Totalüberwachung und Revolution von oben: Der Versuch, einen neuen Glauben und eine neue Gesellschaft zu etablieren

In der sogenannten „Ausspäh-Affäre“ geht es um viel mehr als die Gefahr der Totalüberwachung. Die dahinterstehende Idee ist die Annahme, mit nur genügend an Informationen das Verhalten von Individuen, Gruppen und Gesellschaften nicht nur bestimmen, sondern auch vorhersagen und entsprechend manipulieren zu können. Hinter diesem technischen Turmbau zu Babel liegt ein Glaube, der unser ganzes Wertesystem auf den Kopf stellen kann.

Vor einem halben Jahr ließ uns Edward Snowden wissen, dass die geheimdienstliche Überwachung nicht nur der Bekämpfung von Terrorismus dient. Sämtliche Daten von jeder Person werden abgeschöpft, gespeichert und analysiert. Alleine das weltweite Abgreifen von Mobilfunk-Daten für das Erstellen von Bewegungsprofilen erreicht ein Volumen von 5 Milliarden Informationen – täglich. Diese Zahl zeigt, dass mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch Ihre Daten mit dabei sind. Und nichts spricht dagegen, dass es mehr werden. Die mexikanische Regierung, die brasilianische Präsidentin und selbst Bundeskanzlerin Merkel mitsamt Hunderten von deutschen Abgeordneten wurden (und werden?) bespitzelt. Und das sind nur die Informationen, von denen wir Kenntnis haben. Und trotzdem regt sich in unserer Gesellschaft kaum Widerstand.

Überwachen klingt auch erst einmal nicht sonderlich fremd. Jeder kennt Überwachungskameras. Am Bankschalter, an den Bahnhöfen, im Straßenverkehr, in Geschäften. Größere Firmen haben Überwachungskameras am Empfang. Und immer wieder hören wir von Unternehmen, die ihre Mitarbeiter mit heimlich installierten Kameras kontrollieren. Eine Kamera ist immer dabei. Nahezu jeder Handybesitzer hat jederzeit die Möglichkeit, auf Knopfdruck blitzschnell zu filmen. Wer auf der Straße ungeschickt stolpert, der ist morgen vielleicht die Lachnummer auf YouTube. In dieser Gewohnheit an Überwachung ist wohl mit der Grund dafür zu finden, dass die offenbarte Totalüberwachung bei der Mehrheit der Bevölkerung nur zu einem Achselzucken führt. Überwachung war doch schon immer, da ist es doch egal, wer der Überwacher ist, solange man sich nichts zu Schulden kommen lässt. Und sein wir einmal ehrlich: Wie viel Prozent der Bevölkerung macht sich Gedanken über die Generalüberwachung in Zusammenhang zum geplanten Freihandelsabkommen zwischen EU und den USA, der Wirtschaftsspionage oder eben dem wichtigsten Punkt: Der Glaube an die Vorhersehung.

Was anscheinend nur wenige Intellektuelle, Politiker, Journalisten und vor allem Juristen begreifen: Unser gesamtes Rechtssystem und die Überzeugung in unserer Gesellschaft, dass jeder Mensch einen freien Willen besitzt, das gesamte christlich geprägte Wertesystem verliert an Gültigkeit und steht vor einer Umwälzung. Eine stille Revolution von Oben.

