Erst verkaufen, später vernichten: Das Milliarden-Geschäft mit C-Waffen

Für die USA und Russland wäre die Vernichtung der Chemie-Waffen aus Assads Arsenal nicht nur eine diplomatische Lösung. Es wäre auch ein gutes Geschäft. Es winken Milliarden von Dollars im zweistelligen Bereich. Auch Deutschland könnte ein Stück vom Kuchen abkriegen. So verdienen genau die Kandidaten an der Abrüstung von C-Waffen, die bereits von deren Beschaffung profitierten.

 In einem Interview der Neuen Züricher Zeitung mit dem Bereichsleiter für Abrüstung bei Green Cross Schweiz, das gestern im Netz veröffentlicht wurde, fielen bemerkenswerte Sätze. Nach Einschätzung von Stephan Robinson sind die Kosten einer Entsorgung der Chemie-Waffen in Syrien „sehr hoch“.

„Das russische Programm wird voraussichtlich über 10 Milliarden Dollar kosten, das amerikanische über 35 Milliarden. In den Verfahren gibt es keine Standardlösung.“

Wenn keine Standardlösung vorhanden ist, bedeutet dies auch, dass die Kosten nach oben hin offen sind. Es wird also kräftig verdient. Woher hat das Assad-Regime eigentlich die Chemie-Waffen? Dazu aus dem Blog „SciLogs“:

„Bis Mitte der 80er Jahre hatte Syrien mit freundlicher Unterstützung der Sowjetunion und einiger westeuropäischer Staaten nicht nur ein beträchtliches Arsenal moderner chemischer Waffen aufgebaut, sondern auch eigene Produktionsstätten und ein Forschungsnetzwerk, und damit das am weitesten entwickelte C-Waffen-Programm im Nahen Osten.“

Die „freundliche Unterstützung einiger westeuropäischer Staaten“ kam nach einem Bericht von Focus-Online vor allem aus Deutschland:

„Laut einer Studie des amerikanischen Center for Strategic and International Studies (CSIS) hat Deutschland sogar eine herausragende Rolle bei der Ausstattung syrischer Labors gespielt. Nach Informationen von FOCUS lieferten deutsche Firmen Chemikalien, technische Gläser und Instrumente an das Regime von Hafis al-Assad.“

Russland und Deutschland scheinen also bereits sehr gut am C-Waffen-Geschäft mit dem Assad-Regime verdient zu haben. Und jetzt lockt das nächste Geschäft. Auch für Deutschland. FR-online schrieb am 10. September:

„Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hält eine deutsche Beteiligung an der Vernichtung syrischer Chemiewaffen für möglich. „Wir haben bei der Vernichtung von Chemiewaffen erhebliche Erfahrung und auch entsprechende Programme“, sagte Westerwelle am Dienstag in Berlin. „Und es ist gut möglich (…), dass Deutschland sich dann an einer solchen Vernichtung auch technisch und in anderer Hinsicht beteiligt.“

Man muss sich schon sehr gut in der Herstellung von C-Waffen auskennen, um diese dann auch wieder vernichten zu können. Und tatsächlich hat Deutschland mit diesen hochsensiblen Waffen seit der Chemiewaffen-Produktion von IG Farben die längste Erfahrung. Dieses Wissen scheint für deutsche Firmen bis heute ein sehr gutes Geschäft zu sein – im Ausrüsten und im Abrüsten. Es bleibt stark zu hoffen, dass die aktuellen Ereignisse dazu führen, dass C-Waffen und das perverse Geschäft mit diesen zukünftig nur noch in der Vergangenheit zu finden sind.

