Pulverfass Irak: Wo Öl und Blut in Strömen fließen

Die Meldungen sind erschreckend: 2.000 Anschlagsopfer in nur zwei Monaten. Der Irak sei „kurz davor zu explodieren“, ein Höhepunkt der Gewaltwelle wäre erreicht. Die USA haben einen Scherbenhaufen hinterlassen. Derweil sprudelt dort das Öl wie nie zuvor. Doch zum Ärger der Invasoren profitiert davon hauptsächlich China.

Im Irak herrscht das reinste Chaos. Nachdem die USA ihre Besatzungstruppen 2010 abzogen, entbrannte ein Machtkampf zwischen den Volksgruppen der Schiiten und den Sunniten.

„Die jüngste Gewaltwelle im Irak hat im Mai einen neuen Höhepunkt erreicht. Mehr als 1000 Menschen seien bei Anschlägen ums Leben gekommen, teilten die Vereinten Nationen am Samstag mit. So viele Tote innerhalb eines Monats gab es seit fünf Jahren nicht mehr. Damit steigt die Zahl der Opfer seit April auf fast 2000.“ derStandard.at, 01.06.2013

Und das Sterben in Massen geht weiter: 61 Menschen sind allein am letzten Montag getötet worden und durch eine Bombenserie wenige Tage zuvor starben mindestens 33 Iraker.

„Der scheidende Chef der UN-Mission im Irak, Martin Kobler, warnte kürzlich, der Irak sei „kurz davor zu explodieren“. Der Irak wird derzeit zudem von einer politischen Krise gelähmt“ derStandard.at, 10. Juni 2013

Das britische Empire setzte einst die Staatsgrenzen im arabischen Raum und nahm – aus strategischer Sicht wohl beabsichtigt – in Kauf, dass die am Reißbrett entstandenen Länder auf Dauer damit beschäftigt wären, die verschiedenen Volksstämme innerhalb der jeweiligen Staaten im Zaun zu halten. Dazu waren immer starke Führer notwendig, die vom Westen in ihrer Politik unterstützt wurden, so wie auch Saddam Hussein. Doch als er sich zu selbstbewusst gegen die US-Interessen stellte, beispielsweise das Öl nicht mehr in Dollar handeln wollte, wurde er zum außenpolitischen Feind und musste beseitigt werden. So schrieb sueddeutsche.de am 17.05.2010:

„Schon der frühere irakische Diktator Saddam Hussein hatte versucht, sich für die Petroleum-Ausfuhren seines Landes in dem Programm „Öl gegen Lebensmittel“ vom Dollar zu lösen. Diese Abkehr wurde nie als Kriegsgrund erwähnt, dürfte aber bei der Entscheidung Washingtons für den Angriff eine wichtige Rolle gespielt haben. Unmittelbar nach Saddams Niederlage kehrte die amerikanische Verwaltung für den Irak zum Dollarpreis für das Öl zurück.“

Mit Saddam Hussein verschwand dann eine – wenn auch fragwürdige, aber zumindest bestehende – Ordnung.

Zurück zum Öl: Während im Irak das Blut nur so strömt, sprudelt auch das das schwarze Gold wie verrückt. Im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ vom 26.09.2012 kündigte jüngst Iraks Vizepremier Rowsch Nuri Shaways an, den Ölexport von drei auf sechs Millionen Barrel pro Tag (!) zu verdoppeln. Zudem schwärmte er von den zu erwartenden Gewinnen, die in den Wiederaufbau investierten werden sollen und dass dies doch die große Chance für Deutsche Unternehmen sei. Die 1903 bis 1940 von deutschen Firmen gebaute Bagdadbahn fahre noch heute, heißt es da. Abgesehen davon, dass die von den Deutschen gebaute Bagdadbahn ein rein militär-strategisches Projekt gewesen ist, verschweigt das Handelsblatt das Chaos in diesem Land genauso wie auch den wahren Nutznießer des Ölexports. Laut eines Artikels von focus.de vom 03.06.2013 dürfte das hauptsächlich China sein.

„Und sie haben noch Großes vor. China hat einen eigenen Flughafen gebaut, um seine Arbeiter für die Ölfelder einfliegen zu können. Und in den teuren Hotels würden chinesische Firmenbosse ihre Gastgeber nicht nur dadurch beeindrucken, dass sie Arabisch sprechen, sondern sogar arabisch mit irakischem Akzent. „Die Chinesen sind die größten Profiteure das jüngsten Öl-Booms im Irak“, zitiert die Zeitung Denise Natali, Nahost-Expertin an der National Defense University in Washington.“

Wie durch ungeschicktes Handeln die USA den Chinesen dieses Feld überließen mussten, ist in einem Artikel der ZEIT vom 22.03.2010 nachzulesen.

Für die USA ist das eine schwere Niederlage. Wie könnte der Kampf um das so geliebte Öl dennoch gewonnen werden? In der bestehenden Situation ist dies schwer möglich, aber wenn die Terroristen weiter mit Gekd und Waffen versorgt werden und das Land tatsächlich ins Chaos stürzen, dann braucht es dringend Hilfe. Nur wer dann den Hilfs-Zuschlag bekommt, ist gar nicht so sicher. Denn China wird sich die Investitionen nicht so einfach wieder nehmen lassen.

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