Wahnsinnige Zinsbelastung: Sind wir krank?

In Bremen wird jeder dritte Euro aus den gesamten Steuereinnahmen für die Zinstilgung verwendet. Das geht aus einer neuen Studie des Kölner Wirtschaftsinstitut hervor. Auch andere Bundesländer werden von der hohen Zinslast zunehmend erdrückt. Diese Steuergelder gehen genau an die Finanzinstitute, die vom Staat regelmäßig „gerettet“ werden – mit unseren Steuergeldern.

Ein Drittel der Bremer Steuerzahler zahlt demnach seine Abgaben über das Finanzamt komplett an die Finanzinstitute, im Saarland tut das jeder Vierte, in Berlin jeder Fünfte und in Nordrhein-Westfalen immerhin noch 15,1 Prozent der Steuerzahler. Und eine Besserung ist nicht in Sicht.

„Insgesamt brauchten die deutschen Banken in der Finanzkrise Hilfen über 259 Milliarden Euro, wovon 191 Milliarden Euro auf Garantien und Bürgschaften entfielen.“ Faz.net, 15.09.2013

Die jetzige, tatsächliche  Pro-Kopf-Verschuldung beträgt mehr als 25.000 Euro. Insgesamt ist der Bund mit über 2 Billionen Euro bei den Finanzinstituten in der Kreide. Allein die Zahlung der Zinsen – nicht der Abtragung der eigentlichen Schuld – nehmen den zweithöchsten Posten im Bundeshaushalt ein. Und da sind die Garantien und Bürgschaften noch nicht mit eingerechnet.

Zwei ganz naive Fragen sollen hier gestellt werden:

Erstens: Warum hat das Finanzministerium bei den Rettungen der Banken nicht auf einen Cut der eigenen Schulden, zumindest der Zinsbelastung bestanden?

Zweitens: Bei wem besorgt sich das Finanzministerium das Geld, wenn bei den deutschen Finanzinstituten die vom Bund gegebenen Bürgschaften und Garantien fällig werden? Und zu welchem Zinssatz?

Die Finanzinstitute profitieren jedoch nicht nur von der hohen Staatsverschuldung. Auch die enorme Privatverschuldung der Bürger ist ein Milliardengeschäft:

„Ende März beliefen sich die offenen Forderungen aus Ratenkrediten und damit die Summe all dessen, was Verbraucher noch bis zur Schuldenfreiheit abstottern müssen, auf 146,5 Milliarden Euro. Gegenüber 2012 ist das ein Anstieg von 1,1 Prozent.“ wiwo.de. 11.06.2013

Laut diesem Artikel von wiwo.de ist nahezu jeder zehnte Deutsche bereits überschuldet und wird den gestellten Forderungen nicht nachkommen können. Diese Fälle nahmen im Verhältnis zu 2011 um 31 Prozent zu.

Wenn man jetzt noch versteht, dass die Banken, die Geld verleihen, dieses Geld selbst nicht besitzen, sondern durch den Kredit erst schöpfen (bundesbank.de), dann sind die Zinszahlungen eine sehr hohe Gebühr für eine nicht erbrachte Leistung.

Der Bürger bezahlt also bis zu einem Drittel seiner Steuern an Banken.                                    Außerdem rettet der Bürger diese Banken mit weiteren Steuergeldern. Dazu verdienen die Banken noch an den Milliarden-Krediten, die die Bürger privat aufnehmen, ohne selbst Geld dafür bereitstellen zu müssen. Sind wir krank?

Ähnlicher Artikel:

Der kranke Zinssoldat im Dschungelcamp (11.02.2013)

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8 Antworten zu Wahnsinnige Zinsbelastung: Sind wir krank?

  1. Willy Ader schreibt:

    wer vor 200 Jahren mit Millionen rechnete, der wurde bewundert, wer vor 200 Jahren mit Milliarden rechnete, der wurde schräg angeschaut, wer vor 200 Jahren mit Billionen rechnete, der wurde in eine Irrenanstalt gesperrt. Ja unsere Politiker sind Krank. Es ist nicht die Schuld der Banken, dass Deutschland mit 82 % des Bruttoinlandprodukts verschuldet ist. Wer Schulden macht ist selber schuld. Jedes Volk erhält die Vertreter und die Regierung, die es verdient. Je mehr ein Volk veblödet (wird), desto dümmer werden auch die Vertreter des Volkes.

