ARD-Reportage: Geiselnahme deutscher Passagiere als inszenierter Terror

Drei  Terroristen, die für das Olympia-Attentat im Sommer 1972 in München verantwortlich gemacht wurden, warteten in Deutschland auf ihren Prozess. Wenige Monate später wurde eine Maschine der Lufthansa entführt. Die Forderung: Freilassung der Attentäter. Dann ging alles ganz schnell. Die Terroristen kamen frei. Recherchen des ARD-Magazins „Report München“ lassen nun den Schluss zu, dass diese Aktion von Geheimdiensten inszeniert wurde.

In Oktober 1972 kaperten zwei Terroristen aus Palästina eine deutsche Lufthansa-Maschine, die in Beirut startete. An Bord waren 13 Passagiere, keine Kinder, keine Frauen. „Aus einem Versteck der 1. Klasse holen sie Sprengsätze“, heißt es in der Reportage von Report München. Die Terroristen forderten die Freilassung der drei Olympia-Attentäter, die in Deutschland auf ihren Prozess warteten. Genau dieses Szenario hatte der Chef des israelischen Geheimdienst Mossad vorhergesagt.

Ein kurzer Rückblick: Während der Olympischen Spiele 1972 stürmten am 5. September acht palästinensische Terroristen das Quartier der israelischen Olympioniken. Zwei Israelis kamen dabei ums Leben, die anderen wurden zu ihren Geiseln  Sie forderten die Freilassung von 200 Palästinensern aus israelischen Gefängnissen sowie die Freilassung der im Gefängnis sitzenden RAF-Mitglieder Andreas Baader und Ulrike Meinhof.

Die Geißelnahme endete in einem Desaster. Bei dem Versuch, die Geiseln zu befreien, kamen alle Israelis ums Leben, von den Terroristen überlebten nur drei. Um das Ausmaß dieses katastrophalen Versagens bzw. der vielen Ungereimtheiten dieser Geiselnahme, die schon im Vorfeld begonnen haben, zu erfassen, zitiere ich erstmal aus Wikipedia, um dann zurück zur Reportage von Report München zu kommen.

„Der Münchner Kriminalpsychologe Georg Sieber hatte im Vorfeld der Olympischen Spiele von 1972 unter anderem das Szenario eines PLO-Attentats entwickelt, dem das spätere Attentat ziemlich genau entsprach.[12] Darüber berichtet er unter anderem im Film „1972“ (Sarah Morris).[13][14][15][16]

Der ehemalige Bundesnachrichtendienst-Mitarbeiter Norbert Juretzko behauptete in der ZDF-Dokumentation „München ’72 – die Dokumentation“, dass angeblich ausgebildete Spezialkräfte der damals streng geheimen paramilitärischen Gladio-Truppe in der Nähe von München bereitstanden. Gladio, auch „Stay behind“ genannt, war eine Organisation von CIA und NATO, die in Westdeutschland vom Bundesnachrichtendienst geführt wurde. Die Einsatzleitung sei darüber aber nicht informiert worden.

Der Journalist Wilfried Huismann bestätigt Juretzkos Behauptung unter Berufung auf Erzählungen eines unbenannten Mitglieds von „Stay behind“, das gesagt haben soll: „Wir waren uns sicher, dass wir mit den Palästinensern fertig werden. Wir waren darauf vorbereitet und wir wollten es machen.“[17][18]

Die drei überlebenden Geiselnehmer wurden nie vor Gericht gestellt. Sie wurden wenige Wochen später gegen Passagiere und Besatzung der entführten Lufthansa-Maschine „Kiel“ ausgetauscht. Später wurden viele der (tatsächlichen oder vermeintlichen) Drahtzieher und Beteiligten in einer Reihe israelischer Geheimdienstaktionen von der eigens gebildeten Sondereinheit Caesarea getötet, unter ihnen offenbar auch zwei der drei überlebenden palästinensischen Geiselnehmer.“ Wikipedia, Stand: 19.06.2013

Zurück zur Reportage von Report München am 18. Juni 2013: Wie oben schon erwähnt wurde die Freipressung der drei überlebenden Attentäter vom Chef des Mossad vorhergesagt, und zwar nur einen Tag nach ihrer Festnahme. Diese Information erhielt der Präsident des Bundesnachrichtendienstes Gerhard Wessel. „Er könne nicht versprechen, dass dies nicht eintreten wird.“ Dieses Zitat klingt dann schon eher wie eine Drohung als wie eine Warnung. Nachdem die Entführer der Lufthansa-Maschine sechs Wochen später die Freilassung der drei in Deutschland inhaftierten Attentäter forderten, wurden diese nur Stunden später freigelassen. Es war bereits alles dafür vorbereitet. Die ausländische Presse vermutete damals, dass die Deutschen von der Entführung bereits vorher gewusst hätten. Zu diesem Ergebnis kommen  auch die Journalisten von Report München, die einen Teil (!) der Akten zum Olympia-Attentat einsehen durften. Demnach haben sich die Behörden bereits 11 Tage vor der Freipressung über die Abschiebungsformalitäten ausgetauscht. Als die freigepressten Attentäter schließlich Deutschland verliessen und in Tripolis (Libyien) landeten, gaben diese sofort eine Pressekonferenz. Auch davon wurden die Deutschen im Vorwege in Kenntnis gesetzt.

