NSU: Die vielen Geheimnisse um den toten V-Mann „Corelli“

Am Sonntag wurde berichtet, dass der V-Mann Thomas R. alias „Corelli“ tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde. Er war einer der führenden Köpfe der rechten Szene in Sachsen-Anhalt, hatte Kontakt zum NSU, arbeitete sehr eng mit dem Verfassungsschutz zusammen und war im Polizistenmord in Heilbronn verwickelt. Viele Geheimnisse ranken sich um den V-Mann. Zuletzt soll es Thomas R. gar geschafft haben als Toter vor Gericht zu erscheinen.

Sein bürgerlicher Name war Thomas R. Unter dem Decknamen „Corelli“ war er für den Bundesverfassungsschutz tätig. 180.000 Euro Honorar soll Corelli über die Jahre für seine Arbeit als V-Mann bekommen haben. Er betrieb u.a. mehrere Internetseiten mit nazi-ideologischem Inhalt und betrieb das rechte Magazin „Der weiße Wolf“. Aus Spiegel-Online vom 18.12.2012:

„Thomas R. engagierte sich indes bei dem rechten Fanzine „Der Weiße Wolf“, in dessen Ausgabe Nummer 18 im Jahr 2002 ein interessantes Vorwort erschienen ist. Fettgedruckt, ohne nähere Erläuterung, heißt es da: „Vielen Dank an den NSU“. Es ist die erste bekannte Erwähnung des NSU in der Öffentlichkeit, neun Jahre bevor die einzigartige Mordserie aufgedeckt wird.“

Außerdem spielte Thomas R. eine „wichtige Rolle“ im deutschen Ableger des Klu-Kux-Klans. Es ist genau der Klan, dessen Gründer Achim S. ebenfalls für den Verfassungsschutz arbeitete, für den Landesverfassungsschut Stuttart. Die Rolle von Thomas R. bestand wohl vorwiegend darin, neue Mitglieder anzuwerben, auch Polizisten aus dem Umfeld der 2007 getöteten Polizistin Michèle Kiesewetter. Es war der letzte Mord der Tötungsserie, die dem „NSU-Trio“ angelastet wird. Am 24.07.2013 schrieb Thomas Moser für das Magazin Kontext:

„Zeitweise dachte Ku-Klux-Klan-Führer S. sogar an die Bildung einer eigenen Untergruppe für die Polizisten. Zwei sind namentlich bekannt: Jörg W. und Timo H. Sie kamen aus der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) in Böblingen, zu der ab 2005 auch die in Heilbronn getötete Michèle Kiesewetter und der schwer verletzte Martin Arnold gehörten. Einer der beiden KKK-Polizisten – offiziell war er nur wenige Monate Mitglied – war Gruppenführer von Kiesewetter.“

Vor fast einem Monat wurden weitere Verbindungen von Kiesewetters Gruppenführer zum NSU-Umfeld beklannt. Kiesewetter lud ihre Kollegen 2006 zu einer Kirmis in ihrem Heimaltort ein. Ihr Gruppenführer hat dort in einer von dort sieben ansäßigen Pensionen übernachtet. War es die Pension „Zur Bergbahn“?

„Die Gästeunterkunft wurde vom Schwager des im Münchener Verfahren gegen den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) angeklagten Ralf Wohlleben betrieben. Sie gilt als Treffpunkt für die rechtsextreme Szene im Westen Thüringens – auch für den Thüringer Heimatschutz. In dem radikalisierten sich Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos.“ suttgarter-nachrichten.de, 19.03.2014

Am 19. März 2014 titelte die Südwest-Presse: „NSU: Im Umfeld der getöteten Polizistin Kiesewetter tummelten sich Neonazis“ und stützt sich auch auf Aussagen im NSU-Untersuchungsausschuss in Erfurt einer damaligen Kollegin der ermordeten Polizistin. Die Zeugin Anja W. spekulierte schließlich, dass Kiesewetter vielleicht etwas gesehen hätte, „was sie nicht hätte sehen sollen.“

Es spricht viel dafür, dass Thomas R. alias „Corelli“ über wichtige Informationen zum Mordfall Kiesewetter verfügte. Es war eine Frage der Zeit, wann der Erfurter Untersuchungsausschuss auf Informationen über oder von „Corelli“/Thomas R. gedrängt hätte. Für den Bundestags-Untersuchungsausschuss gab es bereits Anfang 2013 genügend Gründe, Thomas R. befragen zu wollen. Der biss sich aber am Innenmisterium die Zähne aus. Thomas R. lebte nach seiner (rechtzeitigen?) „Abschaltung“ im November 2012 im Rahmen des Zeugenschutzprogramms mit neuer Identtät in England.