Die Gewöhnung an Überwachung und Vorhersehbarkeit

Wer in eine Buchhandlung geht und nach einem Geschenk sucht und entsprechend beim Personal um Hilfe bittet, der kennt die Frage: „Was liest er/sie denn sonst so?“ Auf Grund der nun erhaltenen Information kann die Fachkraft darüber Schlussfolgerungen anstellen, welche Bücher als Geschenk in Frage kommen könnten. Man beachte dabei bitte den Konjunktiv. Viel genauer, weil über sehr viel mehr Informationen verfügend, versteht es der Internetshop Amazon darüber Tipps zu geben, welche Produkte dem Kunden ebenfalls gefallen könnten, wenn er sich für Ware x und y interessiert. Im Prinzip ist die Vorgehensweise in dieser digitalen Buchhandlung die Gleiche wie die in der Analogen, nur dass eben die Schlussfolgerungen bei Amazon, die zu entsprechenden Vorschlägen führen, von Programmen erarbeitet werden. So wie Kameras, die uns im Alltag überwachen, sind also auch Bedarfsanalysen des Verbrauchers nicht neu, sie vereinfachen unsere Kaufentscheidung. Suchmaschinen, Soziale Netzwerke und Dating-Websites funktionieren genauso. Bei dem Aufkommen von scheinbar unendlich vielen Informationen, setzen wir das Vertrauen in Maschinen, die für uns Prioritäten setzen und selektieren – ganz nach dem individuellen Profil, zusammengesetzt aus verschiedensten Informationen. Selbst wenn wir uns das nicht wirklich bewusst machen: Von fremden Menschen programmierte Algorithmen nehmen in unser Leben immer mehr Raum ein.

Roboter überprüfen Ihre Gedanken

Wie muss man sich solche Algorithmen vorstellen? Wir kennen sie von Amazon und von Google. Nehmen wir als Beispiel Google. Kleine Programme, sogenannte Spider, durchforsten regelmäßig das Internet. Diese Roboter brauchen keine Aufforderung. Kein Mensch klickt auf eine Taste und sagt damit, dass die Spider ihre Arbeit anfangen sollen. Sie besuchen völlig selbständig eine beliebige Website, speichern diese ab und ziehen über dortige Links zur Nächsten. Dabei werden die Inhalte der Seite nach ihren Schwerpunkten bewertet, ebenso die Anzahl der Veränderungen (Aktualität) und die Relevanz der Links von und zu der Website. Es gibt noch eine Reihe weiterer Kriterien, welche einer Internetseite ein entsprechendes Ranking verleihen. Was Ihnen also über Google präsentiert wird, ist das Arbeitsergebnis dieser Spider. Jetzt stellen Sie sich diese Vorgehensweise ausgeweitet vor – auf private Nutzung von Mobilfunk, Telefon, Soziale Netzwerke, Internetshops, E-Mail-Verkehr. Auch hier gehen permanent Programme auf Wanderschaft und speichern ab und überprüfen dabei das Verhalten des Nutzers. Ihr Verhalten unterliegt also einer ständigen Bewertung. Sie haben vor zwei Jahren in einer E-Mail ein Buch der Gebrüder Grimm erwähnt? Ach, das wissen Sie gar nicht mehr? Macht nichts, das ist alles gespeichert, denn es könnte einmal relevant sein. Wichtig ist: So wie Google und Amazon auf Grund Ihres Verhaltens entscheiden, welche Information Sie brauchen, so können auch vom Geheimdienst genutzte Programme auf Knopfdruck sehr genaue Lebensläufe und Profile über Sie zusammenstellen, auf Wunsch sogar in Fließtext. Ihre Stärken, Ihre Schwächen … wenn Sie diese nicht kennen, die Programme kennen sie. Und genauso gut können die Programme vorhersagen, was Sie als nächstes zu tun gedenken. Wie sagte Google-Chef Eric Schmidt einmal in einem SPIEGEL-Interview: „Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst. Wir wissen mehr oder weniger, worüber du nachdenkst.“ Das war vor drei Jahren!

Jetzt stellen Sie sich diese Durchleuchtung für Gruppen oder ganzen Gesellschaften vor. Natürlich sind auch hier blitzschnell Profile abrufbar. Der Verkauf von Marx ist um 10% gestiegen? Das Wort Spiritus taucht öfter im Internet auf, bezogen auf den Raum München? Da kann man doch entsprechend reagieren. Die Wählerstimmung wendet sich gegen das flächendeckende Abhören? Auch da kann man gegensteuern. Ganz automatisiert. Mit Sicherheit!

