dem gegenüber steht. Der Geldsammler wird in seiner Zurückhaltung dafür belohnt, seine Tauschmöglichkeit nicht der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Diese Belohnung erfolgt sogar doppelt. Denn das Geld, das sich auf der einen Seite anhäuft, muss auf der anderen Seite trotzdem erwirtschaftet werden. Kurz übersetzt: Das Geld, das sich z.B. unser Land von Geldsammlern, Sparern oder Finanzinstituten geliehen hat, also Wert X, vermehrt sich auf der Seite der Geber dadurch, dass wir – also der Staat – nicht nur die geliehene Menge rückerstatten, sondern zudem auch die Zinsen und den Zinseszins. Diese werden gezahlt durch Einnahme von Steuern, also von den Bürgern. Da sich die Zinslast aus sich selbst heraus exponentiell erhöht, kann der Staat dieser Zinslast nur nachkommen, in dem seine Bürger entsprechend immer mehr erwirtschaften. Dadurch erhöhte Steuereinnahmen müssen also die Zinslast decken können. Reichen diese nicht aus – und das ist die durch den exponentiellen Zinseszins die erzwungene Regel – müssen die Mittel zur Zinszahlung aus anderen „Steuertöpfen“ erfolgen. Das führt zur Folge, dass der Staat Einschränkungen bei Staatsleistungen vornehmen muss, die eigentlich zum Wohle des Staates, also des Volkes, des Souveräns erbracht werden sollten: Bildung, Kultur, Infrastruktur usw.

Die Zins- und Zinseszinsleistungen MÜSSEN also zu Lasten der Bevölkerung aufgebracht werden. Der Bürger kann zwar durch seine Wahl entscheiden, ob die Idee, mehr Mittel für Bildung aufzuwenden, richtig ist. Er kann aber nur hinnehmen, wenn für die Umsetzung die aufzubringende Geldmenge nicht erbracht werden kann. Und wenn, dann nur zu Lasten anderer ebenso wichtigen Bürgerinteressen. Es findet eine Erosion der Geldmittel statt. Und damit ist dem Volk, weitestgehend auch den gewählten Politikern, die Handlungsfreiheit genommen. Das Souverän, unsere Demokratie befindet sich in der Geiselhaft des Zinseszins.

Dieser Effekt ist aber nicht gleichbleibend. Die Geld- und Schuldsummen haben keine andere Möglichkeit als den Weg nach oben. Des einen Gewinn ist des anderen Verlust, sagt man. Nun ist es aber so, dass Zins- und Zinseszinsgewinn dazu führt, dass dieser Mehrwert auf Kosten von immer mehr Bürgern (=Zahlern) geht. Der Gewinn, das Geld muss irgendwo herkommen. Stellen wir uns die Mengen als Berge vor – so absorbieren die höchsten bzw. stabilsten Berge die Massen der anderen nicht so starken Berge und werden dadurch größer und größer, hinterlassen eine Landschaft mit einem immer größer werdenden Schuldental.

Wer also unsere Souveränität und unsere Demokratie retten möchte, indem der Finanzsektor reguliert wird und die Bankenrettungen nicht mehr auf Kosten der Steuerzahler geschehen soll, wird sein Ziel nicht erreichen können. Im Gegenteil. Geht eine Bank pleite und werden deren Kundenstamm, Infrastruktur und Sachgüter durch eine größere Bank übernommen, dann sind wir wieder beim Berg, der immer größer wird. Wir können unsere Souveränität und unsere Demokratie nur dann retten, wenn wir – ähnlich wie die Isländer es vorgemacht haben – Schulden durch Zinseszins als Betrug, zumindest als Wucher verstehen und damit diesem Geldsystem den Rücken kehren. Dies gilt es zu entscheiden. Jeder einzelne Bürger sollte sich über diese Sachlage bewusst sein und entsprechend seine Stimme nutzen. Sein wir dafür dankbar, dass wir das noch können. Nur müssen wir unsere Stimme auch nutzen.

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9 Antworten zu Das Finanzsystem untergräbt unser wertvollstes Gut: die Demokratie

  1. taranis schreibt:

    Unser Problem nochmal sehr schön auf den Punkt gebracht. Nur endet der Artikel leider da, wo es für viele interessant wird. Bei den Alternativen. Wo sollen wir hin mit unseren Stimmen? Gibt es ernsthaft organisierte Alternativen? Oder besteht durchaus noch der Bedarf eines Zusammenschlusses von Menschen, die die Fähigkeit und den Willen haben sich dem Kampf zu stellen? Mit einem guten Konzept und einer großangelegten Kampagne sehe ich Möglichkeiten, die Massen zu bewegen. Aber dazu besteht Bedarf an fähigen Kopfen, die sich an die Front stellen. Die Rückendeckung wird sich organisieren lassen. Ich bin dabei!

    • Björn Kügler schreibt:

      Aufwachen ist gut, aber besser im richtigen Bett. Wer die Auffassung vertritt, dass wir keine Verfassung haben, aber eine bräuchten ist fein raus. Er muss nur am 22. September eine der etablierten Parteien wählen oder einfach abwarten und den Dingen seinen Lauf lassen. Denn das Grundgesetz zu kippen (aus welch konstruierten Gründen auch immer), ist genau das Ziel jener souveränitäts- und demokratieabbauenden Eurotechnokraten, denen dieses ein Dorn im Auge ist. Warum? Weil es gilt. Basta!

      • Jörg schreibt:

        Na dann schlafen sie mal weiter…..