„Der NSU-Untersuchungsausschuss hatte zuletzt darauf gepocht, vom Innenministerium Informationen über „Corelli“ zu bekommen. Der Vorsitzende SPD-Mann Sebastian Edathy hatte sogar damit gedroht, deshalb bis vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen.“ focus.de, 24.02.2013

Sebastian Edathy wurde inzwischen ebenfalls „abgeschaltet“. Zwei Jahre nachdem das BKA eine Liste mit Kunden eines kanadischen Versenders von kinderprnographischen Material bekommen hatte, stellte das BKA plötzlich fest, dass Sebastian Edathy auf dieser Kundenliste steht.

Thomas R. wurde dann doch noch als Zeuge gehört – es war der 100. Verhandlungstag im NSU-Prozess. Gleich mehrere Online-Publikationen brachten am 01. April 2014 den selben Text, hier ein Ausschnitt aus welt.de:

„Der 44-jährige Chemnitzer hatte die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nach ihrem Untertauchen 1998 mehrere Wochen in seiner Wohnung versteckt und auch danach Kontakt zu ihnen gehalten … Die Vernehmung des Zeugen Thomas R. verlief stockend. Während seiner Aussage wechselten er und die Hauptangeklagte Zschäpe immer wieder Blicke. „Ich habe die irgendwann mal kennengelernt“, sagte R. in Hinblick auf das Trio. „Wann – weiß ich nicht mehr.“ Irgendwann hätten die drei an seiner Tür geklingelt und gefragt, ob sie bei ihm schlafen können. „Die sind eines Tages zu mir gekommen, dann wieder weg, und das war’s dann.“ Er habe noch ein bis zwei Jahre nach dem Abtauchen des Trios Kontakt gehalten.“ Welt.de, 01. April 2014

Auch der Tagesspiegel berichtete am 01. April 2014 und beschrieb wie sich Thomas R. vor Gericht weigerte, seine Hintermänner zu nennen. Der Richter drohte erstmals mit Ordnungshaft. Thomas R. „rettete sich in eine Auszeit“, bevor er zu seinen Hintermännern an einem späteren Prozesstag weiter vernommmen werden würde.

Dazu wird es jetzt nicht mehr kommen.

Ende März fand man die Leiche des 39-Jährigen … Wie das Bundesamt für Verfassungsschutz vergangene Woche dem Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestags mitteilte, wurde Thomas R. Ende März leblos in einer Wohnung in Nordrhein-Westfalen aufgefunden … R. starb laut Sicherheitskreisen an den Folgen einer zuvor nicht erkannten Diabetes-Erkrankung.“ Spiegel-Online, 13. April 2014

Achten Sie neben dem dubiosen Todesgrund auf die Datierungen. Die Merwürdigkeiten um den V-Mann Thomas R. gehen sogar über seinen Tod hinaus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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9 Antworten zu NSU: Die vielen Geheimnisse um den toten V-Mann „Corelli“

  1. Aufdecker schreibt:

    Der 44 jährige Thomas R. ist doch gar nicht Corelli. So viel ich weiß hat Corelli vor Gericht GAR NICHT ausgesagt, sondern nur zuvor beim BKA!
    Beim KKK war er lediglich für neue Mitglieder in Sachsen-Anhalt zuständig. Die Polizisten kamen durch den Bruder (ebenfalls Polizist) des American Football Spieler Steffen B. (welcher auch beim KKK war) zum Klan.