Aber das scheint nicht nötig oder Gegenmaßnahmen greifen längst. Da machen sich gerade erklärende Gedanken in meinem Kopf breit: Machen die Geheimdienste nicht das Gleiche, woran wir uns – ob bewusst oder unbewusst – schon seit Jahren gewöhnen? Die Geheimdienste zapfen zwar sämtliche persönliche Daten ab, aber doch nur zu unseren Schutz, also für ein Grundbedürfnis. Dieses Sammeln von unseren persönlichen Daten mag nicht so legal sein wie bei Google oder Amazon, aber dafür geht es auch um sehr viel mehr: um unsere Sicherheit. Diese einfache Gedankenkette muss der Grund dafür sein, dass wir uns gegen den riesigen dunklen Schatten, der über unsere gesamte Gesellschaft hereinbricht, nicht wirklich wehren. Wir sind nicht in der Lage, einen Generalangriff auf unser Wertesystem zu erkennen.

Totalangriff auf unser Wertesystem

Unser Grundgesetz, die Regeln für unser gesellschaftliches Zusammenleben beruhen auf christliche Werte. Und sie beruhen auf die Annahme, dass jeder Mensch frei ist, über einen freien Willen verfügt. Der Mensch kann sich gegen die Gesellschaft wenden, im übertragenden Sinne gegen Gott, gegen das Gute. Aber dann wird dieser abtrünnige Mensch von der Gesellschaft bestraft, denn die Gesellschaft, unsere Gesetze müssen geschützt werden, „so wahr mir Gott helfe“. Jeder Mensch ist vor Gott und dem Gesetz gleich. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Und Niemand ist schuldig, es sei denn, eine Schuld kann von einem ordentlichen Gericht im Namen des Volkes zweifelsfrei bewiesen werden. Im Zweifel für den Angeklagten. Und auch als Nichtgläubiger, als Atheist kann sich das Gesellschaftsmitglied mit diesem Wertesystem arrangieren, indem er sich auf Kant beruft.

Dieses in vielen Jahrhunderten erkämpfte Wertesystem in der westlichen Zivilisation ist nun in höchster Gefahr. Warum?

  1. Abschaffung des freien Willens. Nach dem Glauben der Geheimdienste und der Konzerne, die uns das Leben angeblich nur sichern oder vereinfachen wollen, verfügt der Mensch über keinen freien Willen. Er ist analysierbar und berechenbar. Jeder nächste Schritt eines Individuums ist die logische Folge unendlich vieler Schritte im Vorwege.
  2. Ein Verdacht muss nicht mehr begründet sein. Nach dem Glauben der Geheimdienste und der Bundesregierung, bzw. der EU steht jeder Mensch unter Verdacht. Generell gilt Misstrauen vor Vertrauen.
  3. Abschaffung der Unschuldsvermutung. Bevor die Schuld nicht bewiesen ist gilt ein Angeklagter bisher als unschuldig. Dies gilt immer weniger. Aus unserer „westlichen Wertegemeinschaft“ heraus werden Menschen auf Verdacht getötet, ohne Prozess. Es könnte sein, dass Person X ein Terrorist ist. Ein Verdacht reicht, um mit dem Tode zu bestrafen. Das passiert nahezu täglich per US-Drohne. Dabei werden auch zahlreiche Zivilisten getötet. Die Unschuldsvermutung gilt hier schon lange nicht mehr. Das scheint sogar expansionsfähig zu sein. Die EU spielt mit den Gedanken, unser Rechtssystem zu reformieren. Im März diesen Jahres veröffentlichte der „Deutsche Richterbund“ dieses Jahr eine Stellungnahme zur Konsultation der Europäischen Kommission zur Unschuldsvermutung.
  4. Das Ende der Demokratie. Die Demokratie ist abhängig von der freien Meinungsbildung der Gesellschaft. Wenn uns der freie Wille jedoch abgesprochen wird, anderseits aber der massive Eingriff in unseren persönlichen Entscheidungen akzeptiert wird, dann wird die Demokratie überflüssig.
  5. Der alte und der neue Glaube. Wenn die Schritte eines Individuums, einer Gesellschaftsgruppe berechenbar und vorhersehbar und zumindest theoretisch beeinflussbar sind, dann entspricht das der Vorstellung von einem Gott. Wir fangen also wieder an zu glauben. Nur was ist das für ein Gott, der über unser Leben so gut Bescheid weiß und darüber bestimmen will? Wer hat diese Macht und wofür nutzt er diese? Auch das Mystische trägt zu einem Gottesbild bei.