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6 Antworten zu Erst verkaufen, später vernichten: Das Milliarden-Geschäft mit C-Waffen

  1. Öl_Schleich schreibt:

    Wir fordern die nicht-militärische Nutzung dieser Chemie-Waffen!!
    Habe gelesen, daß es gemäß eines bestimmten internationalen Gesetzes verboten ist, CS-Gas (PfefferSpray) bei Militäreinsätzen gegen Soldaten anzuwenden.
    Das Vorhandensein enormer Arsenale an Chemie-Waffen auf Seiten der USA, Israel, GB, Frankreich, … und in dem Fall auch Russland und in diesem Fall Syrien müsste doch bedeuten, daß es nicht verboten wäre diese zu besitzen und im Notfall auch einzusetzen?
    Theoretisch müsste man daher annehmen, daß CS/PfefferSpay gefährlicher sei – als die in die gleiche Kategorie eingeordneten Chemiewaffen.
    Nungut, dann fordern wir für zukünftige Niederschlagung von Protest-Aktionen und Demos die nicht-militärische Anwendung dieser Chemie-Arsenale gegen die Zuviel-Bevölkerung.
    Viele Grüße sendet Ihnen:
    Ihre vietnamesische Beobachtungsstelle für Menschenrechte aus Melburn_out.

  2. heintirol schreibt:

    Und wer sorgt dafür, dass Israel alle, in der Wüste gelagerten C-Waffen abgibt?

  3. Pingback: Überforderte Kanzlerin: Chemie an Syrien für “zivile Dinge” | Denkland

  4. cashca schreibt:

    Die Menscheit befindet sich mitten im kollektiven Wahnsinn.
    Während existenziell lebensnotwendige Infrastruktur verkommt, der grundlegende Bedarf für viele Menschen fehlt,, leisten sich die Regierenden die Produktion von Giftgas,
    liefern das auch noch an Länder, die sie hoffieren und boykottieren gleichzeitig,
    den Krieg zwar proforma verurteilen, aber gleichzeitig die Waffen dazu liefern,,
    die Alcaida Kämpfer in einem Land bekämpfen…
    im anderen sie massiv unterstützen und aufrüsten….. u.v. m.
    Eimal führt man Krieg gegen sie…. dann führt man Krieg mit ihnen, lässt sie im Auftrag für die eigenen Ziele kämpfen, karrt sie aus der ganzen Welt zusammen und finanziert sie.

    Was für eine schwachsinnige , schizophrene Welt.

    Die gleichen Regierungen werben um Vertrauen der Bürger, um Verständnis für ihre Taten
    Die Regierungen des Westens predigen Moral und Werte in aller Welt, demonstrieren macht und Sanktionen für jeden, der die eigenen Werte nicht teilt.
    Kriege androhen und führen ist also neuerdings auch eine ..WERT.?
    Das Ganze ist an Heuchelei und Scheinheilgkeit nicht mehr zu überbieten.
    Das ganze Kriegsgemetztel wäre ohne die Waffenlieferungen aus dem ehrenhaften Westen gar nicht möglich.
    Jetz muß also das Sarin Giftgas, das man vorher produziert hat, kostete sicher viel Geld….
    wieder entsorgt werden… kostet wieder viel Geld,, was ist das denn für eine Logik.
    Man produziert etwas, was bei Anwendung .. als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit “
    eingestuft wird, um es dann wieder zu vernichten.
    Das ist Verschwendung von Arbeitskraft, von Geld , sinnlose Vergiftung der Umwelt und Dummheit pur.
    Oder sollte das gar Arbeitsbeschaffung sein? Weil sonst die Giftfabriken Arbeiter entlassen müssten? Auf solche Arbeitsplätze können wir gerne verzichten.
    Das wäre die Arbeitskraft und das Geld für die Instandhaltung unserer Infrastrukur , sowie für die Bildung der nachwachsenden Generation besser eingesetzt.
    Die Schizophrenie scheint wohl im Menschen angelegt zu sein, die Mächtigen tragen sie zur Schau, wie wir hier alle sehen können.
    Irgendwann wird das Lügengebäude einstürzen, wie einst der „TURMBAU zu BABEL!“
    Niemand hat in der Menschehitsgeschichte, soweit wir sie kennen, sein Unwesen endlos und ewig weitertreiben können. Immer kam am Ende der tiefe Fall.
    Der wird für einige Dauerlügner ,Großmachtstreber und Weltenbeherrscher auch wieder kommen.

  5. Pingback: Ahnungsloser Außenminister: Westerwelle und Deutschlands chemiewaffentaugliche Lieferung an Syrien | Denkland

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