  2. fatalist schreibt:

    Corelli ist nicht Thomas R. aus Chemnitz.
    Corelli hat nicht in München ausgesagt, auch wenn das ND das zu wissen meint.
    „HJ Tommy“ ist der Thomas R. aus Chemnitz, nicht Corelli. Selbst wenn Wolf Wetzel das (auch) ständig schreibt. Es ist FALSCH.

    http://www.nsu-nebenklage.de/blog/2014/04/01/01-04-2014/
    da steht der Name: Thomas Rothe aus Chemnitz

    • Björn Kügler schreibt:

      @Fatalist, @Aufdecker: Danke. Recht habt Ihr. Das ist in der Öffentlichkeit und auch in der Recherche etwas verwirrend angekommen. Mysteriös genug bleibt das Wirken von Corelli dennoch.

  3. fatalist schreibt:

    „Thomas R. “rettete sich in eine Auszeit”, bevor er zu seinen Hintermännern an einem späteren Prozesstag weiter vernommmen werden würde“
    (er WIRD vernommen werden, aber er WEISS NICHTS…)
    ____________

    Der Rothe weiss nichts, da er nur im Auftrag von Thomas Starke das Trio unterbrachte. Starke hat die Aussage verweigert, er heisse jetzt Müller, sagte er, und weg war er. Dass Thomas Starke bereits als „TNT-Bote“ 1996/97 ein Spitzel war, das könnte Corelli gewusst haben. Da das aber sowieso bekannt ist, -auch wenn es die Medien verschweigen steht es in Protokoll 66b des NSU-PUA, nachlesbar auf bundestag.de, Beweis ist der GBA selbst!!!- muss es andere Gründe geben.

    Corelli dürfte -wie Florian Heilig- etwas über den Polizistenmord von Heilbronn gewusst haben.
    Das ND hatte von einer Ladungsadresse in Grossbritannien (für Corelli) geschrieben. Es ist schon merkwürdig, dass er nun bei Bielefeld starb. Ladungen für Zeugen im Zeugenschutzprogramm werden an das BKA gestellt. Woher soll denn auch ein OLG wissen, wo ein geschützter Zeuge des BKA wohnt?

    Eines der Hauptprobleme in diesem Land ist die Qualität der Medienschaffenden.
    Die können oder wollen nicht denken.

    Gruß

  4. Ich bin für Bonn 1972 schreibt:

    Beate T. hat vielleicht großes Glück, daß sie in der Öffentlichkeit steht und unter Freiheitsentzug leidet. Die gehäuften anormalen Todesfälle unter den beschuldigten NSU-Unterstützern lassen durchaus einen anderen Schluss zu, namentlich, daß der Mythos „rechtsradikale Terrorgruppe“ mit Verbindungen zu rechtsextremen Parteien, aber auch rechtskonservativen, ja bloss hochpatriotischen Vereinigungen aufrecht erhalten werden soll.

    Das impliziert dem Freigeistigen aufgrund der verfassungsrechtlich stark eingebundenen Strukturen der dt. Dienste einen Anfangsverdacht einer ausländischen, also türkisch, israelischen oder alliierten Beteiligung( wobei der Ermittlungsstrang Mordserie-nationaltürkische Bandenkriminalität m.W. auch nicht hinreichend ausgeräumt werden konnte).

    Das Spektrum der Beweggründe zur Errichtung eines „NS-nahen“, fremdenfeindlichen „Bonnie&Clyde“-Trios sind u.U. relativ offenbar. In diesem Dunstkreis können vielleicht auch die starken Widersprüche um die Solinger Ereignisse verortet werden. Wenn er um die staatswidrige, organkriminelle €/EU-Komponente erweitert wird, dann müßte der Fall „Rohwedder“ ebenfalls angesprochen werden dürfen.

    Eine mitteldeutsche Stasikomponente dürfte das etwaige Vorgehen willfärig erleichtert haben.

    Es bleibt dabei, daß, forensisch betrachtet, das angenommene terroratypische und letztlich sinnfreie Agieren der Kriminellen auf tönernden, nicht gerichtsfesten Füßen steht.

  5. Aufdecker schreibt:

    Thomas R. aus Halle an der Saale alias Corelli der mit 39 Jahren verstarb hatte den Spitznamen „HJ Tommy“ 100000%
    SOLLTE der 44 jährige Thomas R. aus CHemnitz der im prozess aussagte TATSÄCHLICH den gleichen Spitznamen gehabt haben (was ich stark bezweifle) dann ist dies reiner Zufall.

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