Es geht also nicht nur um eine Totalüberwachung. Es geht auch darum, einen neuen Glauben, ein neues Wertesystem in unsere Gesellschaft zu etablieren. Mit Sicherheit. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob dies bewusst passiert oder die Büchse der Pandora versehentlich geöffnet wurde. Wir haben nur dann eine Chance, wenn wir uns bewusst dafür entscheiden, welche Werte, welche Ziele uns als Gemeinschaft wichtig sind und wie weit wir dafür gehen wollen. Wir können uns nur als Gemeinschaft gegen die Fremdbestimmung wehren und dann die Technik wieder zu dem machen, wofür sie da ist: uns dienlich.

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11 Antworten zu Totalüberwachung und Revolution von oben: Der Versuch, einen neuen Glauben und eine neue Gesellschaft zu etablieren

  1. Konjunktion schreibt:

    Totalüberwachung: Die Five Eyes

    Neuseeland ein Abkommen namens United Kingdom – United States of America Agreement (UKUSA) ab. Dieses Abkommen ist eine multilaterale Vereinbarung gemeinsam die Geheimdienstarbeit zu fördern, sich gegenseitig dabei zu unterstützen und Informationen auszutauschen. Dieser Verbund der englischsprachigen Geheimdienste wird oft als Five Eyes (FVEY) bezeichnet.

    Soweit zum Begriff Five Eyes. Natürlich spielen auch andere Spieler wie der BND oder der Mossad im Spiel der Totalüberwachung mit. Jedoch sind die Five Eyes so etwas wie die “Rädelsführer” im Club der Überwacher.

    Durch die Zusammenarbeit von FVEY und den anderen Schlapphutträgern werden geschickt die Gesetze der jeweiligen “Mitgliedsländer” in Fragen der Überwachung der eigenen Bürger ausgehebelt und umgangen.

    mehr hier: http://konjunktion.info/2013/12/totalueberwachung-die-five-eyes/

    VG

  2. Pingback: Totalüberwachung und Revolution von Oben: Der Versuch, einen neuen Glauben und eine neue Gesellschaft zu etablieren | Akademie Integra

  3. woling61 schreibt:

    Wie dieser Totalangriff auf das menschliche Wertesystem technologisch mittels der Erlangung und Steuerung gigantischer Datenvolumen „abgeht“, habe ich versucht zu schildern im Artikel BIG-DATA unter http://www.vox24pop.net/analyse/big-data/
    Eine Verselbständigung technologischer Prozesse haben wir hier sicher (noch) nicht vorliegen. Diese Entwicklung ist vor allem ein bewusstes, organisiertes Vorgehen innerhalb einer globalen Übernahmestrategie einer kleinsten, verdeckten Oligarchie. Die offizielle Legislative, Exekutive und Judikative sind ihre Werkzeuge. Staatssicherheitsdienste mit ihrem Cyberterror schützen dieses Vorgehen. Mediale und sonstige Formen der Manipulation gehören dazu. Das Volk wird in Sicherheit gewogen. „Gewählte“ Marionetten in EU-, Staats- und regionalen Parlamenten tun ihr Übriges. Was ist zu tun? Diesem Tun weiter auf den Grund gehen, es massiv aufdecken – den Menschen Stück für Stück vor Augen halten sowie Entscheidungsbefugnisse des vermeintlichen Souveräns, dem Volk, in einer grundhaft neuen Basisdemokratie erkämpfen und erlangen. Daran müssen wir arbeiten.
    JA – der Artikel verdeutlicht die nackte Realität und verbrecherischen Vorhaben von Wenigen. Diese Wenigen sind für das, was sie sich maßlos erhoffen, zu Allem bereit – auf die Gefahr hin ihres eigenen und der Menschheit Untergang..Stell dir vor – Gewaltiges steht auf dem Spiel – die Menschenrechte, wie wir sie erwarten, die Zivilisation, wie wir sie kennen und die Welt, wie wir sie uns menschlich erträumten.