  2. EuroTanic schreibt:

    „Ja unsere Politiker sind Krank.“ Wer ist denn kränker, der Narr, oder derjenige der dem Narr hinterherläuft? Noch sind es die Wähler, die die kranken Politiker wählen. Selber schuld sage ich.

  3. Klaus Walter schreibt:

    In der Tat sind unsere Polit-Clowns krank. Wie krank zeigt sich erst wieder am vergangenen Wochenende. Unter dem Deckmantel eines verkehrsfreien Sonntags wurde ein ganzes Viertel zur autofreien Zone erklärt. Und zur Profilierung einiger Polit-Clowns, ein Straßenfest mit Riesenrad und Volksbelustigung veranstaltet. Die Sperrung und Umbauten für dieses Spektakel belaufen sich auf ca. 200000 €. Gleichzeitig werden Zuschüsse für Kitas und Schulen gekürzt und die Vergütung für die Bürgerschaft um ca 500 € erhöht. Und dieses Vorgehen lässt sich auf das ganze politische Kasperletheater übertragen. Das ist in der Tat krank.

    • cashca schreibt:

      @klaus Walter,

      Wenn ich sowas höre, da platzt mir der Kragen.
      Das Volk wird mit Brot uns Spielen abgelenkt und bei Laune gehalten.
      Und , es spielz dieses miese Spiel munter mit.
      Alle feiern solange bis die Bude kracht.
      Wie war das nochmal bei den alten Römern? Und wo sind sie gelandet?
      Mal ganz nüchtern nachdenken.
      Kein Geld in der Tasche, aber Party.. Party.. Party….
      Was der Staat da ausgibt, holt er sich vom Bürger zurück, über Schuldenaufnahme und Steuererhöhungen.
      Haben das die Bürger immer noch nicht kapiert?

  4. F.S. schreibt:

    Passend zu Ihrem Artikel, hier ein brandaktuelles Video der Künstler Konstantin Wecker und Prinz Chaos II. produziert vom genialen Stoersender:

    Wer mehr wissen möchte kann sich hier den ganzen Text als kostenlose PDF oder kostenloses Ebook downloaden:
    http://www.randomhouse.de/Aufruf_zur_Revolte_Eine_Polemik_von_Konstantin_Wecker_und_Prinz_Chaos_II/aid48077.rhd?mid=10335
    Es würde uns sehr freuen, wenn Sie dem Text in Ihrem Herzen weitestgehend zustimmen können und mithelfen würden diese Links so schnell wie möglich in Ihrem Freundeskreis etc. weiterzuverbreiten.
    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Mithilfe, denn nur gemeinsam sind wir stark.
    F.S.

  5. Stefan Wehmeier schreibt:

    „Sind wir krank?“

    Ja.

    Das Gesundwerden nennt sich Auferstehung.

    Jüngstes Gericht

  6. cashca schreibt:

    Ja, die spätrömische Dekadenz greift um sich.
    Kollektiver Wahn, gepaart mit kollektiver Dummheit, das ist eine bedrohliche Mischung.

  7. Martin1 schreibt:

    Sehr guter Artikel – habe ich erst heute gesehen.

    Aber es kommt ja noch schlimmer: Wenn die Banken faule Kredite abschreiben, mindert es ihre Steuerschuld. Das ist ja mit einer der Gründe, weswegen die Politik eine Rettung mit Steuerzahlergeld zulässt. Evtl. Arbeitsplatzerhalt, so dass keine höheren Ausgaben für die BA anfallen.

    Nur: In guten Zeiten transferieren diese Institute ihre Gewinne ins Ausland und versteuern es bsp. auf den Kayman Inseln.
    So sind wir Bürger doppelt verar*t: An den Verlusten beteiligt sich die Allgemeinheit, an den Gewinnen die Eigentümer.

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