Aufschlussreich ist auch der Schluss der Reprtage. Dort heißt es:

„Als Innenminister war damals Hans-Dietrich Genscher im Krisenstab. Vor der Kamera lehnt er ein Interview ab. Schriftlich teilte er uns mit, dass er nichts von Deals mit Terroristen weiß und sie nie gebilligt hätte.“

Damit hat er die Ergebnisse der Recherche nicht zurückgewiesen, sondern nur sich selbst aus der Verantwortung heraus genommen.

Link zur Reportage von Report München in der ARD Mediathek.

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11 Antworten zu ARD-Reportage: Geiselnahme deutscher Passagiere als inszenierter Terror

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  2. Widukind schreibt:

    Am 17. Juni 2007 war ich auf einer Demo in Berlin. Hier hörte ich in einem kleinen Kreis, dass jemand angab, er habe während dieses Anschlags einer Spezialeinheit angehört – quasi Vorläufer der GSG 9 – und sie hätten alles im Griff gehabt, die Täter im Fadenkreuz, aber plötzlich sei von ganz oben der Befehl gekommen, die Aktion abzublasen.
    Und was lese ich jetzt zu dem damaligen bayerischen Innenminister Bruno Merk in der Augsburger Allgemeinen vom 01.09.12?
    „Wenige Wochen vor seinem 90. Geburtstag, den Merk am 15. April dieses Jahres feierte, wurde sein innerer Frieden allerdings gestört. Auslöser war eine Fernseh-Dokumentation des ZDF. Dort wurde berichtet, dass eine geheime Spezialeinheit abrufbereit vor Ort gewesen sei. Sie sei aber nicht zur Befreiung der israelischen Sportler eingesetzt worden. Merk war empört über „diese Mär“ und „nachträgliche Fantasie“, er hat ans Bundesinnenministerium mit der Bitte um Klarstellung geschrieben (wir berichteten).“
    Weiter heißt es dort, dass dem Bundesministerium des Innern keine Anhaltspunkte vorlägen, die die Behauptung belegten, dass bereits 1972 eine Spezialeinheit einsatzbereit gewesen wäre.

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  5. Regierungsfrust schreibt:

    Da machen sie alle Welt verrückt mit ihrer ewigen „Terrorgefahr“, und dann sind sie’s jedesmal selber. Was für dämliche Hornochsen. Im September wähl ich mich selbst zum Kanzler, dann weiß ich wenigstens, woran ich bin.

  6. Steve.Wilcox schreibt:

    Macht mal bitte eine Liste mit allen sog. Terroranschlägen seit Anfang 1900 und jeweils einen Link/Artikel der diesen als Staatsterror überführt.
    Ich glaube, da wird es am Ende nicht mehr viele freie Stellen in dieser Liste geben 😀
    Es ist nur erschreckend, dass in immer kürzerer Zeit immer mehr Lügen aufgedeckt werden, und KEINEN stört es mehr. Mich wundert auch, dass mitlerweile recht viele wissen, dass wir permanent belogen werden, und dennoch glaubt man diesem Politikerpack. Wie schitzophren kann ein Volk nur sein ?

    • Regierungsfrust schreibt:

      Hi Steve,
      ich glaub eher dass es ALLE stört. Villeicht können’s manche bloß noch nicht in Worte fassen… und wissen nicht, was sie dagegen machen sollen (weiß ich ja auch nicht so recht, außer hier meinen Senf dazuzugeben). Demos sind ja auch nicht so wirklich der Bringer. und das mit den Wahlen… ich weiß nicht so recht. Ist doch eh alles verarsche.