  4. Skymo schreibt:

    Faktor X ist die Menschheit in der Masse gesehen, die mmn wenig Sinn für Werte hat – außer sie haben mit dem eigenen Ego zu tun und sind in Euro und Cent bezifferbar. Vormals Mark und Pfennig, und davor… ich meine nicht, dass gerade etwas verloren geht, ich habe eher den Eindruck, dass die Menschheit im Ganzen dieses Etwas nie besessen hat. Sonst wären die derzeitigen Entwicklungen nicht möglich.

  5. Irgendwer schreibt:

    Der Ansatz zu diesem Thema ist sehr gut, und die eigentliche Vermittlung der maßgeblichen Gedankengänge erfolgt zwischen den Zeilen.

    Leider (oder zum Glück?) fehlt die nächste Stufe zur Bedeutung der Sache vollständig. Leider, weil dadurch auch dieser Betrag im Geflecht der vom Kern ablenkenden Aussagen verschwindet, und zum Glück, weil eine für Durchschnittsbürger brauchbare Darstellung in ihrer Länge möglicherweise gegen unendlich gehen würde.

    Vielleicht sollte das gegenwärtig ab und zu diskutierte Thema „Quantenrechner in der Planung“ hier mit einfließen. Soweit es bisher ersichtlich ist, wird ein solcher Superrechner keineswegs auch nur annähernd das bringen, was man sich erhofft. Allenfalls wird er trotz seiner Supergeschwindigkeit und seiner dem menschlichen Gehirn nachempfundenen Funktion sowie der Quantenmechanik wohl kaum intelligenter sein als eine im Koma liegende Fruchtfliege.

    Bedeutsam ist allerdings, daß ein solcher Rechner, wenn auch die Massenspeicher entsprechend angepaßt sind, über mehr abrufbare und miteinander abgleichbare Daten verfügen wird als alle bisherigen Rechner der Welt zusammen.

    Doch das eigentliche Ziel der Macher dieser Welt und der Geheimdienste kann es logischerweise nicht sein, möglichst alle irgendwie erreichbaren Daten zu sammeln und auszuwerten, weil deren Zahl tatsächlich gegen unendlich geht.

    Was übrig bleibt, ist der Einsatz von mehreren Milliarden Biorechnern. die es bereits gibt (die Gehirne der Menschen). Lediglich deren Programmierung ist noch nicht ganz abgeschlossen, weil es eben um die darin in der Summe gegen unendlich gehende Menge eingeschlossener Daten geht.

    Hier greift dann die Methode der emotionalen Konditionierung, die bei entsprechendem Einsatz bewirkt, daß die Summe der theoretisch abgreifbaren Daten endlich und überschaubar wird (beim dann erreichten Ziel, möglichst alle Menschen im Denken und Fühlen gleichzuschalten), und daß diese Daten jederzeit mühelos abgreifbar und mißbrauchbar sind (die emotionale Konditionierung sorgt dafür, unvermeidbar vebleibende Störer werden mittels bewährter Methoden (verherzinfarkten, Droheneinsatz usw.) vom Netz genommen.

