Optimistisch in den Untergang – Buchbesprechung von “Der Crash ist die Lösung”

1_6_6_9_1_5_0_978-3-8387-5294-5-Friedrich-Der-Crash-ist-die-Loesung-org(1)Der Titel ist mehrfach provokant. In der Unterzeile heißt es: „Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten.“ Nicht nur, dass hier der Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystem als Tatsache vorausgesetzt wird. Der Kollaps soll sogar die Lösung unserer Finanzkrise sein, welche damit als noch nicht beendet erklärt wird. Zudem ist dieses Buch scheinbar nur an Vermögende adressiert. Vor allem geht es aber um die Rettung unseres immateriellen Reichtums.

Mit ihrem ersten Buch „Der größte Raubzug der Geschichte“ trafen die Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich 2012 buchstäblich ins Schwarze. Das Buch lieferte ein Trommelfeuer an belegten Fakten, die detailiert aufzeigten wie Banken mit Hilfe des deregulierten Finanzsystems systematisch ganze Staaten und ihre Bürger ausplündern. Sehr gut strukturiert, in kleinen Häppchen serviert und auch für Nichtökonomen auf jeder einzelnen Seite verständlich und gut geschrieben. Dennoch: Das Werk ließ den Leser mit einem düsteren Bild von einer scheinbar grenzenlosen Macht in einer gierigen und zutiefst rücksichtslosen Welt zurück. Immerhin: Die letzten Sätze des Buches, ein Zitat des Pfarrers und Autors Norman Vincent Peale, deuteten einen Weg aus diesem Entsetzen: „Ein positiv denkender Mensch weigert sich nicht, das Negative zur Kenntnis zu nehmen. Er weigert sich lediglich, sich ihm zu unterwerfen.“

Der Crash ist die Lösung„, behaupten nun die Autoren Weik und Friedrich in ihrem vor kurzem erschienenden Nachfolgewerk. Und wie schon aus dem ersten Buch gewohnt, werden dem Leser zahlreiche Fakten präsentiert – mit über 500 Quellenangaben. Und diese lassen als Schlussfolgerung nur einen Kollaps zu. Akribisch zeigen die Autoren auf, dass weder die Finanzinstitute, noch die Regierungen aus der Wirtschaftskrise gelernt oder gar entscheidende Konsequenzen gezogen haben. Im Gegenteil: Es wird gezockt, gelogen und betrogen wie nie zuvor – immer auf Kosten der Steuerzahler. So bleibt auch in diesem Buch nicht aus, dass beim Lesen sich der Magen umdreht und die Zornesröte das Gesicht verfärbt. So ist es nun mal mit der Wahrheit, sie kann weh tun. Aber nicht nur Deutschland und die EU-Länder werden in ihrem selbstzerstörerischen Handeln entlarvt. Auch in China, Japan und den USA bauen sich immer größere Blasen auf. Wenn nur eine davon platzt, könnte eine Kettenreaktion erfolgen, die die Weltwirtschaft ins Bodenlose fallen lässt. Nicht zuletzt das Geldsystem selbst spielt in seiner mathematisch begrenzten Haltbarkeit dazu die entscheidende Rolle.

Die Überbringer dieser schlechten Nachrichten sorgen jedoch dafür, dass diese nicht nur hochspannend und schlüssig beschrieben werden. Immer wieder taucht wohl dosiert die nötige Prise Humor in den Zeilen auf und macht das Erkennen der Faktenlage halbwegs erträglich. Dieser Humor rührt wohl aus einer gesunden Portion Optimismus. Und hier ist meiner Meinung nach dieses Buch noch stärker als der schon sehr lesenswerte Vorgänger „Der größte Raubzug der Geschichte“, inzwischen auch als Taschenbuch erschienen). Nach den obligatorischen Tipps für Geldanleger endet das Buch mit überraschendem Ausblick: „Es mag für ein Finanzbuch seltsam klingen, aber wir kommen an dieser Stelle am Ende unserer Überlegungen nicht umhin über Immaterielles zu reden. Über Moral und Werte. Über die Stützpfeiler unserer Gesellschaft.“ Die Autoren erkennen, dass es keine Lösung für ein funktionierendes, gerechtes Wirtschaftssystem gibt, wenn die Gesellschaft nicht auch bereit ist, ihre immateriellen Werte zu schützen bzw. wieder zu entdecken. Bildung und Erziehung, Mündigkeit, Moral und Ethik, Demut, Dankbarkeit, Liebe und Vertrauen. Es ist höchste Zeit umzudenken, fordern Weik und Friedrich. Wenn Ökonomen es schaffen wie die Autoren dieses Buches über ihren Tellerrand hinauszublicken, dann ist das tatsächlich ein Grund optimistisch in die Zukunft zu schauen.

Es ist also trotz des bevorstehenden Untergangs Land in Sicht – das ist die gute Nachricht. Wie dieses Land genau aussehen, welches Wirtschafts- und Geldsystem  richtig sein könnte, dazu kann das Buch Ansätze, jedoch keine Lösungen liefern. Das wäre auch zuviel erwartet. So bleibt Platz für dringend notwenidge Debatten und genug Stoff für ein drittes Buch der beiden Autoren. Diese dürfen sich aber erst einmal über eine sehr große Leserschaft freuen. „Der Crash ist die Lösung“ stürmt wie schon sein Vorgänger die Besteseller-Listen. Dass diese Thematik einen so großen Zuspruch findet, ist ein weiterer Grund Optimismus zu wagen!

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6 Antworten zu Optimistisch in den Untergang – Buchbesprechung von “Der Crash ist die Lösung”

  1. Seba73 schreibt:

    Spannend!
    Leider befürchte ich dies auch. Ich werde beide Bücher lesen.

    Habe dies online gefunden von den beiden:
    http://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/vis_a_vis/201406/206289.html

  2. Marie schreibt:

    im Gespräch mit Marc Friedrich – „Der Crash ist die Lösung“

    http://goo.gl/oGMK68

  3. Rationalist schreibt:

    Brillant!

  4. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Forum Politik rebloggt und kommentierte:
    Der Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystems

  5. @Seba73: Die Zusammenhänge sind sicher auch einfacher zu verstehen, wenn man beide Bücher liest, obwohl das nicht zwingend notwendig ist.

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