      • Steve.Wilcox schreibt:

        Naja, „echte“ Alternative gibt es schon, man muss allerdings danach suchen – die findet man nicht direkt vor der Haustür. Als Beispiel Tamerra (Portugal/Deutschland), Name entfallen (Turin, Italien), NeuDeutschland (Wittenberg) – um nur mal dir größten Bewegungen zu nennen.
        Ich habe mich auch zich Jahre lang zu tote informiert und musste am Schluss feststellen: Nur Infos zu haben macht die Welt nicht besser. Ich muss selbst etwas anders leben und machen.
        Das einzige was mich derzeit noch davon abhält direkt in so ein Projekt zu ziehen ist, dass es ich es in meinem derzeitigen Job äußerst bequem habe. Aber dafür unterstütze ich andere Projekte finanziell und arbeite bei Projekten als Ideengeber und Berater mit.
        Das ist für mich derzeit eine akzeptable Lösung. Aber in einigen Jahren, wenn meine Kinder in Kindergarten oder Schule gehen, werde ich auf jedenfall in so ein Projekt ziehen. Denn das staatliche Verblödungssystem will ich meinen Kindern nicht antun.
        (Siehe Sudbury-School). Food-Coops gibts ja auch immer mehr – einfach beteiligen und endlich wieder das Essen schmecken können.
        Witzig ist immer, das 80 Mio Leute sagen: „Als einzelner kann man halt nix machen.“ 😀
        viel Spaß noch.
        Steve

  7. mundderwahrheit schreibt:

    GLADIO wurde zuerst von den USA um 1950 in Italien gegründet um den Kommunismus zu bekämpfen. Sie bestand auf Faschisten, die von USA „Persil gewaschen“ gegen Russland eingesetzt werden sollten.
    – Diese Gruppe arbeitet auch mit der Organisation Gehlen, Prinz Valerio Borghese X Max etc.
    Mit der Gründung von Gladio und die USA Absage die Faschisten in Italien vor Gericht zu bringen um sie gegen Russland zu verwenden, was das Schlimmste was die USA die Demokratie Gedanken antun konnten. Was folgte war, dass auch in Deutschland das gleiche geschah. Nach Nürnberg und das Aufhängen der Nazi-Führer die nicht mehr verwendbar waren, den Rest wurde auch bei uns Persil gewaschen und wieder verwendet. Man kann wohl sagen, dass die Demokratie schon in der Wiege getötet wurde. Die Konsequenzen werden jetzt immer mehr ans Licht. Die „zivilisierte“ Europa folgt nur noch das Imperium in ihren „Razzien“ in Ländern wie Libyen, Irak, Afghanistan, und in Syrien sind wir schon so weit, dass wir von Kannibalen vertreten werden, und wir finden es absolut normal. Über Terrorgefahr Meldung…früher hat die Kirche die Bürger mit dem Teufel erschreckt, jetzt werden sie mit Terrorgefahr-Meldung gefügig gemacht.
    mundderwahrheit WordPress.com

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  9. Rolf schreibt:

    Ein Israeli hat es ja gemerkt, wer hinter Olympia-Attentat steckte, und hinter der Flugzeugentführung steckten auchb die Israelis, um die gefassten Terroristen aus Deutschland schnell wieder herauszubekommen, bevor sie zuviel reden würden.

    „Auch der Journalist und Geheimdienstexperte Yossi Melman fand Überraschendes in den Akten: „Zwei Dinge haben mich überrascht: Erstens, dass es Hinweise auf das Attentat gab, wenn auch keine konkreten – und zwar zehn Tage vor dem Anschlag. Und am 30. August 1972 kommt eine Kommission aller israelischen Geheimdienste zusammen und beschließt, dass diese Hinweise nicht auf einen möglichen Angriff hindeuten. Und vor diesem Hintergrund – und das ist die größte Überraschung – werden auch keinerlei Anstrengungen unternommen, die israelische Mannschaft zu schützen.“ http://www.tagesschau.de/ausland/olympiaattentat100.html

    Mehr muss man doch eigentlich gar nicht wissen, oder?

    Wenn man aber dennoch mehr wissen möchte, dann soll man nach Willi Voss bzw. Willi Pohl googeln, der war der deutsche „Vertrauensmann“ der Terroristen, fuhr mit denen wochenlang vor dem Attentat durch Deutschland, und angeheuert wurde Mann von seinem alten Knastkumpel Udo Albrecht, ein BND/Mossad Doppelagent. Heute schreibt er Fernsehkrimis…
    http://www.willivoss.com/

    Björn, Udo Albrecht stellte für KH Hoffmann auch später die Kontakte zur PLO her.

    Noch ein Zitat:
    „Voss wurde im Oktober 1972 festgenommen und im April 1974 wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Wenige Tage später kam er jedoch frei. Voss sagt dazu heute, es sei wohl ein Abkommen geschlossen worden, „denn seltsamer Weise ist anschließend auch die Strafe im Register gelöscht worden. Die Bundesregierung scheint daran interessiert gewesen zu sein, Ruhe zu bekommen.“ Dies würde zumindest in das Bild passen, das die nun bekannt gewordenen Dokumente vermitteln.
    http://www.sueddeutsche.de/politik/deutsche-behoerden-beim-olympia-attentat-muenchen-erst-versagt-dann-vertuscht-1.1419360

    Olympia-Attentat München 1972: Wie immer, staatlich inszenierter Terror. Israel opferte ein paar Sportler, und die Deutschen fühlten sich kollektiv wieder einmal schuldig.

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