    Damit wäre dann der lang ersehnte Traum der totalen Verameisung der Menschen einschließlich der Leibeigenschaft auf eine Weise verwirklicht, wovon die Tyrannen vergangener Jahrhunderte nur träumen konnten. Nicht die brutalste Methode führt zum Erfolg, sondern die, in der sich Menschen nichtsahnend freiwillig vereinnahmen lassen, es auch noch gut finden und völlig vernunftresistent meinen, es wäre ihre eigene freie Entscheidung gewesen.

    Soviel zur Theorie. Jedoch fehlt noch ein nachvollziehbares praktisches Beispiel, um andere zum Selbstdenken anzuregen.

    Wir erleben gegenwärtig die Handy-Manie in allen ihren Erscheinungsformen, und es wäre müßig, sich noch großartig darüber auszulassen.

    Doch diverse neuere Handys sind bereits so gebaut, daß sie sehr bequem in kurzen Intervallen auch Gesundheitsdaten abfragen wie Blutdruck, Puls, Blutzuckerspiegel und Streßhormone. Doch was ist, wenn auch diese dann dargestellten Daten manipuliert sind, wenn plötzlich Alarmstufe rot angesagt ist, obwohl der Betreffende kerngesund ist und es lediglich versäumt hat, eine ausreichende Menge an zusätzlich zu bezahlenden Daten herunterzuladen oder weil er einer Medizin-Mafia nicht einträglich genug erscheint? Der Betreffende wird dann selbstverständlich zu einem (möglicherweise total korrupten) Arzt laufen, der nach dem Motto „von gesunden Menschen kann kein Arzt leben“ mit sehr geschickten Worten seinen Gewinn und den der Pharma-Industrie erhöht. Und zu allem Überfluß ist der betreffende Handy-Benutzer dann auch noch fest davon überzeugt, daß er sich selbst etwas absolut Gutes getan hat und dank seinem Handy nun nicht sterben muß.

    Doch ganz so einfach wie in dem dargestellten Beispiel ist der bereits manipuliert stattfindende Alltag nicht. Wir sollten damit aufhören, uns über das unbeirrbar unsinnige Wählerverhalten aufzuregen oder darüber, warum inzwischen extrem vermehrt sich aus dem einfachen Volk bildende Interessengruppen stets den unstillbaren Drang entwickeln, sich schon nach kurzer Zeit von überall her möglichst prominente Böcke zu suchen, um diese dann in ihrer Führung zu ihren Gärtnern zu machen.

    Stattdessen sollten wir uns ernsthafte Gedanken darüber machen, wie mühelos jeder Mensch manipulierbar ist, wenn ein anderer nur die jeweils richtigen Schalter kennt (die richtigen Dosierungen der manipulativ wirkenden Pseudo-Informationen und deren korrekte Reihenfolge). Erst bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema wird die Tür zu der Erkenntnis geöffnet, was z. B. das oftmals total verhaßte und dennoch hineingesaugte Fernsehprogramm in seiner Dosierung uns seiner präzise ausgerichteten Reihenfolge tatsächlich bewirkt, was in uns vorgeht, wenn wir zwar in billigen Krimis mit äußerst schlechten Schauspielern konfrontiert werden, aber andererseits an diesen „Brückenmerkmale“ finden, die uns Assoziationen zu bestimmten Personen aus der Politik und der Wirtschaft verschaffen und in uns Reaktionen hervorrufen, die unmittelbaren Bezug dazu haben, ob der Schauspieler den Helden oder den verabscheuungswürdigen Schurken darstellt.

    Doch alle auf solcher Basis angenommenen Manipulationen bedürfen einer Grundlage, um wirksam zu werden. Das sind Informationen aller Art darüber, wie wir in bestimmten Situationen reagieren, nach welchen Nachrichten wir auf welche Weise aktiv werden, welche Gesichtsausdrücke und körpersprachlichen Signale in welchen speziellen Situationen von uns ausgehen usw. usw.

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