      • Helmut Josef Weber schreibt:

        Hallo Björn Kügler.
        In dem Grundgesetz steht viel geschrieben, damit die Seiten voll werden.
        Nehmen wir mal das Wichtigste: Recht auf Leben

        Die politisch verantwortlichen haben sich dazu entschlossen den Euro durchzusetzen „kostet es was es wolle“.
        Und das werden sie auch durchziehen.
        Proteste sind da vollkommen sinnlos.
        In den Lissabon-Verträgen von 2009 haben die Eliten schon dafür vorgesorgt, wenn die Demonstrationen nicht mehr durch die Polizei beherrschbar werden.
        Dann ist erlaubt gegen die Bevölkerung wie Gaddafi vorzugehen.
        „Anführer“ dürfen dann per Kopfschuss ausgeschaltet werden.
        Wer ein „Anführer“ war/ist wird dann später anhand der Anzahl der Kopfschüsse festgestellt werden.
        Der Polizist oder Soldat, der sich weigert, erwartet auch die Todesstrafe.
        Das Recht auf Leben ist in der EU 2009 abgeschafft worden.
        Schon damals wussten unsere Führer, was auf uns zukommen wird.
        Ja- ich weiß, 90% halten das jetzt für einen Witz.
        Man ihr 90%, wenn ihr nicht den Tag/Freizeit vor der Glotze verbringen würdet, dann hättet ihr mal Zeit Euch zu informieren.
        Übrigens ist die Armee, die Europaweit eingreifen kann, in Norditalien stationiert, denn die Eliten sind sich schon bewusst, dass Soldaten des eigenen Landes schlecht dazu zu bewegen sind, auf Landsleute zu schießen.
        Da greifen ausländische Soldaten besser durch.
        Das ist aber alles nur der Anfang.
        Adolf ist noch legal und demokratisch an die Macht gekommen, unsere Eliten in Brüssel regieren uns ohne jegliche Legimitation.
        Und es gibt Niemanden der diese Verbrecher noch stoppen kann.
        Soll ich zu dem anderen Blödsinn, der im Grundgesetz steht auch noch was schreiben?
        Viele Grüße
        H. J. Weber

  2. Helmut Josef Weber schreibt:

    Na- so einfach geht es aber auch nicht, denn nicht das Finanzsystem selber ist Schuld an dem Debakel, sondern die Politiker die diese Art von Finanzsystem zugelassen haben.
    Einen Bankräuber kann der Staat auch nicht sagen: Wir haben Bankraub straffrei gestellt und wenn dabei etwas schief gehen sollte, dann retten wir dich; aber wir erwarten von dir, dass du mit der Schusswaffe vorsichtig umgehst, Geisel bitte sofort nach Gelderhalt freilassen.
    Solltest du aber dennoch jemanden schädigen/verletzen, dann zahlt der Staat für den Geschädigten; das gestohlene Geld ersetzen wir natürlich auch.
    Und wenn es da doch noch irgendwelche Gesetze gibt, die gegen eine Rettung sprechen, dann brechen wir sie zu deinen Gunsten.
    Und nun gehe vorsichtig mit allem um, denn kontrollieren können wir dich nicht.
    Hat es beim ersten Mal nicht gereicht, dann versuche es ruhig noch einmal.
    Vielleicht können wir aber in der Zukunft diesen ganzen Umstand vermeiden, denn wir arbeiten daran die Kunden der Banken gleich zu enteignen, damit du die Guthaben auf den Konten zu deinen Gunsten streichen lassen kannst.
    Geht ja auch schneller und ist nicht so spektakulär.
    Die Leute merken ja erst hinterher, wenn das Geld weg ist.
    Also: Viel Glück

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  3. Baer schreibt:

    Man stelle sich vor , ein Staat hat Schulden und leiht sich Geld bei einer Bank die ebenfalls Schulden hat ( Geht doch gar nicht – geht schon ) um dann mit dem durch Kredit erzeugten Geld dann eben diese Bank zu retten ( Boni usw ). Genau das machen unsere Politiker jeden Tag. Bezahlt muss das irgendwann natürlich auch werden , natürlich von den Steuerzahlern , also von den fleißigen Menschen fließt dann das Echte Geld an die Reichen , die dann damit Sachwerte kaufen.Tolles Konzept- wann werden es die Menschen endlich begreifen und aufbegehren?

  4. Der Gerhard schreibt:

    Die Sache mit den Zinsen ist eine Gerechtigkeitsfrage. Ob das zur Verfügung stellen von Geld auf Zeit eine Leistung ist, die honoriert werden soll, wie hoch ein Ausgleich für eine Risikoabdeckung sein muss, ob für Investitionskredite in der Wirtschaft und für arme Bevölkerungschichten, die sich verschulden müssen, um den nächsten Tag zu überleben, das gleiche Prinzip gelten darf, all das sind fragen für eine gesellschaftliche Diskussion. Das Grundproblem jedoch liegt in der Geldschöpfung: Bei jedem Kredit wir die Auszahlungssumme geschöpft, die Rückzahlungssumme ist aber um einiges höher und die Differenz ist nicht vorhanden. Das führt zu dem Wachstumszwang in allen Bereichen. Würde sofort die gesamte Rückzahlungssumme geschöpft und in den Kreislauf gegeben, wäre das Problem sofort beseitigt.

  5. One Law For All schreibt:

    „Die Menschenrechte sind keiner Kultur fremd und in allen Nationen verankert … Es ist die Allgemeingültigkeit, die den Menschenrechten ihre Kraft verleiht … Der Kampf für allgemeine Menschenrechte war immer und überall ein Kampf gegen alle Formen der Tyrannei und Ungerechtigkeit – gegen Sklaverei, gegen Kolonialismus, gegen Apartheid. Dies ist heute nicht anders.“ (Kofi Annan, 10. Dezember 1997)

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